Spielbericht: Eisbären vs. München
Tja, irgendwann musste es ja passieren! 😅 Nach sechs Ligasiegen in Folge ist die beeindruckende Siegesserie unserer Eisbären gerissen – und ganz nebenbei musste Jonas Neffin tatsächlich mal wieder erleben, wie es sich anfühlt, einen Puck aus dem eigenen Tor holen zu müssen. 🤭
In einem extrem intensiven Duell zweier Topmannschaften hatten die Münchner am Ende das bessere Ende für sich. Und auch wenn eine Niederlage gegen diesen Gegner sicherlich kein Grund ist, plötzlich alles infrage zu stellen, bleibt ein etwas ärgerliches Gefühl zurück. Denn unsere Eisbären machten sich mit zu vielen eigenen Fehlern das Leben unnötig schwer.
Warum trotz der Niederlage vieles für ein richtig gutes Eishockeyspiel sprach und an welchen Stellen wir uns vielleicht selbst um ein besseres Ergebnis gebracht haben, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!
Beim Blick auf das Line-up gab es diesmal keine großen Überraschungen. Jean-Luc Foudy stürmte erneut in der zweiten Reihe neben Andy Eder und Leo Pföderl. Tobias Krestan bildete gemeinsam mit Yannick Veilleux und Markus Vikingstad die dritte Formation, während Eric Hördler, Manu Wiederer und Rihards Griva die vierte Reihe komplettierten.
Und im Tor? Natürlich wieder Jonas Neffin! Nach seinen überragenden Auftritten der vergangenen Wochen gab es schließlich auch wenig Anlass, an dieser Position irgendetwas zu verändern.
Auf Münchner Seite fehlte mit Dominik Kahun zwar ein enorm wichtiger Offensivspieler, dem starken Auftritt der Gäste sollte das allerdings keinerlei Abbruch tun. Ganz im Gegenteil: München erwischte den deutlich besseren Start und setzte unsere Eisbären vom ersten Wechsel an enorm unter Druck.
Gerade in den ersten Minuten stimmten Zuordnung und Zugriff überhaupt nicht. Teilweise wirkte es so, als würden die Eisbären dem Münchner Spiel nur hinterherlaufen. Fast drei Minuten Dauerdruck mussten unsere Jungs überstehen, ohne wirklich für Entlastung sorgen zu können. Und irgendwie beschlich einen früh das Gefühl: Das könnte heute ein verdammt unangenehmer Abend werden.
Doch die Eisbären kämpften sich langsam in die Partie und kamen ihrerseits zu ersten richtig guten Möglichkeiten. So entwickelte sich nach der anfänglichen Münchner Druckphase zunehmend das erwartete Duell zweier Topmannschaften. Beide Torhüter hielten ihre Kästen in diesen wilden Anfangsminuten allerdings noch sauber.
Und dann reichen dieser ersten Reihe eben manchmal ein paar Sekunden! Liam Kirk setzte hinter dem Tor von Mathias Niederberger stark nach, eroberte mit aggressivem Forechecking die Scheibe und hatte anschließend sofort das Auge für seinen Buddy Ty Ronning. Die Münchner Defensive war noch völlig ungeordnet, Ronning wartete bereits im Slot und jagte den Puck sehenswert in den Winkel!
Lange hielt die Freude über die Führung allerdings nicht an. Praktisch mit dem nächsten Angriff schlugen die Münchner zurück. Murphy wurde an der blauen Linie gut in Szene gesetzt und knallte den Puck sehenswert unter die Latte. Für Jonas Neffin gab es da absolut nichts zu halten – und ehrlich gesagt kann man so einen Treffer auch als Mannschaft nur schwer verhindern. Stark herausgespielt, noch stärker abgeschlossen.
Insgesamt entwickelte sich nun ein ziemlich wildes erstes Drittel. 15:20 Torschüsse aus Berliner Sicht sprechen eine deutliche Sprache darüber, wie offensiv beide Mannschaften unterwegs waren. Nach dem schwierigen Start hatten die Eisbären inzwischen aber einen wesentlich besseren Zugriff auf die Partie und begegneten den Münchnern zunehmend auf Augenhöhe.
Dann folgte allerdings vielleicht eine der entscheidenden Szenen des gesamten Spiels. Freddy Tiffels leistete sich einen völlig unnötigen Crosscheck gegen einen bereits am Boden liegenden Gegenspieler. Auch wenn nach der Partie von vielen Seiten großer Unmut über die Leistung der Schiedsrichter geäußert wurde, muss ich an dieser Stelle sagen: Ich fand einen Großteil der strittigen Situationen durchaus richtig bewertet. Und auch hier braucht man aus meiner Sicht nicht lange zu diskutieren. Diese Aktion war einfach unnötig.
Tiffels kassierte folgerichtig eine 5-Minuten-Strafe inklusive Spieldauer und musste den Arbeitstag damit vorzeitig beenden. Ausgerechnet gegen das zweitbeste Powerplay der Liga standen unseren Eisbären nun also fünf verdammt lange Minuten in Unterzahl bevor. Und was die Mannschaft daraus machte, war schon ziemlich beeindruckend! 💪
Die Eisbären verteidigten diese fünf Minuten nicht nur komplett schadlos, sondern hatten selbst Möglichkeiten, wieder in Führung zu gehen. Das Publikum war da, die Mannschaft war da – und plötzlich hatte diese eigentlich völlig unnötige Aktion zumindest sportlich keinen weiteren Schaden angerichtet.
Und wenig später schlugen unsere Jungs tatsächlich erneut zu! Ausgangspunkt war eine bärenstarke Einzelleistung unseres Kapitäns Kai Wissmann. Er tankte sich mit viel Willen ins gegnerische Drittel und legte den Puck anschließend äußerst clever auf Liam Kirk rüber. Der ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und bezwang Mathias Niederberger durch die Schoner zur erneuten Führung!
Doch damit war in diesem furiosen ersten Drittel noch lange nicht Schluss. München erhöhte in den letzten Minuten noch einmal ordentlich den Druck und drängte auf den erneuten Ausgleich. Die Eisbären mussten defensiv einiges investieren und konnten sich dabei einmal mehr auf Jonas Neffin verlassen. Zwar war es diesmal nichts mit einem weiteren Drittel ohne Gegentor, mit einer Fangquote von starken 95 Prozent hielt er seiner Mannschaft aber den knappen Vorsprung fest.
So ging es nach einem unglaublich intensiven ersten Drittel mit einer 2:1-Führung in die Kabine. 35 Torschüsse, fünf Minuten Unterzahl, drei Tore und Chancen auf beiden Seiten – dieses Topspiel hielt bislang definitiv das, was man sich vorher davon versprochen hatte.
Der Mittelabschnitt sollte dann denkbar unglücklich beginnen. Eigentlich hatten sich die Eisbären wieder einiges vorgenommen – schließlich entwickelte sich das zweite Drittel in den vergangenen Wochen fast schon zu unserem Paradedrittel. Doch diesmal sollte es zunächst ganz anders laufen.
Jonas Müller konnte einen eigentlich bereits geklärten Pass der Gäste völlig unbedrängt nicht kontrollieren. Der Puck sprang über seine Kelle und plötzlich hatte Hirose freie Bahn ins Eisbärendrittel. Eigentlich rechneten wohl alle damit, dass er das Tor umkurven würde, doch stattdessen packte der Münchner einen herrlichen Kunstschuss aus und setzte die Scheibe oben in den Winkel. Keine Abwehrchance für Jonas Neffin!
Ärgerlich war vor allem die Entstehung, denn ohne den individuellen Fehler wäre diese Situation überhaupt nicht zustande gekommen. Gleichzeitig zeigte der Abschluss aber auch wieder einmal, was momentan offenbar nötig ist, um Neffin überhaupt zu bezwingen. Wenn schon ein Gegentor, dann muss es aktuell anscheinend so ein Ding sein.
Die Eisbären ließen sich davon allerdings nicht beeindrucken und bauten anschließend ordentlich Druck auf. Auch München hatte weiterhin seine Phasen, sodass sich nun endgültig ein ausgeglichenes Topspiel zweier Mannschaften entwickelte, die sich auf einem enorm hohen Niveau begegneten. Es war erneut das beste Drittel unserer Eisbären – nur dieses Mal eben ohne eigenes Tor.
Dabei machte sich nun auch das Fehlen von Freddy Tiffels bemerkbar. Natürlich erzeugten die Eisbären weiterhin viel Druck, durch den Ausfall mussten die Reihen allerdings neu formiert werden. Dadurch wirkte das Offensivspiel trotz aller Bemühungen teilweise etwas konfus und in seinen Abläufen ungewohnt stockend. Gerade gegen eine Mannschaft wie München können solche Kleinigkeiten dann schon einen Unterschied machen.
Trotzdem war es ein sehr starkes und vor allem unglaublich intensives Drittel. Beide Mannschaften schenkten sich weiterhin keinen Zentimeter Eis und lieferten genau das Topspiel, das man sich von dieser Begegnung versprochen hatte. Nur auf der Anzeigetafel hatte sich das Bild aus Berliner Sicht leider gedreht: Statt der knappen Führung ging es nun mit einem 2:2 in die zweite Pause.
Auch im Schlussdrittel erwischten zunächst die Münchner den deutlich besseren Start. Die Eisbären kamen in den ersten zehn Minuten kaum einmal wirklich kontrolliert über die Mittellinie und waren fast ausschließlich mit Defensivarbeit beschäftigt. Immerhin erledigten sie diese größtenteils sehr solide. München hatte zwar viel Scheibenbesitz und setzte sich immer wieder im Berliner Drittel fest, die ganz großen Abschlüsse ließ unsere Defensive aber zunächst kaum zu.
Es brauchte schließlich ein Überzahlspiel, damit die Gäste ihre spielerische Qualität doch noch auf die Anzeigetafel bringen konnten. Und an dieser Stelle muss ich auch einmal etwas loswerden: So sehr ich unsere Fans und die Stimmung in der Arena liebe, konnte ich die fast schon ekstatischen Fangesänge während dieser Unterzahl beim Stand von 2:2 nicht so ganz nachvollziehen. Ein starkes Penaltykilling darf und soll natürlich gefeiert werden – aber vielleicht doch besser, wenn die Unterzahl auch tatsächlich überstanden ist. 😅
Die Quittung folgte leider direkt auf dem Eis. München spielte sein Powerplay stark aus und erzielte die erstmalige Führung der Partie. Jonas Neffin war auch bei diesem Gegentreffer ohne wirkliche Abwehrchance.
Und damit setzte sich ein bitteres Muster dieses Abends fort: Wenn München unseren derzeit überragenden Torhüter bezwingen wollte, brauchte es entweder einen außergewöhnlichen Abschluss oder eine richtig gut ausgespielte Situation. Neffin machte auch an diesem Abend kein schlechtes Spiel – ganz im Gegenteil. Nur stand es nun eben trotzdem 2:3 und unseren Eisbären lief langsam die Zeit davon.
Natürlich versuchten die Eisbären nun noch einmal alles, doch die Münchner verteidigten ihre Führung äußerst clever und ließen nur wenig zu. Vor dem Treffer zum 2:4 kann man sicherlich darüber diskutieren, ob nicht eine Strafe gegen München hätte ausgesprochen werden müssen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die Entscheidungen der Schiedsrichter für mich an diesem Abend weitestgehend in Ordnung gingen.
Als Jonas Neffin schließlich für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis ging, bauten unsere Jungs noch einmal enormen Druck auf. Plötzlich war München tief im eigenen Drittel eingeschnürt und die Eisbären warfen wirklich alles nach vorne. Doch irgendwie wollte der Puck einfach nicht mehr ins Tor.
Zumindest bis exakt 0,2 Sekunden vor dem Ende! Endlich kam einer dieser gefährlichen Querpässe durch die Münchner Defensive und erneut war es Liam Kirk, der Niederberger überwinden konnte. Das 3:4 war tatsächlich noch gefallen – nur leider ungefähr eine Sekunde zu spät, um daraus noch einmal echte Spannung entstehen zu lassen. Die verbleibenden zwei Zehntelsekunden ersparten sich beide Mannschaften anschließend und einigten sich darauf, die Partie gar nicht erst noch einmal aufzunehmen.
So stand am Ende eine 3:4-Niederlage und damit war sie tatsächlich gerissen, unsere schöne Siegesserie. Insgesamt geht der Sieg für die Gäste für mich aber durchaus in Ordnung. München bestätigte eindrucksvoll, warum sie derzeit das stärkste Auswärtsteam der Liga stellen. Die Eisbären hielten über weite Strecken dagegen und lieferten ebenfalls ein starkes Topspiel, machten sich das Leben mit einigen Fehlern aber immer wieder selbst schwer.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Es fehlt nicht viel. Wirklich nicht. Aber gegen eine Mannschaft mit dieser Qualität reichen eben manchmal schon ein paar Kleinigkeiten aus, um ein Spiel ausnahmsweise mal nicht zu gewinnen. Die unnötige Spieldauerstrafe gegen Tiffels, der individuelle Fehler vor dem 2:2 und ein Münchner Powerplay, das im entscheidenden Moment seine Qualität zeigte – solche Dinge entscheiden dann eben ein Topspiel.
Auch Jonas Neffin musste nach seinen zuletzt beinahe schon absurden Auftritten wieder ein paar Gegentore hinnehmen. An seiner Leistung lag diese Niederlage allerdings ganz sicher nicht. Bei den Treffern war kaum etwas zu halten und auch diesmal gab er seiner Mannschaft über die gesamte Partie die Chance, das Spiel zu gewinnen.
Lange Zeit zum Ärgern bleibt ohnehin nicht. Bereits morgen wartet ein Auswärtsspiel, auf das sicherlich nicht nur ich mich ganz besonders freue. Nach langen Jahren des Wartens geht es endlich wieder nach Krefeld! Und vielleicht startet dort ja direkt die nächste Siegesserie. Wir wünschen euch bis dahin eine schöne erholsame Zeit, wir lesen uns morgen! 🏒
