Analysen

Kaderanalyse 26/27 „Die Trainer“

Vor etwas mehr als 100 Tagen erlebten wir einen hochemotionalen Abend mit extremen Schwankungen der Gefühlswelt. Neben dem nach dieser Saison doch sehr überraschenden Gewinn des Meistertitels mussten wir schon wenige Augenblicke später die aufkommenden Gerüchte über einen möglichen Abgang unseres Erfolgscoachs in unsere positiv-ekstatische Gefühlswelt einbauen.

Ziemlich schnell wurde klar, dass dieser Abgang zur Realität werden würde. Eine großartige Ära nahm an diesem 03.05.2026 mit dem fünften Meistertitel in nur sechs Jahren ein viel zu plötzliches Ende! Ein Szenario, auf das wir uns – wenn überhaupt – erst zum Ende seiner Vertragszeit langsam hätten einstellen wollen, kam nun für uns Fans völlig unerwartet. Hinter den Kulissen war diese Entscheidung allerdings schon seit Monaten bekannt, auch wenn die Spieler laut Aubins Aussage nicht vorher darüber informiert wurden.

Für das Management um Stéphane Richer ergab sich dadurch ein wertvolles Zeitfenster, um nach einem geeigneten Nachfolger Ausschau zu halten. Viele haben wohl mit der Verkündung eines erfahrenen Headcoachs gerechnet. Als dann der Name Eric Dubois in den Titelzeilen der Zeitungen zu lesen war, mussten sicherlich einige erst einmal die Suchmaschine bedienen, um nach detaillierten Informationen zu recherchieren. Mir ging es jedenfalls so! Auch dass Dubois als Assistenztrainer in Ingolstadt tätig war, habe ich erst durch das Lesen der Artikel erfahren. Man hat schließlich nicht alle Assistenztrainer aller DEL-Vereine im Kopf.

Auf den ersten Blick also eine durchaus überraschende Lösung. Wenn man sich die Arbeit von Richer in den vergangenen Jahren allerdings genauer anschaut, ist sie das vielleicht gar nicht. Richer war schon immer dafür bekannt, nach einer gewissen Philosophie zu verpflichten. Das gilt für Trainer und Spieler gleichermaßen.

Ein kleiner Blick zurück verdeutlicht das ganz gut: Natürlich kannte man Serge Aubin durch seine aktive Zeit als Spieler bei den Hamburg Freezers vielleicht ein bisschen besser als Eric Dubois, aber auch als Trainer war er damals nicht extrem erfahren – und das, obwohl er in Österreich schon eine Meisterschaft erleben durfte. Dennoch waren die Reaktionen der Fans enorm. Wir wollen hier noch einmal an den Mythos der „Hamburg-Verschwörung“ erinnern. Es gab nicht wenige, die dachten, dass das hochqualifizierte Personal aus Hamburg nun den Auftrag hatte, die Eisbären zu zerschlagen. Die Menschen sind leider in der Lage, vielen surrealen Dingen Glauben zu schenken, aber dieses Thema sollte nun endgültig abgehakt sein. 😉

Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Punkt: Richer scheint bei seinen Verpflichtungen weniger auf den größtmöglichen Namen als auf das bestmögliche Zusammenspiel zwischen Person, Philosophie und bestehender Mannschaft zu achten. Unter diesem Gesichtspunkt wirkt die Entscheidung für Dubois schon deutlich weniger überraschend, als sie beim ersten Lesen seines Namens vielleicht erschien.

Und im Gegensatz zu früher merkt man heute auch, dass das Vertrauen in Richers Arbeit zu Recht enorm gestiegen ist. Man ist von den Qualitäten Dubois’ überzeugt. Welche genau das sind, gilt es nun in diesem Artikel in gewohnter Form zu analysieren. Ach! Wie ich diesen Satz doch in den letzten dreieinhalb Monaten vermisst habe! 🤭

Aber nicht nur ihn gilt es zu analysieren. Auch sein neuer Associate Coach Dan Lambert bringt eine spannende Vita mit nach Berlin. Zudem wird es interessant zu beobachten sein, welche Rolle André Rankel in diesem für seine Verhältnisse sehr erfahrenen Trainergespann einnehmen wird!

Wir haben also viel zu analysieren – legen wir mal los! 💪

Eric Dubois – der „Spielerflüsterer“

„Sie dürfen mich Eric nennen.“ – Diese Aussage in einem kürzlich geführten Interview beschreibt die Philosophie unseres neuen Headcoachs recht gut. Er bezeichnet sich als spielernahen Trainer, der immer ein offenes Ohr für seine Spieler hat. Kommunikation und Vertrauen sind für ihn der Schlüssel zum Erfolg. Ohne eine emotionale, vertrauensvolle Bindung zu seinen Spielern kann man keinen Erfolg haben.

Bereits hier zeigen sich erste Parallelen zu Serge Aubin. Auch ihm wurde nachgesagt, dass er einen herausragenden Draht zu seiner Mannschaft hatte. Dies bestätigen auch die Eindrücke, die man durch die Beobachtung von Trainings und Spielen, aber auch durch das Lesen von Interviews und das Betrachten der letzten Eisbären-Dokumentation gewinnen konnte.

Hier könnte also einer der wichtigen Gründe für die Verpflichtung von Dubois liegen. Zumindest seine grundsätzliche Philosophie im Umgang mit den Spielern scheint sich nicht komplett von der seines Vorgängers zu unterscheiden. Natürlich hat jeder Mensch seine eigene Art, auf seine Mitmenschen zuzugehen, aber der Grundtenor bei Aubin und Dubois wirkt durchaus ähnlich.

Zumindest auf dem Papier!

Denn wie Dubois tatsächlich mit einer Mannschaft umgeht, wenn Ergebnisse ausbleiben, Konflikte entstehen oder schwierige Personalentscheidungen getroffen werden müssen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Seine Aussagen lassen auf eine ähnliche Grundphilosophie schließen. Ob diese in der täglichen Arbeit tatsächlich ähnlich gelebt wird, werden erst die kommenden Monate zeigen.

Trainer Eric Dubois von den Eisbären Berlin im Interview während des Spiels von den Eisbären Berlin am 14.08.2026 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Kommunikation und Vertrauen können ohnehin nur das breite Fundament für erfolgreiche Trainerarbeit bilden. Darauf aufbauend braucht es natürlich noch deutlich mehr. Um besser zu verstehen, was Dubois als Trainer auszeichnet und welche Erfahrungen er mit nach Berlin bringt, müssen wir deshalb einen kleinen geschichtlichen Exkurs in seine Vita durchlaufen – aber keine Sorge, dieser wird nicht allzu trocken! 😉

Dubois ist 56 Jahre alt und bekleidete bisher noch kein Headcoach-Amt im Profibereich. Allerdings kann er auf eine lange und interessante Laufbahn als Headcoach in der kanadischen Nachwuchsliga zurückblicken. Bis 2009 war er bei den „Baie-Comeau Drakkar“ angestellt, im letzten Jahr sogar in Doppelfunktion als General Manager und Cheftrainer! Wenig später bekleidete er das Traineramt bei den ebenfalls in der QMJHL spielenden „Acadie-Bathurst Titan“. Es folgten bis 2016 noch drei Jahre als Assistenzcoach bei den „Rimouski Océanic“, ehe er dann für stolze neun Jahre den Co-Trainer-Posten bei den „Manitoba Moose“ in der AHL übernahm – bekanntlich die zweithöchste Spielklasse in Nordamerika.

Gerade diese neun Jahre in Manitoba sind dabei nicht zu unterschätzen. Auch wenn Dubois dort nicht die Rolle des Headcoachs innehatte, sammelte er über einen außergewöhnlich langen Zeitraum Erfahrungen im professionellen nordamerikanischen Eishockey und in einem Umfeld, dessen zentrale Aufgabe auch darin besteht, Spieler für den nächsten Schritt ihrer Karriere weiterzuentwickeln.

Zur letzten Saison übernahm Dubois dann den Co-Trainer-Posten neben Mark French in Ingolstadt und war dort laut eigener Aussage für die Defensive und die Entwicklung der deutschen Talente zuständig. Vor allem die zweite Tätigkeit verwundert bei seiner langen Erfahrung in der kanadischen Nachwuchsliga QMJHL kaum.

Im Interview mit der BILD-Zeitung berichtete er beispielsweise davon, wie er NHL-Teams dringend empfohlen hat, Jonas Müller zu verpflichten. Zumindest zeigt diese Geschichte, welches Potenzial Dubois in Spielern erkennen kann und welches Vertrauen er in deren Fähigkeiten setzt. Sein Händchen für die Entwicklung junger Spieler lässt sich aber vor allem aus seiner gesamten Trainerlaufbahn und seinen langjährigen Tätigkeiten im Nachwuchs- und Entwicklungsbereich ableiten.

Und hier lässt sich durchaus eine weitere Parallele zu Serge Aubin erkennen. Auch ihm wurde nachgesagt, gut mit Talenten umgehen zu können – allerdings verbunden mit großen Ansprüchen an diese.

Genau diese Kombination findet sich auch in den Aussagen von Dubois wieder. Er beschreibt sich zwar als spielernah, gleichzeitig aber auch als streng und fair. Bestimmte Dinge seien für ihn nicht verhandelbar, beispielsweise ein gewisses Arbeitsethos. Jeder Spieler bekomme seine Chance, müsse sich seine Rolle aber verdienen. Das Team steht über dem Einzelnen.

Das können wir so nur unterschreiben! ✍️

Bei all diesen Parallelen darf allerdings eines nicht passieren: Eric Dubois muss und wird kein zweiter Serge Aubin sein. Die Gemeinsamkeiten erklären sehr gut, warum seine Verpflichtung zur bestehenden Eisbären-Kultur passen könnte. Entscheidend wird aber irgendwann sein, welche eigenen Akzente Dubois setzt und wie sich seine Handschrift von der seines Vorgängers unterscheidet. Gerade darüber wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt schlicht noch zu wenig.

Völliges Neuland betritt Dubois in Berlin allerdings ebenfalls nicht. Bereits vor zwei Jahren interessierte er sich für das europäische Eishockey und folgte einer Einladung der Eisbären zu einem Trainingslager. Hier wurde also bereits der Grundstein für die nun fixierte Zusammenarbeit gelegt.

Fortsetzung des aubinschen Systems?

Eine hochinteressante Frage, auf die sowohl der Kader als auch Dubois’ bisherige Aussagen recht klare Antworten geben: Es wird wohl keine revolutionären Eingriffe in das Spielsystem geben.

Sicherlich wird auch er punktuelle Veränderungen anstoßen, was durchaus positiv einzuordnen ist. Es kann niemals schaden, an ein paar eingerosteten Schrauben zu drehen und diese eventuell sogar ganz auszutauschen. Welche Veränderungen das genau sein werden, lässt sich von außen natürlich noch schwer analysieren. Eine davon könnte das Powerplay sein, welches unter Aubin gewissen Leistungsschwankungen ausgesetzt war. Mehr dazu aber später bei Dan Lambert.

Vielleicht lässt sich der eingeschlagene Weg deshalb am besten mit „Evolution statt Revolution“ beschreiben. Die erfolgreiche Grundidee soll erhalten bleiben, ohne dass daraus der Anspruch entsteht, alles exakt so weiterzuführen wie unter Aubin. Nach fünf Meisterschaften in sechs Jahren wäre es schließlich genauso fragwürdig, ein funktionierendes System komplett einzureißen, wie überhaupt keine neuen Impulse setzen zu wollen.

Wir können uns also wohl weiterhin auf attraktives, offensives Eisbären-Hockey freuen. Alles andere wäre bei der Kaderzusammenstellung auch schwer vermittelbar!

Dabei geht es bei der angestrebten Kontinuität aber nicht ausschließlich um das taktische System. Dubois beschreibt sehr eindringlich, dass er Teil der bestehenden Kultur, Identität und Siegermentalität werden möchte. Abgesehen von Dubois und Lambert gibt es im Trainer-, Führungs- und Betreuerteam keine großen Veränderungen, sodass diese Mentalität im Großen und Ganzen weitergelebt werden kann.

Einen wichtigen Faktor spielt dabei beispielsweise auch Sebastian Elwing, der vor der interessanten Herausforderung steht, aus Neffin und LaFontaine ein harmonisches DEL-Duo zu formen.

Mindestens genauso wichtig wie taktische Kontinuität dürfte also sein, die in den vergangenen Jahren entstandene Kultur innerhalb der Mannschaft zu erhalten. Und genau hier könnte die personelle Kontinuität rund um das neue Trainerduo eine wichtige Rolle spielen.

Fassen wir Dubois zunächst zusammen: Spielernähe, Kommunikation, Vertrauen, klare Leistungsprinzipien und ein Händchen für Talente sind die Punkte, die sich aus seinen Aussagen und seiner bisherigen Trainerlaufbahn ableiten lassen.

Aber genau hier müssen wir auch etwas auf die Bremse treten.

All diese Einschätzungen beruhen bisher auf seinen Aussagen und seinen bisherigen Trainerstationen. Am Ende liegt die Wahrheit auf dem Eis und hinter der Bande. Spätestens bis Ende Dezember dürften wir erste fundierte Erkenntnisse darüber gewinnen können, wie Eric Dubois als Headcoach der Eisbären tatsächlich arbeitet.

Und vor allem die fehlende Headcoach-Erfahrung im Profibereich bleibt trotz aller positiven Eindrücke das größte Fragezeichen hinter seiner Verpflichtung.

Wie reagiert Dubois als letztverantwortlicher Headcoach auf eine längere Niederlagenserie? Wie führt er eine Kabine voller Spieler, die in den vergangenen Jahren nahezu alles gewonnen haben? Wie trifft er unangenehme Entscheidungen gegenüber etablierten Leistungsträgern?

Als Assistent kann man auf all diese Situationen Einfluss nehmen – als Headcoach trägt man am Ende die Verantwortung.

Antworten darauf kann es im August noch nicht geben.

Vielleicht hat Stéphane Richer dieses Fragezeichen bei der Zusammenstellung seines Trainerteams aber ganz bewusst berücksichtigt. Denn ausgerechnet neben einem Headcoach ohne Erfahrung als Cheftrainer einer Profimannschaft steht künftig ein Mann, der Headcoach-Erfahrung, jahrelange NHL-Erfahrung und Kenntnisse des deutschen Eishockeys miteinander verbindet.

Und damit kommen wir zu einem Mann, dessen Rolle möglicherweise deutlich interessanter ist, als die Bezeichnung „Associate Coach“ zunächst vermuten lässt.

Dan Lambert – der geheime Headcoach?

Zugegeben, diese Überschrift ist natürlich bewusst etwas provokant gewählt. Eric Dubois ist unser neuer Headcoach und daran gibt es auch überhaupt nichts zu rütteln! Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick auf den Mann, der künftig neben ihm hinter der Bande stehen wird. Denn die Vita von Dan Lambert liest sich für einen „Assistenztrainer“ schon ziemlich beeindruckend.

Genau hier könnte ein wichtiger Gedanke hinter der Zusammenstellung des neuen Trainerteams liegen. Dubois bringt zwar enorme Erfahrung als Trainer mit, war allerdings noch nie Headcoach einer Profimannschaft. Lambert hingegen kennt genau diese Rolle und bringt zusätzlich jahrelange Erfahrung aus der besten Eishockeyliga der Welt mit.

Aber fangen wir auch bei ihm von vorne an!

Dan Lambert ist ebenfalls 56 Jahre alt und dürfte einigen langjährigen DEL-Fans sogar noch aus seiner aktiven Karriere bekannt sein. Als offensivstarker Verteidiger spielte er unter anderem für Köln, Krefeld, Hamburg und Hannover. Mit den Krefeld Pinguinen gewann er 2003 die deutsche Meisterschaft und war in Hannover mehrere Jahre Kapitän. Deutschland und die DEL sind für ihn also alles andere als Neuland.

Trainer Eric Dubois und Co-Trainer Dan Lambert von den Eisbären Berlin während des Spiels von den Eisbären Berlin am 14.08.2026 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Nach seinem Karriereende 2009 wechselte Lambert hinter die Bande und begann bei den Kelowna Rockets in der kanadischen Nachwuchsliga WHL als Assistenztrainer. 2014 übernahm er schließlich das Amt des Headcoachs – und das durchaus erfolgreich!

In seiner ersten Saison als Cheftrainer gewann Kelowna 53 von 72 Hauptrundenspielen und anschließend die Meisterschaft in der WHL. Beim Memorial Cup schafften es die Rockets sogar bis ins Finale und mussten sich dort erst in der Verlängerung den Oshawa Generals geschlagen geben.

Man kann also durchaus behaupten: Dieser Mann weiß, wie sich Erfolg als Headcoach anfühlt! 😉

Seine Leistungen blieben auch in der NHL nicht unbemerkt. 2015 wechselte Lambert als Assistenztrainer zu den Buffalo Sabres. Ein Jahr später bekam er mit den Rochester Americans sogar die Verantwortung für das AHL-Farmteam der Sabres übertragen.

Nach einem anschließenden Abstecher zurück in die WHL führte ihn sein Weg schließlich wieder in die NHL. Vier Jahre arbeitete er als Assistenztrainer bei den Nashville Predators, anschließend zwei weitere Spielzeiten bei den Calgary Flames. Insgesamt bringt Lambert damit sieben Jahre Erfahrung als Assistenztrainer in der NHL mit nach Berlin.

Und genau an diesem Punkt wird seine Verpflichtung für mich besonders interessant.Ein Trainerteam, das sich ergänzen soll.

Eric Dubois bekommt seine erste Chance als Headcoach einer Profimannschaft – und direkt daneben stellt ihm Stéphane Richer einen Mann, der bereits selbst als Cheftrainer gearbeitet hat und zusätzlich über jahrelange Erfahrung hinter einer NHL-Bande verfügt.

Zufall?

Natürlich können wir nicht in Richers Kopf schauen. Aber zumindest wirkt diese Kombination ziemlich durchdacht.

Lambert weiß, was es bedeutet, als Headcoach Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen zu müssen. Gleichzeitig kennt er die Rolle des Assistenten wie kaum ein anderer. Er sollte also genau wissen, wann seine Meinung gefragt ist und wann die endgültige Entscheidung beim Cheftrainer liegt.

Und vielleicht liegt genau darin eine der großen Stärken dieses neuen Trainerduos.

Dubois soll als kommunikativer Players-Coach die Mannschaft führen und die bestehende Eisbären-Kultur weiterentwickeln. Neben ihm steht mit Lambert ein extrem erfahrener Trainer, der ihm mit seiner Erfahrung zur Seite stehen kann. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Rollenverteilung von Beginn an klar ist. Denn zwei starke Trainerpersönlichkeiten können sich wunderbar ergänzen – oder im schlimmsten Fall gegenseitig im Weg stehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings überhaupt keinen Grund, Letzteres anzunehmen.

Das Powerplay als Lamberts Baustelle

Eine konkrete Aufgabe wurde Lambert bereits zugeteilt: Er soll sich um das Powerplay kümmern. Und da wird es für uns Eisbären-Fans besonders spannend!

Unser Überzahlspiel hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Phasen, in denen es hervorragend funktionierte. Es gab allerdings genauso Momente, in denen man beim fünften erfolglosen Versuch, überhaupt kontrolliert ins Angriffsdrittel zu kommen, leichte Aggressionen auf der heimischen Couch entwickeln konnte. 🤭

Hier soll Lambert neue Impulse setzen. Und diese Aufgabe ist für ihn keineswegs neu. Bereits während seiner Zeit bei den Nashville Predators beschäftigte er sich intensiv mit dem Powerplay. In der Saison 2021/22 erreichte Nashville eine Überzahlquote von 24,4 Prozent – damals sogar ein Franchise-Rekord.

Natürlich kann man solche Zahlen nicht einfach auf die DEL übertragen. Ein Powerplay hängt immer auch von den vorhandenen Spielertypen und deren Zusammenspiel ab. Aber Lambert bringt zumindest nachweislich Erfahrung in genau dem Bereich mit, für den er nun in Berlin verantwortlich sein soll. Und wenn man sich unseren Kader anschaut, mangelt es definitiv nicht an Spielern, die mit der Scheibe etwas anfangen können. 😉

Zusätzlich war Lambert während seiner Zeit in Calgary auch für die Entwicklung der Verteidiger zuständig. Er bringt also keineswegs nur Erfahrung für die offensiven Spezialteams mit.

Was bedeutet das für André Rankel?

Bei all den Gedanken über Dubois und Lambert darf ein Name natürlich nicht fehlen: André Rankel. Für ihn verändert sich die Situation ebenfalls. Mit Dubois und insbesondere Lambert kommen zwei Trainer hinzu, die zusammen einen riesigen Erfahrungsschatz aus unterschiedlichsten Bereichen mitbringen.

Rankel besitzt dafür etwas, was keiner der beiden in dieser Form haben kann: Er kennt die Eisbären-Organisation in- und auswendig. Er kennt den Verein, das Umfeld und die Erwartungen in Berlin. Vor allem aber kennt er einen Großteil dieser Mannschaft bereits sehr genau.

Co-Trainer Andre Rankel von den Eisbären Berlin während des Spiels von den Eisbären Berlin am 14.08.2026 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)

Genau deshalb könnte auch seine Rolle im neuen Trainerteam weiterhin enorm wichtig sein. Vielleicht ist es am Ende genau diese Mischung, die Richer bei der Zusammenstellung im Kopf hatte: Ein neuer Headcoach, der mit seiner Philosophie zur bestehenden Mannschaft passen soll.

Ein extrem erfahrener Associate Coach mit NHL- und Headcoach-Erfahrung. Und mit André Rankel ein Trainer, der die DNA dieses Vereins wie kaum ein anderer kennt. Je länger man sich mit diesem Trainergespann beschäftigt, desto weniger wirkt die Verpflichtung von Eric Dubois deshalb wie ein großes Risiko – und desto mehr wie ein bewusst zusammengestelltes Gesamtpaket.

Fazit – Aubin wird nicht durch einen Trainer ersetzt

Nach sieben Jahren Serge Aubin beginnt bei den Eisbären zweifellos eine neue Zeitrechnung. Und vielleicht liegt genau hier der größte Fehler, den wir bei der Bewertung des neuen Trainerteams machen könnten: Wir suchen nach dem neuen Serge Aubin. Den wird es nicht geben.

Und den braucht es vielleicht auch überhaupt nicht. Stéphane Richer hat sich offensichtlich nicht dafür entschieden, einen möglichst großen Trainernamen nach Berlin zu holen und diesem anschließend die Schlüssel für eine dreimal in Folge meisterhafte Mannschaft in die Hand zu drücken.

Stattdessen wurde ein Trainerteam zusammengestellt, dessen einzelne Bestandteile sich auf dem Papier ziemlich sinnvoll ergänzen. Eric Dubois steht für Spielernähe, Kommunikation, Vertrauen und die Arbeit mit Talenten. Seine bisher größte Unbekannte bleibt die fehlende Erfahrung als Headcoach einer Profimannschaft.

Dan Lambert bringt genau diese Headcoach-Erfahrung mit, hat zusätzlich sieben Jahre in der NHL gearbeitet und bekommt mit dem Powerplay einen Bereich übertragen, in dem neue Impulse durchaus willkommen sind. Und André Rankel bildet weiterhin die Verbindung zur bestehenden Eisbären-DNA.

Dazu kommt ein Umfeld, das nahezu vollständig bestehen bleibt, und eine Mannschaft, die nach drei Meisterschaften in Folge ganz sicher nicht neu lernen muss, wie erfolgreiches Eishockey funktioniert. Genau deshalb glaube ich, dass die entscheidende Frage gar nicht lautet:

Kann Eric Dubois Serge Aubin ersetzen?

Vielleicht lautet sie vielmehr:

Kann dieses neue Trainerteam gemeinsam das weiterentwickeln, was Serge Aubin in sieben Jahren aufgebaut hat?

Denn Revolution braucht diese Mannschaft nicht. Sie braucht neue Ideen, ohne ihre Identität zu verlieren. Sie braucht einen Headcoach, der die Spieler erreicht, ohne ihnen nach drei Meisterschaften erzählen zu wollen, dass plötzlich alles anders gemacht werden muss.

Co-Trainer Andre Rankel von den Eisbären Berlin vor dem Training von den Eisbären Berlin am 14.08.2026 in Berlin, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH Bildagentur)


Und sie braucht ein Trainerteam, das bereit ist, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Auf dem Papier bringt die Kombination aus Dubois, Lambert und Rankel dafür eine ganze Menge mit. Aber auch hier gilt natürlich: Papier gewinnt keine Meisterschaften!

Ob Richer mit seiner nächsten ungewöhnlichen Personalentscheidung erneut den richtigen Riecher bewiesen hat, werden uns erst die kommenden Monate beantworten.

Die Fußstapfen könnten jedenfalls kaum größer sein.

Aber vielleicht müssen Dubois, Lambert und Rankel auch gar nicht versuchen, in diese hineinzutreten.

Vielleicht hinterlassen sie einfach ihre eigenen. 🏒

📸: City-press GmbH

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