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Rihards Griva im Transfer-Check: Vom Jungadler zum Eisbären

Bei einem Transfer wie dem von Rihards Griva muss man ein bisschen genauer hinschauen. Der 19-Jährige kommt nicht mit einer langen DEL-Vita nach Berlin, hat noch kein einziges Spiel im deutschen Oberhaus absolviert und wird von den Eisbären zunächst vor allem für den U23-Bereich eingeplant. 

Und trotzdem ist dieser Transfer deutlich interessanter, als es der erste Blick vermuten lässt.

Denn Griva ist kein Spieler, den die Eisbären einfach verpflichtet haben, um irgendeinen jungen Kaderplatz zu besetzen. Der gebürtige Lette mit deutscher Staatsbürgerschaft hat in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass in ihm einiges steckt. Jetzt soll Berlin der nächste Schritt auf seinem Weg werden. Und ganz nebenbei kommt dieser Schritt ausgerechnet gegen den großen Rivalen aus Mannheim besonders interessant daher.

Von der Mannheimer Talentschmiede über Nordamerika nach Berlin

Wer Rihards Grivas Entwicklung verstehen möchte, muss zwangsläufig nach Mannheim schauen. Sieben Jahre lang trug der gebürtige Lette mit deutscher Staatsbürgerschaft das Trikot der Jungadler. Die Mannheimer Nachwuchsarbeit genießt seit Jahren einen hervorragenden Ruf und hat zahlreiche Profis hervorgebracht. Genau in diesem Umfeld reifte auch Griva Schritt für Schritt zu einem echten Leistungsträger.

Konnte 2024/2025 mit den Jungadlern den DNL-Titel feiern: Rihards Griva – Foto von Moritz Eden /City-Press GmbH Bildagentur

Seine letzte Saison im Jungadler-Trikot (2024/25) war der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung. In lediglich 39 Hauptrundenspielen sammelte er beeindruckende 83 Scorerpunkte (36 Tore, 47 Vorlagen), ehe er in den Playoffs weitere 15 Zähler beisteuerte und mit Mannheim den DNL-Titel feierte. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Gustavs Griva und Dustin Willhöft bildete er eine Offensivreihe, die gegnerischen Verteidigungen regelmäßig schlaflose Nächte bereitete und zu den spektakulärsten Sturmformationen der DNL gehörte.

Dass ausgerechnet eines dieser Mannheimer Top-Talente nun das Berliner Trikot trägt, besitzt durchaus eine gewisse Symbolkraft. Wenn der größte Rivale über Jahre einen Spieler ausbildet und dieser anschließend beim amtierenden Meister unterschreibt, darf man das an der Spree mit einem kleinen Grinsen zur Kenntnis nehmen. Die Aufgabe der Eisbären beginnt dort, wo die Mannheimer Ausbildung endet: aus einem Top-Talent einen festen DEL-Spieler zu machen.

Nach dem Mannheimer Titel-Erfolg entschied sich Griva bewusst gegen den vermeintlich einfacheren Weg und wagte, zusammen mit seinem Bruder Gustavs den Sprung nach Nordamerika zu den Madison Capitols in die USHL. Sportlich verlief dieses Jahr mit 15 Punkten aus 49 Hauptrundenspielen statistisch deutlich unspektakulärer. Wer daraus allerdings den Schluss zieht, Griva habe sich nicht weiterentwickelt, greift zu kurz. Der Wechsel bedeutete die Umstellung auf kleineres Eis, ein deutlich körperlicheres Spiel und ein komplett anderes System. Gerade in jungen Jahren sind solche Erfahrungen oft deutlich mehr wert, als es nackte Zahlen vermuten lassen.

Sein Bruder kam mit den Anforderungen deutlich besser klar (36 Punkte aus 49 Spielen), auch er wurde kurzzeitig nach Berlin gerüchtet, hat nun aber seinen Vertrag bei den Madison Capitals verlängert. Einer künftigen Brüder-Vereinigung in Berlin würden wir natürlich trotzdem positiv entgegenschauen, vielleicht ja in der nächsten Saison.

Aber jetzt wieder zurück zu Neu-Eisbär Rihards.

Das Energiebündel: Was bringt Rihards Griva den Eisbären?

Mit 1,82 Metern Körpergröße und 79 Kilogramm gehört Griva nicht zu den Angreifern, die ihre Gegenspieler allein über physische Wucht dominieren. Seine größten Stärken liegen vielmehr in seinem Spielverständnis, seinem Tempo und seinem offensiven Instinkt. Er erkennt freie Räume früh, besitzt einen guten Abschluss und versteht es, Mitspieler clever einzusetzen.

Gleichzeitig gilt der Neuzugang als echtes Energiebündel auf dem Eis. Trotz seines nicht klassisch robusten Körpertyps scheut er keinen Zweikampf, läuft extrem viele Meter und arbeitet konsequent in beide Richtungen. Griva erinnert in seiner Spielweise an einen jungen Lean Bergmann: viel Energie, aggressives Forechecking und die Bereitschaft, für jeden Puck zu arbeiten.

Rihards Griva im Zweikampf – Foto von Moritz Eden /City-Press GmbH Bildagentur

Dass er diese Qualitäten auch international aufs Eis bringt, bewies er jüngst beim Lehrgang der U20-Nationalmannschaft. Bei den beiden harten Testspielen gegen die Slowakei, die zwar beide knapp verloren gingen, war Griva einer der auffälligsten Aktivposten und konnte ein Tor sowie eine Vorlage beisteuern.

Warum Berlin der richtige nächste Schritt ist

Sportlich betrachtet wirkt der Wechsel nach Berlin vor allem deshalb logisch, weil Griva hier nicht sofort funktionieren muss.

Die Eisbären haben bei seiner Verpflichtung unmissverständlich klargemacht, welche Rolle sie für den 19-Jährigen zunächst sehen. Er soll den U23-Bereich verstärken, sich in einem professionellen Umfeld weiterentwickeln und Schritt für Schritt an das Profi-Eishockey herangeführt werden. Genau dieser Plan nimmt Druck von den Schultern eines jungen Spielers und schafft gleichzeitig die Voraussetzungen dafür, sich in Ruhe weiterzuentwickeln.

„Wir freuen uns sehr, Rihards Griva bei den Eisbären Berlin begrüßen zu dürfen. Rihards ist ein junger und talentierter Stürmer, der unseren U23-Bereich verstärken wird. Zugleich freuen wir uns darauf, ihn auf seinem weiteren Weg in Richtung Profieishockeykarriere zu unterstützen und zu begleiten.“ – Stéphane Richer

Denn eines darf man nicht vergessen: Entwicklung verläuft selten geradlinig. Gerade bei jungen Spielern gibt es Phasen, in denen Fortschritte von außen kaum sichtbar sind. Im Eishockey geht es nicht nur darum, Tore zu schießen oder Punkte zu sammeln. Es geht ebenso darum, körperlich zuzulegen, das Spiel ohne Scheibe zu verbessern und die vielen kleinen Details zu verinnerlichen, die am Ende darüber entscheiden, ob ein Talent den Sprung in die DEL schafft oder nicht.

Berlin bietet dafür nahezu ideale Bedingungen. Täglich mit erfahrenen Profis zu trainieren, von etablierten Spielern zu lernen und sich in einem Meisterteam zu beweisen, ist für einen jungen Angreifer eine Chance, die längst nicht jeder bekommt. Zudem hat man durch die weiterlaufende Kooperation mit den Lausitzer Füchsen zusätzlich die Chance Griva Spielzeit in der DEL2 zu geben. Genau deshalb wirkt dieser Transfer weniger wie eine kurzfristige Kaderergänzung als vielmehr wie eine Investition in die Zukunft.

Mein Puckgeflüster-Fazit

Rihards Griva ist sicherlich nicht der Transfer, der im Sommer die größten Schlagzeilen produziert hat. Das muss er allerdings auch gar nicht. Viel spannender ist die Frage, wo dieser Spieler in zwei oder drei Jahren stehen wird.

Die Eisbären verpflichten einen jungen Angreifer, der im Nachwuchs geglänzt, in Nordamerika wertvolle Härte gelernt hat und die bissige Arbeiter-Mentalität eines echten Energiebündels mitbringt. Zwischen einer dominanten Nachwuchszeit und einer festen Rolle in der PENNY DEL liegen Welten, und Geduld ist hier das Schlüsselwort.

Rihards Griva (links) feiert zusammen mit seinem Zwillingsbruder Gustavs ein Tor – Foto von Moritz Eden /City-Press GmbH Bildagentur

Sollte es dem Berliner Trainerteam allerdings gelingen, sein Potenzial erfolgreich auszuschöpfen, könnte ausgerechnet eines der größten Mannheimer Nachwuchsgesichter seine besten Profijahre im Berliner Trikot erleben. Allein dieser Gedanke dürfte dem einen oder anderen Adler-Fan heute schon ein klein wenig Bauchschmerzen bereiten. Und seien wir ehrlich: Solche Geschichten liest man in der Hauptstadt traditionell besonders gern.

Willkommen in Berlin, Rihards. Jetzt liegt es an dir, das nächste Kapitel zu schreiben.

Beitragsbild: City-Press GmbH

Jakob Wegener

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