Spielberichte

Spielbericht: Eisbären vs. Augsburg

Manchmal muss man sich nach einem Eishockeyspiel schon ein wenig verwundert die Augen reiben. Unsere Eisbären gewinnen mit 2:1 gegen starke Augsburger, obwohl sie über weite Strecken eines ihrer schwächsten Saisonspiele zeigten. Aber irgendwie hat diese Mannschaft momentan die bemerkenswerte Fähigkeit, selbst an solchen Abenden noch einen Weg zum Sieg zu finden. Warum die drei Punkte heute alles andere als selbstverständlich waren, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!

Beim Blick auf das Line-up gab es keine Veränderungen im Vergleich zum erfolgreichen Auswärtsspiel in Krefeld. Auch Jonas Neffin stand erneut zwischen den Pfosten. Und wie wichtig das an diesem Abend noch werden sollte, konnte man zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen.

Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass das heute eine ziemlich unangenehme Angelegenheit werden könnte. Augsburg präsentierte sich hellwach, bissig und wirkte in vielen Situationen einfach einen kleinen Schritt schneller als unsere Eisbären.

Dabei war das erste Drittel insgesamt durchaus ausgeglichen. Beide Mannschaften hatten ihre Phasen, ohne dass sich eine Seite entscheidende Vorteile erspielen konnte. Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die Gäste etwas wacher und galliger unterwegs waren. Augsburg war gut in den Zweikämpfen, setzte die Eisbären unter Druck und ließ uns nur selten so richtig in den gewohnten Spielfluss kommen.

Überraschend war das für mich allerdings nicht. Wer die Augsburger in den vergangenen Spielen etwas genauer verfolgt hatte, konnte durchaus erkennen, dass sich die Mannschaft spielerisch in einer guten Verfassung befindet. Das war also keineswegs der vermeintlich einfache Gegner, den man vielleicht allein aufgrund des Namens erwartet hätte.

Tore sollten im ersten Drittel jedenfalls keine fallen. Und irgendwie war das 0:0 nach den ersten 20 Minuten auch ein ganz passendes Ergebnis. Nur so richtig zufrieden konnte man aus Berliner Sicht mit dem bisherigen Auftritt nicht sein.

Was dann im Mittelabschnitt folgte, war allerdings schon ziemlich ernüchternd. Denn während man eigentlich darauf gehofft hatte, dass unsere Eisbären nun besser in die Partie finden würden, passierte praktisch das Gegenteil.

Augsburg übernahm zunehmend die komplette Kontrolle. Ein Angriff folgte auf den nächsten, die Gäste kombinierten teilweise wie aus einem Guss und unsere Jungs fanden überhaupt keinen Zugriff mehr auf das Spiel. In den Zweikämpfen häufig einen Schritt zu spät, im eigenen Aufbau ungewohnt fehleranfällig und insgesamt zunehmend verunsichert – das war schon ziemlich weit entfernt von dem, was wir in den vergangenen Wochen von dieser Mannschaft gesehen hatten.

Und wenn wir ehrlich sind, hatten wir es in dieser Phase vor allem einem Mann zu verdanken, dass die Partie überhaupt noch offen war: Jonas Neffin!

Unser Torhüter hielt einmal mehr, was irgendwie zu halten war, und bewahrte seine Vorderleute davor, einem längst verdienten Rückstand hinterherlaufen zu müssen. Man konnte fast schon ein wenig Mitleid mit ihm bekommen. Vorne lief wenig zusammen und hinten musste er immer wieder die Fehler seiner Mitspieler ausbügeln.

Und dann fiel tatsächlich das 1:0 für die Eisbären!

Ja, manchmal ist Eishockey schon ein ziemlich verrückter Sport. Während Augsburg eine gute Möglichkeit nach der anderen herausspielte, schlugen unsere Jungs praktisch aus dem Nichts zu. Yannick Veilleux brachte die Eisbären in Führung und bestätigte damit einmal mehr seine zuletzt ansteigende Form.

Natürlich haben wir uns über das Tor gefreut. Aber so ganz wusste man vermutlich selbst als Eisbären-Fan nicht, wie man diese Führung angesichts des bisherigen Spielverlaufs eigentlich einordnen sollte. Verdient war sie jedenfalls nicht unbedingt.

Und Augsburg ließ sich davon auch überhaupt nicht beeindrucken. Die Gäste spielten weiter mutig nach vorne und belohnten sich schließlich doch noch mit dem Ausgleich. Die Entstehung des Treffers war zwar eine ziemlich kuriose Angelegenheit, an der grundsätzlichen Berechtigung änderte das aber nichts. Dieses Tor hatten sich die Augsburger mehr als verdient.

So ging es mit einem 1:1 in die zweite Pause. Und dieses Ergebnis war aus Berliner Sicht schon ziemlich schmeichelhaft. Augsburg hatte über weite Strecken klar die besseren Argumente auf dem Eis, während unsere Eisbären spielerisch kaum Antworten fanden.

Das war bis dahin für mich tatsächlich der erste richtig schwache Auftritt unserer Mannschaft in dieser Saison. Nicht, weil Augsburg so gut spielte – damit war durchaus zu rechnen. Sondern weil wir selbst so wenig von dem zeigten, was uns zuletzt ausgezeichnet hatte.

Und dann zeigte sich, dass unser Trainerteam durchaus bereit ist, auf einen solchen Spielverlauf zu reagieren. Im Schlussdrittel wurde ordentlich an den Reihen geschraubt. Und siehe da: Plötzlich standen da wieder ganz andere Eisbären auf dem Eis!

Die Mannschaft agierte deutlich aktiver, ging wesentlich entschlossener in die Zweikämpfe und entwickelte vor allem im Forecheck endlich wieder den Druck, den wir in den ersten 40 Minuten so schmerzlich vermisst hatten. Auf einmal mussten die Augsburger selbst wieder viel mehr Defensivarbeit leisten.

Das war nun endlich der Auftritt, den man sich von unseren Jungs eigentlich schon deutlich früher gewünscht hatte. Und dieses Mal sollte die Leistungssteigerung auch belohnt werden.

Liam Kirk, der durch die Umstellungen nun in einer anderen Formation unterwegs war, bereitete den Führungstreffer stark vor. Manu Wiederer nutzte die Gelegenheit und brachte unsere Eisbären mit 2:1 in Führung!

Und diesmal passte das Tor auch deutlich besser zum Spielverlauf. Denn im Gegensatz zur Führung im Mittelabschnitt hatten sich die Eisbären diesen Treffer durch ihren wesentlich engagierteren Auftritt nun tatsächlich verdient.

Auch anschließend blieben unsere Jungs die bessere Mannschaft. Augsburg wirkte zunehmend müde und konnte nicht mehr an die beeindruckende Intensität aus dem Mittelabschnitt anknüpfen. Ein Bild, das man bei den Gästen auch in einigen ihrer vergangenen Spiele im Schlussdrittel beobachten konnte.

Trotzdem blieb es natürlich spannend. Schließlich stand weiterhin nur ein einziges Tor zwischen den Eisbären und einem möglichen Punktverlust. Und dass das so blieb, lag auch an einer Szene, über die man durchaus diskutieren darf.

Die Eisbären hatten den Puck nämlich noch ein weiteres Mal im Augsburger Tor untergebracht, doch der vermeintliche Treffer zum 3:1 wurde nicht anerkannt. Warum genau, war für mich aus den Bildern beziehungsweise der Situation nicht wirklich nachvollziehbar. Eine Entscheidung, die zumindest einige Fragezeichen hinterließ.

So mussten wir also tatsächlich bis zum Ende zittern. Die Eisbären verteidigten ihren knappen Vorsprung aber erfolgreich und brachten diesen hart erarbeiteten 2:1-Sieg schließlich über die Zeit.

Drei Punkte auf dem Konto, aber spielerisch sicherlich kein Abend, den man sich unbedingt noch einmal anschauen muss.

Und damit möchte ich ausdrücklich nicht die Leistung der Augsburger kleinreden. Ganz im Gegenteil! Die Gäste waren hervorragend eingestellt, spielten über weite Strecken sehr strukturiert und hätten sich angesichts ihres starken Mittelabschnitts durchaus mehr verdient gehabt. Dass einige vom guten Auftritt der Panther überrascht waren, konnte ich deshalb nur bedingt nachvollziehen. Die Entwicklung der vergangenen Wochen hatte schließlich schon angedeutet, dass diese Mannschaft deutlich mehr Qualität besitzt, als man ihr vielleicht zutraut.

Was mich dagegen tatsächlich überraschte, war die Art und Weise, wie schwer sich unsere Eisbären heute taten. So wenig Zugriff, so viele Unsicherheiten und über lange Strecken so wenig Struktur im eigenen Spiel – das hatten wir in dieser Saison bislang kaum gesehen.

Aber genau hier liegt vielleicht auch die positive Erkenntnis dieses Abends. Selbst wenn über 40 Minuten vieles nicht funktioniert, hat diese Mannschaft offenbar inzwischen das Selbstvertrauen und die Qualität, ein solches Spiel noch auf ihre Seite zu ziehen.

Die Umstellungen im Schlussdrittel zeigten Wirkung, die Mannschaft fand zurück zu ihren Stärken und mit Jonas Neffin stand einmal mehr ein Torhüter zwischen den Pfosten, der auch an einem schwierigen Abend den Unterschied machen kann.

Man muss nach einem Sieg nicht immer alles schönreden. Heute war vieles einfach nicht gut. Aber man darf sich trotzdem darüber freuen, dass unsere Eisbären auch an einem solchen Abend einen Weg gefunden haben, drei Punkte einzufahren.

Und vielleicht ist genau das ja auch eine Qualität, die eine richtig gute Mannschaft auszeichnet.

Schön war es heute jedenfalls nicht immer. Erfolgreich am Ende aber trotzdem. Und damit können wir erst einmal ganz gut leben! Am Sonntag geht dann nach Schwenningen! Bis dahin wünschen wir euch ein wunderschönes Wochenende!🙏🏒

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