Analysen

Eisbären Berlin Kaderanalyse Teil 1 – Die Defensive

(Bilder von City-Press GmbH/DEL)

Der Kader der Eisbären Berlin ist auf eine ganz bestimmte Sache ausgelegt, den Meistertitel. Nach einem sehr schweren und schwachen Sportjahr 2022/23 hat man Problemstellen erkannt und hat sie in Angriff genommen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem defensiven Mannschaftsteil der Eisbären gehen. Ist die Defensive wirklich so stark wie sie scheint oder ist ein ähnliches Muster wie die letzten Jahre (Auf dem Papier topp, auf dem Eis flopp) zu erkennen?

Beginnen wir mit dem voraussichtlichen Abwehrchef Kai Wissmann. Er hat das Ziel, nach einem eher schweren Jahr in Bostons AHL Team wieder an seine 2021/22er Saison im Eisbären Trikot anzuknüpfen. „Whizzy“ ist der vermutlich kompletteste Verteidiger der DEL. Er hat einen guten ersten Pass, einen präzisen aber auch harten Schuss und arbeitet defensiv überragend. Im letzten Jahr hat man ganz gut erkannt, wie eine Eisbären Defensive ohne ihn aussieht. Wissmann wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, oft im ersten Verteidigerpaar zu finden sein. In unseren Augen sollte er eine Rolle im Powerplay an der blauen Linie einnehmen dürfen, ähnlich, wie er es schon bei der Nationalmannschaft gemacht hat. Natürlich hat Wissmann auch (inzwischen sehr wenige) Schwächen. Als seine größte würden wir sein Skating bezeichnen, was aber aufgrund seiner Körpergröße offensichtlich ist.

Fazit:  Er ist der Top Defender und Abwehrchef der Eisbären.

(Foto von City-Press GmbH)

Neben ihm sollte ein Spieler spielen, der ein sehr guter Skater ist. Aus unserer Sicht gibt es für diese Rolle 2 mögliche Spieler: Jonas Müller und Eric Mik. Beide haben einen ähnlichen Spielstyl. Sie bringen Power aufs Eis und sind sehr gut auf den Schlittschuhen. 

„Müllcasso“ (So nannte ihn einst Frank Hördler) und Mik können den Puck gut aus der eigenen Zone hinaustragen und haben beide einen gewissen Offensiven Drang. Da Wissmann eher für seinen Aufbaupass bekannt ist und seine defensive Zuverlässigkeit, würde er gut mit beiden harmonieren.

Müllers Offensivdrang ist in manchen Momenten oft ein wenig zu stark ausgeprägt. Mik fehlt in vielen Momenten noch die Körperlichkeit, weswegen er einen großen, körperlich robusten Arbeiter (oder eben einen Spieler wie Wissmann) neben sich bräuchte. Beide machen aber einen soliden Defensiven Job.  Mik und Müller sind die beiden 2-Way (2 Wege – Defensiv und Offensiv solide) Verteidiger der Eisbären.

(Foto von Marco Leipold/City-Press GmbH)

Morgan Ellis (1.87m – 94 kg) und Julian Melchiori (1.95m – 101kg) sind wie gemacht für die angesprochene Rolle neben Mik. Ellis und Melchiori haben einen nahezu identischen Spielstyl. Sie gehen beide dahin, wo es weh tut und sind sich für nichts zu schade. Beide sollten weiterhin eine „Arbeiterrolle“ einnehmen. Morgan Ellis ist für uns der Spieler in der Eisbären Defensive, der mit den jungen Verteidigern gepaart werden sollte. Zum einen, weil er ein Leader ist, zum anderen, weil er alle 4 (Mik, Bettahar, Panocha, Geibel) gut ergänzt.


Ellis und Melchiori sollten die beiden Spieler sein, die die meiste Eiszeit in Unterzahl sammeln. Ellis größte Schwäche ist es, seine Leistung kontinuierlich abzurufen. Er hat oft Spiele, in denen er überwiegend durch Negativitäten auffällt, wie zum Beispiel durch Strafen. Beide sind – ähnlich wie Wissmann – nicht die besten Skater. Melchiori ist nicht gerade ein begnadeter Offensivverteidiger. Wenn er aber mit so einem Typ Spieler gepaart wird, muss er das gar nicht sein.
Ellis und Melchiori bezeichnen wir als die beiden Defensiv Verteidiger der Eisbären.

Gerade sprachen wir von einem Offensivverteidiger, der zu Melchiori passt. Davon haben wir doch 2 im Kader… oder? Zum einen haben wir unsere neue Nummer 16 Ben Finkelstein. Er ist genau der Typ Spieler, der Melchiori eigentlich perfekt ergänzt. „Ben“ ist ein sehr schneller und wendiger Skater. Offensiv bringt er alles mit, was Wissmann auch mitbringt. Er hat einen präzisen und harten Schuss und einen super Pass. Seine Statistik aus dem letzten Jahr (23 Spiele, 10 Tore, 14 Assists) spricht Bände. Natürlich hat er auch schwächen wie das Körperspiel. Wer mehr zu ihm erfahren möchte, dem leg ich hiermit ans Herz, sich mit unserem Transfercheck zu ihm zu befassen.

 
Der 2. Spieler, den wir meinten ist natürlich Marco Nowak. Im letzten Jahr war er -gezwungenermaßen – der Offensivverteidiger Nummer 1. Zum Ende hin hat er diese Rolle gut ausgeführt, aber es gab deutlich bessere in der Liga. „Nowi“ hat einen guten Aufbaupass, ein gutes Spielverständnis und einen präzisen Handgelenksschuss. 

Leider hat er sich im letzten Jahr Defensiv sehr schwergetan, was ihn erst in die Rolle als Offensivverteidiger gebracht hat. Melchiori konnte im letzten Jahr viel davon wegarbeiten. In der aktuellen Eisbären Verteidigung hat er in unseren Augen einen schweren Stand. Vor seinem Eisbären Engagement haben wir Nowak immer als 2-Way Verteidiger angesehen, nach seinem ersten Jahr im Eisbären Trikot sehen wir ihn am ehesten in einer Offensivverteidiger Rolle.
Aus diesem Grund sind die beiden Offensivverteidiger der Eisbären Ben Finkelstein und Marko Nowak.

(Foto von City-Press GmbH)

Zu guter Letzt schauen wir auf die U23 Riege der Eisbären. Den Anfang macht der Spieler, der aus unserer Sicht das Jahr bei den Eisbären verbringen sollte. Rayan Bettahar ist – ähnlich wie Ellis und Melchiori – ein Spieler, der dahin geht wo es weh tut. „Bettzy“ hat einen grundsoliden Aufbaupass und einen soliden Schuss. Sein Pass und sein Schuss sind aber keine Herausstellungsmerkmale von ihm. Er hat einen hohen Eishockey IQ und ist ein harter Arbeiter. Wir sollten ihm 2-3 Saisons geben, dann könnte aus ihm was werden. Seine große Schwäche ist die Disziplin. Wirft man einen Blick auf die Strafminuten, sollte das einiges erklären. Wettbewerbsübergreifend hat er in den letzten 2 Jahren in 118 Spielen 171 Strafminuten gesammelt. Aktuell sehen wir ihn als Defensivverteidiger, mit ein bisschen Zeit kann aus ihm ein guter 2-Way Verteidiger werden.

(Foto von City-Press GmbH)


Korbinian Geibel ist ein klassischer 2-Way Verteidiger. Viel konnte man ihn bei den Eisbären noch nicht beobachten. In 3 Jahren bestritt er 24 Spiele und war im Schnitt ca. 5:40 Minuten pro Spiel auf dem Eis. Große schwächen konnten wir bei ihm noch nicht erkennen, es stechen aber auch keine großen Stärken hinaus. Ein klassischer 2-Way Verteidiger eben. Er sollte im kommenden Jahr zwischen Berlin und Weißwasser pendeln.

(Foto von Marco Leipold/City-Press GmbH)


Der 10. und damit letzte Verteidiger im Eisbären Kader ist Norwin Panocha. Panocha ist ein Offensivverteidiger mit enorm viel Potential. Bei den Juniors war er der „Player to watch“. Er hat einen super Aufbaupass, einen guten Schuss und ein überragendes Spielverständnis. Er gehört zu den größten Juwelen im deutschen Eishockey, da sind wir uns sicher. Seine Schwäche ist sicherlich das Körperspiel, aber damit kann man in den jungen Jahren (18) noch arbeiten. Einen Offensivverteidiger wie Panocha in die Profimannschaft zu integrieren ist extrem schwer, da Verteidiger in dem jungen Alter (wenn überhaupt) hauptsächlich als 7. Verteidiger eingeplant werden. 

(Foto von Mathias Renner/City-Press GmbH)


Von einem 7. Verteidiger erwartet man sich Defensive Zuverlässigkeit. Diese ist bei Bettahar und Geibel mehr gegeben als bei Panocha. Aus diesem Grund sollte er das kommende Jahr nahezu komplett in Weißwasser verbringen. Da kann er sich als ein Top Verteidiger in der Liga etablieren. Generell sollte ihm die DEL2 auch erstmal mehr liegen als die DEL. 


Zitat Michael Bartuli (Nr. 78 Eisbären Berlin): „Meiner Meinung nach ist in der DEL der läuferische Aspekt deutlich höher. Die DEL2 ist dagegen sehr taktisch geprägt.“ 
Taktisch ist Panocha auf einem sehr hohen Niveau. Außerdem wird in der DEL Körperbetonter gespielt.

Jetzt stellen wir euch noch unser Defensives „Wunsch Lineup“ vor.

18 – Jonas Müller6 – Kai Wissmann
71 – Julian Melchiori16 – Ben Finkelstein
12 – Eric Mik4 – Morgan Ellis
2 – Rayan Bettahar 

Müller und Wissmann kennen sich seit vielen Jahren und haben schon des Öfteren gezeigt, dass sie gut miteinander können. Besonders bei der WM hat man das nochmal gesehen. Wissmann spielt die ersten Pässe, Müller trägt den Puck gut heraus.

(Foto von Mathias Renner/City-Press GmbH)


Melchiori und Finkelstein haben das Potential, eines der besten Duos der Liga zu werden. Melchiori als Arbeiter, Finkelstein als Offensive Waffe. Das kann sehr stark werden. Im Aufbauspiel sollte Melchiori Finkelstein einfach machen lassen.

Im 3. Verteidigerpaar ist Ellis der Arbeiter vor dem Tor. Er kann Eric Mik gut absichern, wenn sich dieser durch Vorstöße in die Offensive einschaltet. Ellis spielt einen Grundsoliden ersten Pass, Mik kann den Puck gut heraustragen. Das Duo ist sozusagen das „kleine Bruder Duo“ von Müller x Wissmann. 

Bettahar ist ein – für sein Alter (18) – schon sehr reifer Eishockeyspieler, wenn man die Disziplin ausklammert. Dies macht ihn sehr wertvoll als 7. Verteidiger.

Marco Nowaks sehen wir tatsächlich in der Rotationsrolle, der vor allem Melchiori, Finkelstein und Ellis entlasten könnte. Sollte man auf die Idee kommen doch im Sturm noch einen weiteren Importspieler zu verpflichten, wäre das „Rausrotieren“ eines Importverteidigers eh die wahrscheinlichste Variante. Was u.a. auch schon ein Gedankenspiel bei den Gerüchten um einen Noebels-Abgang ein Thema war. 

Insgesamt kann man festhalten, dass die diesjährige Eisbären Defensive top ausbalanciert scheint. Man hat seinen Top Verteidiger (Wissmann) gefunden. Dazu sind jeweils 3 Offensivverteidiger (Finkelstein, Nowak, Panocha), Defensivverteidiger (Ellis, Melchiori, Bettahar) und 2-Way Verteidiger (Müller, Mik, Geibel) im Kader. Wir denken, die Eisbären werden in diesem Jahr eine Top 3 Defensive stellen. Man wird sicherlich nicht mehr auf das Problem stoßen, einen Stürmer in die Defensive zu stellen, weil die Verteidigung sehr breit besetzt wurde.

Autor: #Holzi

4 Gedanken zu „Eisbären Berlin Kaderanalyse Teil 1 – Die Defensive

  • Danke für die Chance, hier nen Artikel verfassen zu dürfen🙏

    Antwort
  • Peter Holtkötter Lamborghini Berlin

    Wo ist den Nowak in dem line Up?

    Antwort
    • Jakob Wegener

      Die Abwehr ist stacked (überbesetzt). Einerseits ist das gut für die Kaderbreite, andererseits kann nicht jeder Spieler ins Line-Up kommen. Jeder muss um seinen Platz kämpfen und grundsätzlich ist Nowak nach der letzten Saison unserer Meinung nicht von Anfang an gesetzt…

      Antwort
    • Es steht eigentlich auch im Text erklärt 🙂

      Antwort

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