Spielbericht: Eisbären vs. Mannheim
Die Serie geht in die Verlängerung! Die Eisbären unterliegen in einer hochintensiven Partie den Gästen aus Mannheim in der zweiten Overtime mit 3:4 und verpassen somit denkbar knapp den Sweep und die Meisterschaft im ersten Matchpuckspiel! Warum es gestern nicht zur Meisterschaft gereicht hat, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!
Bedingt durch die absolut berechtigte Drei-Spiele-Sperre für Kai Wissmann musste es zu Änderungen im Line-Up kommen. Markus Niemeläinen feierte sein Comeback neben Adam Smith, wobei „Feiern“ im Nachgang leider nicht wirklich passend erscheint. Später dazu mehr. Sonst gab es bei den Eisbären keine Änderungen. Bei den Adlern hingegen wurde etwas mehr rotiert, auch bedingt durch den verletzungsbedingten Ausfall von Heim, der bekanntlich eine U-23-Position einnimmt. Diese Rolle übernahm Max Calce, der in der Hauptrunde gegen die Eisbären durchaus auf sich aufmerksam machen konnte – Einsatzzeit erhielt er gestern allerdings keine.
Die Eisbären und die Adler agierten im Grunde mit 3,5 Reihen – die Berliner aus der Not heraus, die Mannheimer scheinbar aus Überzeugung. Das muss man nicht zwingend verstehen, gerade wenn man die Kaderbreite betrachtet. Mit Fohrler und Shaw kehrten zudem zwei Verteidiger ins Line-Up zurück, im Tor bekam Johan Mattsson seine Chance. Brendan O’Donnell musste dafür als überzähliger Importspieler auf die Tribüne.
Das erste Drittel war von einer optischen Dominanz der Adler geprägt, was angesichts der Ausgangslage auch wenig überraschend war. Eine Angriffswelle nach der anderen rollte auf die Eisbärenverteidigung zu. Mannheim agierte mit einem sehr aggressiven Forecheck – fast schon im Stile der Berliner. Am Ende hatten die Eisbären dennoch mit 11:8 mehr Torschüsse zu verzeichnen. Das unterstreicht, wie stabil und diszipliniert man diesen Druck verteidigt hat. Ein wirklich starkes Defensivdrittel!
Auch im weiteren Verlauf schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Früh im Mittelabschnitt ging man durch einen sehenswerten One-Timer von Les Lancaster im Powerplay in Führung. Wenig später erhöhte Liam Kirk auf 2:0. Die Adler kamen in diesem Drittel nur durch einen gut ausgespielten Moment im Powerplay zurück ins Spiel. In dieser Situation fehlte einmal die Zuordnung, zudem wurde Jonas Stettmer die Sicht hervorragend genommen. Das kann passieren.
Zumal man im dritten – leider nicht letzten Drittel – wieder sehr clever agierte. Man erzielte recht schnell den dritten Treffer und spielte danach das Spiel eigentlich souverän runter. Bis dann unser finnischer Ausnahmeverteidiger meinte einen Zweikampf hinter der Bande des gegnerischen Tores zu fahren. Was um Himmels Willen sollte das? Und dann sich auch noch so dämlich anzustellen, dass man den Gegner auch noch den Schläger ins Gesicht rammt. Ich habe selten eine dämlichere Aktion gesehen als diese. Aubin wird sich auch fragen, ob er nicht lieber hätte Kretzschmar neben Smith hätte spielen lassen. Selbst Panocha wäre hier die bessere Variante gewesen.
Diese Phase entwickelte sich zum Wendepunkt. Die Adler konnten enormen Druck aufbauen. Zwar verteidigten die Eisbären über weite Strecken engagiert und strukturiert, doch an diesem Abend hatten die Gäste in den entscheidenden Momenten auch das nötige Scheibenglück auf ihrer Seite. Und natürlich – sie mussten liefern. Mit diesem Kader und dieser Ausgangslage war eine Reaktion fast unausweichlich. Dass sie genau in diesem Spiel kommt, ist aus Berliner Sicht maximal unglücklich.
Bedingt durch den Anschlusstreffer witterten die Gäste natürlich noch einmal Morgenluft. Sie erhöhten nochmals den Druck und das Tempo. Die Eisbären wirkten gestern auch ein wenig erschöpft, die ersten beiden Serien und die drei Spiele im Finale haben halt enorm Kraft gekostet. Wir dürfen nicht vergessen, mit welch einer Rumpftruppe wir derzeit diese fulminanten Leistungen abrufen. Irgendwann ist nach drei hochklassigen Spielen in 7 Tagen auch mal in manchen Phasen die Luft raus. Und da hat man es manchmal schwer, wenn man gegen ein Team spielt, was gewinnen MUSSTE!
Und dennoch waren die Eisbären in der Overtime dann wieder die aktivere Mannschaft und hatten durchaus die Möglichkeiten, den Sack zuzumachen. Am Ende fehlte jedoch das letzte Quäntchen Glück. Die Adler nutzten eine ihrer Chancen in der zweiten Verlängerung eiskalt und entschieden Spiel 4 für sich – ausgerechnet in einer Phase, in der die Eisbären eigentlich näher am Sieg waren.
Für den neutralen Zuschauer ist das natürlich ein Gewinn – die Serie lebt. Mannheim hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet, wenn auch mit viel Kampf und etwas Fortune. Jetzt ist wieder alles angerichtet für ein intensives Spiel 5 am Sonntag in Mannheim. Und ganz ehrlich: Genau solche Duelle machen ein Finale um die deutsche Meisterschaft aus – auch wenn wir natürlich alle gerne schon gestern gefeiert hätten.
Abschließend sei nochmal daran erinnert: Wer hätte vor dieser Saison gedacht, dass wir hier über ein mögliches Meisterschaftsspiel der Eisbären im vierten Finalspiel sprechen? Das allein ist schon bemerkenswert.
So Leute! Wir wünschen allen Auswärtsreisenden eine sichere und stimmungsvolle Fahrt!
Genießt das lange Wochenende und dann lesen wir uns Sonntagabend wieder! Macht’s gut! 😌🙏
📸; City-press GmbH
