Kader-Analyse 26/27 „Die Defensive“
Die Defensive der Eisbären Berlin geht mit einer sehr guten Ausgangslage in die neue Saison. Der größte Unterschied zum Start der vergangenen Spielzeit ist „die Rückkehr“ von Kai Wissmann. Nachdem der Kapitän im Vorjahr verletzungsbedingt lange gefehlt hatte, steht er nun wieder vollständig zur Verfügung und hat bereits gezeigt, dass er an sein gewohntes Niveau anknüpfen kann.
Wissmann ist nicht nur sportlich ein enorm wichtiger Faktor, sondern auch als Führungsspieler unverzichtbar. Als Kapitän führt er die Defensive an und übernimmt erneut eine zentrale Rolle im Spiel der Eisbären.
Im Vergleich zur vergangenen Saison hat sich die Abwehr personell nur wenig verändert. Norwin Panocha und Les Lancaster haben den Verein verlassen, während Marco Nowak den Eisbären erhalten bleibt, allerdings nicht mehr als Spieler. Der langjährige Verteidiger ist künftig im Management des Klubs tätig.
Damit besteht die Defensive aktuell aus acht Spielern. Die Anzahl ist etwas geringer als in vergangenen Jahren, die Qualität der einzelnen Spieler bleibt aber sehr hoch. Mit Gregor Stocker haben die Eisbären noch einen Spieler in der Hinterhand, welcher im kommenden Jahr für die U20 und eventuell für den Kooperationspartner in der DEL2 – die Lausitzer Füchse – auflaufen wird. Sollte noch mehr Not am Mann sein, haben die Eisbären mit Pepe Kretzschmar noch einen weiteren Spieler im Aufgebot der U20, dem noch mehr Talent als seinem großen Bruder Moritz nachgesagt wird. Diesen Namen könnt ihr euch gerne mal merken!
Zudem haben die Eisbären den 25-jährigen Tschechen Martin Haš verpflichtet. Der 1,94 cm große Abwehrrecke besitzt auch den deutschen Pass und weist eine interessante Vita auf. Rechtsschießende Verteidiger mit deutschen Pass sind nicht leicht zu finden. Ob seine Qualitäten für eine feste Verpflichtung reichen werden, wird die Phase bis Ende August zeigen, solange gilt sein Try-Out Vertrag.


Die Mischung aus erfahrenen Kräften, etablierten DEL-Spielern und jungen Talenten bietet dem neuen Trainerteam rund um Eric Dubois viele Möglichkeiten.
Die Verteidiger im Überblick
Kai Wissmann
An Kai Wissmann führt in der Defensive der Eisbären kein Weg vorbei. Der Kapitän ist der klare Abwehrchef und einer der komplettesten deutschen Verteidiger der PENNY DEL.
Der Rechtsschütze überzeugt in allen Bereichen des Spiels. Er bringt Ruhe in den Spielaufbau, hat eine starke Übersicht und kann eine Partie mit seinen Entscheidungen aus der Defensive heraus kontrollieren. Gleichzeitig ist er defensiv enorm zuverlässig und übernimmt Verantwortung in allen wichtigen Situationen.
Seine Schwäche ist das Tempo. Das wird man wohl auch nicht mehr ändern können, was überhaupt kein Drama ist. Wäre das anders, würden wir ihn nicht mehr in Deutschland spielen sehen.
Auch im Powerplay wird Wissmann wieder eine zentrale Rolle einnehmen und voraussichtlich die erste Powerplay-Formation der Eisbären anführen.
Sein Fehlen hat man in der letzten Saison enorm gemerkt. Umso besser, dass er jetzt wieder voll durchstarten kann!

Jonas Müller
Jonas Müller bringt vor allem eines mit: Energie und Durchsetzungskraft. Der Linksschütze ist ein Verteidiger, der mit viel Power spielt, in den Zweikämpfen präsent ist und aus der Defensive heraus wichtige Akzente setzen kann.
Gerade seine Dynamik und Geschwindigkeit sind wichtige Elemente in seinem Spiel. Seine Schwäche liegt in der Konstanz, welche aber gegeben ist, sobald er Kai Wissmann an seiner Seite hat. Die beiden ergänzen sich sehr gut. Während Wissmann mit seiner Größe und seiner körperlichen Präsenz besonders vor dem eigenen Tor Vorteile besitzt, bringt Müller mehr Tempo und Beweglichkeit mit.
Gemeinsam bilden die beiden ein sehr ausgewogenes Duo, das durch unterschiedliche Stärken kaum noch Schwächen aufweist und in Topform das beste Verteidigerduo der Liga ist.

Korbinian Geibel
Korbinian Geibel hat für sein junges Alter bereits ein außergewöhnliches Niveau erreicht. Von einem reinen Nachwuchstalent kann längst nicht mehr gesprochen werden – Geibel hat sich zu einem etablierten Verteidiger auf hohem DEL-Niveau entwickelt.
Der Linksschütze gehört trotz seines jungen Alters bereits zu den wichtigsten Stützen in der Defensive der Eisbären. Seine Teilnahme an den Olympischen Spielen unterstreicht, welchen Stellenwert er sich in kurzer Zeit erarbeitet hat. Er glänzt vor allem durch seine Durchsetzungskraft in Zweikämpfen, besonders vor dem eigenen Tor. Er ist sich nicht zu schade, dorthin zu gehen, wo es wehtut. Korbi besitzt eine – für sein Alter – unglaubliche Ruhe am Puck und lässt sich selten zu Fehlern hinreißen. Sein Playstyle ähnelt dem von Kai Wissmann.
Trotz dieser Entwicklung besitzt Geibel weiterhin Potenzial, sich noch weiterzuentwickeln und sein Spiel auf das nächste Level zu bringen. Dass er offensiv Akzente setzen kann, hat er in der Saison 2024/25 des Öfteren unter Beweis gestellt. Dies ist ihm in der vergangenen Saison etwas verloren gegangen, was überhaupt kein Drama ist. Schließlich ist er Verteidiger. Trotzdem besitzt er hier noch Potenzial, das ausgeschöpft werden kann. Ich denke, Korbi Geibel wird eine Ära bei den Eisbären prägen, ähnlich wie es Wissmann und Müller aktuell tun.

Eric Mik
Eric Mik übernimmt in der Defensive die Rolle als zuverlässiger Zwei-Wege-Verteidiger. Der Linksschütze überzeugt vor allem durch seine solide und strukturierte Spielweise.
Er macht viele Dinge richtig, trifft häufig gute Entscheidungen und gibt seinem Partner Sicherheit. Diesen Aspekt hat er in der vergangenen Saison noch einmal verbessert. Für sein Alter (26) besitzt er bereits enorme Erfahrung. Er ist – genau wie Müller und Wissmann – bereits fünfmal Deutscher Meister geworden. Gerade neben einem jüngeren Spieler wie Geibel kann diese Erfahrung sehr wertvoll sein. Er und Geibel ergänzen sich, ähnlich wie unser Topduo, quasi perfekt! Für mich ist er ein ähnlicher Spielertyp wie Jonas Müller. Die Fähigkeit, den Puck aus der Defensivzone herauszutragen, beherrschen nur wenige Spieler in dieser Liga so gut wie die beiden.
Potenzial hat er noch in der Arbeit vor dem eigenen Tor. Hier kann er gerne noch ein wenig mehr Durchsetzungskraft an den Tag legen.
Mik ist kein Spieler, der durch spektakuläre Einzelaktionen auffällt, aber genau diese Zuverlässigkeit macht ihn zu einem wichtigen Bestandteil des Kaders.

Adam Smith
Adam Smith ist ein Verteidiger, der vor allem durch seine defensive Qualität überzeugt. Der Linksschütze bringt viel Physis mit, ist stark im Zweikampf und zeichnet sich besonders durch seine Antizipation aus.
Er liest Spielsituationen sehr gut und kann dadurch viele Angriffe frühzeitig unterbrechen. Seine größte Stärke liegt darin, defensiv zuverlässig zu arbeiten, Räume zu schließen und seinem Team Sicherheit zu geben. Einen Verteidiger wie ihn braucht jede Mannschaft.
Seine Schwächen liegen im Aufbauspiel und im Abschluss. Daher benötigt er einen Partner an seiner Seite, der diese ein wenig kaschiert.
Dafür wäre Mitch Reinke der ideale Mann.

Mitch Reinke
Mitch Reinke gehört zu den spielstärksten Verteidigern im Kader. Der Rechtsschütze bringt offensive Qualitäten mit, ist aber keineswegs nur auf das Spiel nach vorne ausgerichtet.
Reinke ist ein moderner Zwei-Wege-Verteidiger, der sowohl offensiv als auch defensiv seinen Beitrag leisten kann. Er kann das Spiel mit seinem Passspiel und seiner Technik nach vorne treiben, hat einen guten Handgelenksschuss und ist gleichzeitig auch in der eigenen Zone ein zuverlässiger Arbeiter.
Reinkes Schwäche sehe ich in der Konstanz. Spielt er aber konstant sein „A-Game“, führt auch an ihm kein Weg im Lineup der Eisbären vorbei.
Im Powerplay wird er eine wichtige Rolle übernehmen und voraussichtlich die zweite Formation der Eisbären anführen.

Markus Niemeläinen
Markus Niemeläinen bringt ein besonderes Profil mit. Der Finne kann den Eisbären vor allem mit seiner körperlichen Präsenz und seinem Spiel gegen physisch starke Gegner helfen.
Gerade in Spielen, in denen mehr Härte und Zweikampfstärke gefragt sind, kann Niemeläinen eine wertvolle Option sein. Seine Rolle dürfte vor allem darin liegen, bestimmte Aufgaben gegen spezielle Gegner zu übernehmen. Damit sind beispielsweise Spiele gegen Mannheim und München gemeint, in denen der Output vor dem eigenen Tor, den Niemeläinen liefert, wichtiger sein kann als die offensive Qualität von Mitch Reinke.
Seine Schwächen liegen vor allem im Tempo und in der Mentalität. Das Tempodefizit lässt sich durch seine Größe (1,97 m) leicht erklären. Mit der Mentalität ist gemeint, dass es manchmal so wirkt, als wäre er unkonzentriert. Er lässt sich zu einfachen Strafen hinreißen und geht den benötigten Weg vielleicht nicht immer mit 100-prozentiger Energie. Dies sind aber Dinge, die man abstellen kann, wenn man es will.
Aktuell steht noch eine Vertragsauflösung im Raum. Sollte es dazu nicht kommen, erwarte ich von ihm, dass er noch eine Schippe drauflegt. Denn sein Spielerprofil kann extrem wertvoll sein!
Zusammengefasst ist er ein Verteidiger mit einem klaren Profil, der der Mannschaft je nach Spielsituation zusätzliche Möglichkeiten gibt.

Moritz Kretzschmar
Moritz Kretzschmar ist eines der spannendsten Talente im Kader der Eisbären. Der junge Verteidiger hat bereits in den vergangenen Playoffs gezeigt, dass er trotz seines Alters auf höchstem Niveau bestehen kann.
Nachdem er in der entscheidenden Saisonphase erstmals stärker in den Fokus rückte, überzeugte Kretzschmar mit einer beeindruckenden Ruhe und Abgeklärtheit. Gerade in den Playoffs war ihm sein junges Alter kaum anzumerken. Er spielte mutig, fehlerarm und zeigte eine bemerkenswert reife Spielweise.
Diese Auftritte haben gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. In der kommenden Saison soll Kretzschmar deutlich häufiger für die Profimannschaft auflaufen und weitere wichtige Erfahrungen sammeln. Seine Entwicklung dürfte eine der interessantesten Geschichten innerhalb der Mannschaft werden.

Fazit
Die Defensive der Eisbären Berlin ist für die neue Saison sehr gut aufgestellt. Mit der Rückkehr von Kai Wissmann steht wieder der Kapitän und klare Anführer der Hintermannschaft zur Verfügung.
Die Qualität verteilt sich dabei auf verschiedene Spielertypen: Wissmann als kompletter Abwehrchef, Geibel als „junger Wissmann“ und etablierter Top-Verteidiger, Müller mit seiner Energie und Physis, Mik als „jüngerer Müller“ und zuverlässige, vielseitige Stütze, Smith und Reinke als klassisches Zwei-Wege-Duo sowie weiteren Optionen dahinter. Mit Manuel Wiederer haben die Eisbären zudem einen Stürmer im Kader, der bereits bewiesen hat, dass er auch in der Hintermannschaft bestehen kann.
Auch wenn der Kader mit acht Verteidigern etwas kleiner ist, verfügen die Eisbären über ausreichend Qualität und Tiefe. Die Defensive passt damit zum Gesamtbild einer Mannschaft, die in allen Bereichen sehr stark besetzt ist und erneut den Anspruch hat, um die Meisterschaft mitzuspielen.

