Spielbericht: Krefeld vs. Eisbären
1694 Tage mussten wir warten, bis unsere Eisbären endlich wieder für ein Ligaspiel in der Seidenstadt zu Gast waren. Und die Rückkehr nach Krefeld sollte mit einem am Ende deutlichen 4:0-Auswärtssieg durchaus erfolgreich verlaufen! Doch so klar, wie es das Ergebnis vielleicht vermuten lässt, war die Angelegenheit über weite Strecken keineswegs. Der Aufsteiger verlangte unseren Eisbären in einem intensiven und lange offenen Spiel einiges ab. Wie es am Ende trotzdem zu diesem deutlichen Ergebnis kam, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren! 🏒
Beim Blick auf das Line-up gab es im Vergleich zum München-Spiel keine Veränderungen. Jean-Luc Foudy stürmte weiterhin neben Andy Eder und Leo Pföderl in der zweiten Reihe, Tobias Krestan bildete gemeinsam mit Yannick Veilleux und Markus Vikingstad die dritte Formation. Eric Hördler, Manu Wiederer und Rihards Griva komplettierten erneut die vierte Reihe. Im Tor vertraute das Trainerteam natürlich weiterhin auf Jonas Neffin.
Auf der anderen Seite wartete ein Gegner, bei dem man als Eisbären-Fan gleich mehrfach genauer hinschauen musste. Im Krefelder Kader finden sich schließlich einige ehemalige Berliner wieder. Und auch sonst hatte diese Begegnung ihren ganz besonderen Reiz: Mit den Eisbären und dem KEV standen sich die amtierenden Meister der PENNY DEL und DEL2 gegenüber.
Dass Krefeld dabei keineswegs vorhatte, sich vom Deutschen Meister beeindrucken zu lassen, dürfte allerdings niemanden überrascht haben. Mannschaften von Thomas Popiesch sind schließlich selten dafür bekannt, ihren Gegnern das Leben besonders angenehm zu machen. Gut strukturiert, unangenehm zu bespielen und offensiv immer wieder mit giftigen Nadelstichen – genau das sollte sich auch an diesem Nachmittag zeigen. Aber dazu gleich mehr.
Und die Krefelder zeigten vom ersten Bully weg, dass sie sich für die Rückkehr gegen den Deutschen Meister einiges vorgenommen hatten. Bis zum Berliner Führungstreffer in der sechsten Spielminute brachten unsere Eisbären offensiv nämlich nahezu keine strukturierte Aktion zustande. Krefeld war enorm bissig, verbrachte viel Zeit in unserem Drittel und hatte zunächst auch die besseren Möglichkeiten. Unter anderem tauchte Philip Gogulla gefährlich vor dem Berliner Tor auf, doch wie so häufig in den vergangenen Wochen hieß der Sieger auch diesmal Jonas Neffin.
Dass es wenig später trotzdem 1:0 für die Eisbären stand, passte zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt zum Spielverlauf. Aber uns sollte es recht sein. Vikingstad gewann das Bully, Krestan brachte die Scheibe zu Davidson an die blaue Linie und der fackelte nicht lange. Sein Schuss wäre vermutlich eine sichere Beute für den erneut sehr starken Jatkola gewesen, doch Vikingstad hielt im richtigen Moment die Kelle rein und fälschte den Puck unhaltbar zur Führung ab. Schön gespielt – und vor allem ziemlich effizient!
Danach kamen unsere Jungs etwas besser in die Partie, ohne dass Krefeld plötzlich aufgehört hätte, unangenehm zu sein. Ganz im Gegenteil. Besonders unserer Paradereihe war anzumerken, dass ihr diese enge Verteidigung so gar nicht schmeckte. Wenig Platz, immer wieder ein Krefelder am Mann und kaum Zeit, um die eigenen Kombinationen sauber aufzuziehen – Kirk und Co. wirkten davon teilweise schon ziemlich genervt.
Chancen erspielten sich die Eisbären trotzdem. Und davon im Laufe der Partie auch gar nicht so wenige. Nur mit der Verwertung war das heute so eine Sache. Teilweise ging man mit den eigenen Möglichkeiten schon ziemlich fahrlässig um, wobei man an dieser Stelle auch Jatkola nicht vergessen darf. Der Krefelder Schlussmann zeigte erneut, warum er schon in den ersten Saisonspielen einen richtig starken Eindruck hinterlassen hat.
Im Mittelabschnitt änderte sich zunächst nicht sonderlich viel am Spielverlauf. Die Eisbären taten sich weiterhin schwer, ihr gewohntes Spiel aufzuziehen, hielten gegen die bissigen Krefelder aber gut dagegen. Besonders auffällig waren die etlichen Bandenzweikämpfe, in denen sich beide Mannschaften wirklich nichts schenkten. Schön anzusehen war das vielleicht nicht immer, intensiv dafür umso mehr.
Und Krefeld blieb gefährlich. Die beste Gelegenheit hatte Newton, der nach einem dieser Bandenzweikämpfe plötzlich freie Bahn hatte und alleine auf Jonas Neffin zulaufen konnte. Aber auch hier war Endstation! Neffin blieb ruhig, machte die Tür zu und hielt die knappe Führung fest.
Auf der anderen Seite waren durchaus Möglichkeiten vorhanden, das Spiel etwas beruhigender zu gestalten. Vor allem Liam Kirk ließ heute einiges liegen und dürfte sich über die eine oder andere vergebene Chance selbst geärgert haben. Und dann wäre da noch Leo Pföderl. Der traf bei seiner besten Gelegenheit leider nur den Pfosten. In der CHL läuft es für ihn vor dem Tor schon deutlich besser, in der Liga scheint momentan noch ein wenig Pech an seinem Schläger zu kleben. Aber irgendwann werden die Dinger auch dort wieder reingehen.
Richtig stark präsentierte sich dagegen erneut das Berliner Penaltykilling. Wenn Krefeld schon im Fünf-gegen-Fünf so unangenehm zu bespielen ist, sollte man den Gastgebern in Überzahl vielleicht nicht unbedingt noch zusätzliche Möglichkeiten schenken. Doch die Eisbären verteidigten ihre Unterzahlsituationen sehr konzentriert und ließen auch hier keinen Gegentreffer zu.
So blieb dieser Mittelabschnitt tatsächlich komplett torlos. Das lag weniger an fehlenden Möglichkeiten, sondern vielmehr an zwei starken Defensivreihen und zwei Torhütern, die einen äußerst souveränen Nachmittag erwischten. Für unsere Nerven bedeutete das allerdings auch: weiterhin nur 1:0 – und dieses Spiel war noch lange nicht entschieden.
Auch im Schlussdrittel dachte Krefeld überhaupt nicht daran, sich mit diesem knappen Rückstand abzufinden. Die Gastgeber machten noch einmal ordentlich Druck und verbrachten gerade zu Beginn wieder viel Zeit im Eisbärendrittel. Unsere Jungs hielten aber weiterhin gut dagegen und warteten geduldig auf die Räume, die sich zwangsläufig irgendwann ergeben würden.
Und genau einen solchen nutzte zwölf Minuten vor dem Ende Tobias Krestan. Ausgerechnet Krestan, der bereits den ersten Treffer vorbereitet hatte, erzielte sein erstes DEL-Tor und sorgte damit endlich für etwas mehr Luft auf der Anzeigetafel. Das 2:0 – und bei diesem Spielverlauf fühlte sich dieser Zwei-Tore-Vorsprung schon ziemlich beruhigend an.
Allzu lange hielt die Entspannung allerdings nicht. Praktisch direkt nach dem Treffer tankte sich Marcel Müller noch einmal durch und Krefeld versuchte mit aller Macht, schnell eine Antwort zu finden. Doch Neffin und seine Vorderleute hielten dem Druck stand. Auch im letzten Powerplay der Gastgeber änderte sich daran nichts.
Krefeld versuchte wirklich viel, brachte die Scheibe immer wieder unangenehm in den Slot und suchte dort nach Abprallern oder irgendeiner Lücke. Doch die Berliner Mauer hielt! Und damit meine ich diesmal ausdrücklich nicht nur Jonas Neffin. Natürlich war unser Goalie wieder überragend, aber was die gesamte Mannschaft vor ihm wegverteidigte, war mindestens genauso wichtig. Jeder arbeitete mit, jeder warf sich rein und gemeinsam brachte man die Krefelder langsam zur Verzweiflung.
Und während die Gastgeber weiter auf ihren ersten Treffer hofften, schlug auf der anderen Seite erneut unsere dritte Reihe zu. Markus Vikingstad machte mit seinem zweiten Treffer des Nachmittags das 3:0 und sorgte damit für die endgültige Entscheidung, noch bevor Krefeld überhaupt die Gelegenheit bekam, Jatkola für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis zu nehmen.
Den Schlusspunkt setzte schließlich Andy Eder mit dem Treffer zum 4:0. Wobei „Schlusspunkt“ an diesem Nachmittag fast ein wenig ungerecht gegenüber seinen Nebenleuten klingt: Alle vier Berliner Treffer gingen auf das Konto der dritten Reihe! Vikingstad mit zwei Toren, Krestan mit seinem Premierentreffer und Eder ebenfalls erfolgreich – das Secondary Scoring, über das wir in den vergangenen Wochen immer wieder gesprochen haben, kommt langsam aber sicher richtig in Fahrt.
Am Ende steht also ein 4:0 auf der Anzeigetafel, das deutlicher aussieht, als dieses Spiel über weite Strecken tatsächlich war. Krefeld präsentierte sich sehr gut strukturiert, bissig und setzte offensiv immer wieder gefährliche Nadelstiche. Die Eisbären mussten sich diesen Sieg wirklich erarbeiten. Sie verteidigten aber über 60 Minuten unglaublich konsequent, hatten in den entscheidenden Situationen erneut einen überragenden Jonas Neffin zwischen den Pfosten und nutzten im Schlussdrittel schließlich die Räume, die sich ihnen boten.
Damit blieb Krefeld erstmals in dieser Saison ohne eigenen Treffer. Und vielleicht macht genau das diesen Sieg am Ende besonders stark. Es war kein spielerisches Feuerwerk unserer Eisbären, sondern einer dieser Erfolge, bei denen man über weite Strecken arbeiten, kämpfen und auch einmal unangenehme Phasen aushalten muss. Dass daraus am Ende trotzdem ein 4:0 wird, kann man dann durchaus mal mitnehmen. 🤭
Weiter geht es am Freitag zu Hause gegen Augsburg. Bis dahin wünschen wir euch allen eine schöne Herbstferienwoche! Und natürlich denken wir dabei auch ganz besonders an diejenigen, die trotz Ferien arbeiten müssen, euch eine stressarme Zeit gewünscht! 🙏🏒
