Analysen

Merci beaucoup, Serge Aubin

Serge Aubin verlässt die Eisbären! Eine Nachricht, die vielen Eisbären-Fans zumindest für einen kurzen Moment die Freude über die 12. und vielleicht überraschendste Meisterschaft nahm. Der 51-jährige, der erst vor einem knappen Jahr seinen Vertrag in Berlin bis 2028 verlängert hatte, hat sich entschieden, eine neue Herausforderung anzunehmen und neuer Cheftrainer des SC Bern in der Schweiz zu werden. Die Eidgenossen buhlten wohl schon länger um den begehrten Erfolgstrainer. Nach übereinstimmenden Medienberichten unterschrieb Aubin sein neues Arbeitspapier bereits während der Olympia-Pause im Februar. Ein echter Schock, auch für Sportdirektor Stephane Richer, der sich nun auf die Suche nach einem neuen Headcoach für die Eisbären machen muss. Richer, mit Aubin seit etlichen Jahren eng verbandelt, war die Enttäuschung in verschiedenen Aussagen und Medienberichten deutlich anzumerken.

So begann die neue Ära: Trainer Serge Aubin mit Peter-John Lee und Stephane Richer während einer Pressekonferenz der Eisbären im September 2019. (Foto von Moritz Eden/City-Press GmbH)

Als Serge Aubin im Sommer 2019 in Berlin anheuerte, hielt sich die Begeisterung unter den Eisbären-Fans doch arg in Grenzen. „Jetzt holt der Ex-Hamburger Richer auch noch seinen Best Buddy Aubin zu uns. Die Freezerisierung der Eisbären schreitet voran.“ Das war noch einer der freundlicheren Kommentare zur Verpflichtung des Franko-Kanadiers. Die Pfiffe des Eisbären-Anhangs in der Saison 19/20 während der Starting Six hielten sich beinahe über die komplette Hauptrunde – trotz überwiegend guter Leistungen und Platz vier, bevor die Saison coronabedingt abgebrochen wurde.

Serge Aubin bei der Saisoneröffnung der Eisbären im August 2019. (Foto von Jan-Philipp Burmann/City-Press GmbH)

Aber nach und nach verschwand die Skepsis unter dem Eisbären-Anhang. Das offensive und attraktive Aubinsche Spielsystem, wie es Alex stets so gern nannte, überzeugte auch das kritische Berliner Publikum. So sprang in der Corona-Saison 20/21, die leider ohne Zuschauer stattfand, der erste Meistertitel nach acht Jahren Wartezeit heraus. Nachdem in der Folgesaison 21/22, als die Zuschauer immer mehr zurückkehrten, der erneute Titel errungen wurde, zweifelte wohl niemand mehr an den Fähigkeiten von Aubin.

Es folgte überraschenderweise der ultimative Rückschlag: Die Katastrophen-Saison 22/23! Lange Zeit kämpfte der amtierende Deutsche Meister gegen den Abstieg. Am Ende stand Platz elf und das knappe Verpassen der Playoffs. Nicht wenige im Umfeld der Eisbären verlangten die Entlassung Aubins. Er selbst bot unter der Saison sogar seinen Rücktritt an, was Stephane Richer aber ablehnte. Im Gegenteil: Nur einen Tag nach dem unrühmlichen vorzeitigen Saisonende verlängerten die Eisbären den Vertrag mit ihrem Cheftrainer. Ein deutliches Zeichen nach innen und außen, dass man vom Weg mit Aubin überzeugt war. Trainer und Sportdirektor setzten sich zusammen und krempelten den Kader nach ihren Wünschen ordentlich um. Kai Wissmann und Blaine Byron kehrten zurück. Mit Jake Hildebrand und Jonas Stettmer kamen zwei neue Torhüter. Im Sturm gelangen mit Freddy Tiffels, Ty Ronning, Tobias Eder und Lean Bergmann echte Top-Verpflichtungen vor allem auf dem deutschen Sektor. Diese klugen Entscheidungen brachten die Eisbären wieder zurück in die nationale Spitze.

Serge Aubin gibt seinem Star-Stürmer Ty Ronning taktische Anweisungen. (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Es gelang in den letzten drei Jahren sogar der Titel-Hattrick. Unter Aubin verloren die Eisbären in dessen Amtszeit keine einige Playoff-Serie – 15 von 15 Serien gewannen die Berliner. Der 51-jährige verstand es wie kaum ein anderer Trainer, seine Jungs für die entscheidenden Spiele der Saison in Bestform zu bringen. Selten war dies offensichtlicher wie in diesem Jahr, als Spieler wie Les Lancaster, Jonas Müller, Marcel Noebels, Manuel Wiederer oder auch Playoff-MVP Jonas Stettmer, die allesamt keine einfache Hauptrunde spielten, in den Playoffs eine gewaltige Schippe drauflegten und teilweise überragende Leistungen zeigten. Selbst Stürmer Jean-Sebastian Dea, in den Augen der Eisbären-Fans sicherlich DER Fehleinkauf dieser Saison, steigerte sich und überzeugte spätestens im Finale gegen Mannheim mit großem Einsatz. Wie meinte Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede einmal: „Für diesen Trainer würde diese Mannschaft durchs Feuer gehen.“ Und genau so spielten die Eisbären auch in Aubins siebenjähriger Amtszeit.

Der damalige Co-Trainer Craig Streu und Trainer Serge Aubin beim Empfang im Roten Rathaus nach dem gewonnenen Meistertitel im Jahr .2021, Deutschland. (Foto von Jan-Philipp Burmann/City-Press GmbH)

Kommen wir zurück in die Gegenwart: Viele Eisbären-Fans und da zähle ich mich an vorderster Front dazu, konnten sich die Eisbären ohne Serge Aubin an der Bande kaum noch vorstellen. Und doch ist es nun die Realität: Monsieur Aubin zieht weiter. Nach fünf Meisterschaften in sechs Jahren hat er sich für eine neue Herausforderung entschieden – den SC Bern. Der schweizer Großclub, vergleichbar mit den Kölner Haien in Deutschland, wartet seit sieben Jahren auf eine Meisterschaft. Vermutlich wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um den Berliner Meistertrainer von dieser neuen Aufgabe zu überzeugen. Angesichts der enormen Erfolge, die Serge Aubin in seiner Zeit in Berlin errungen hat, legten die Eisbären ihrem Trainer keine Steine in den Weg und stimmten einer vorzeitigen Auflösung seines noch bis 2028 laufenden Vertrags zu.

Auf die Ansagen von Serge Aubin wird Eric Hördler in der kommenden Saison verzichten müssen. (Foto von City-Press GmbH Bildagentur)

In diesen Tagen endet die Ära von Serge Aubin bei den Eisbären. Auch wir vom Puckgeflüster-Team bedanken uns von Herzen bei Serge für seine herausragende Arbeit in den letzten sieben Jahren. Auch im persönlichen Umgang hörten wir nur gute Sachen über den eloquenten Kanadier. Auch ich durfte einmal einen Abend mit ihm verbringen (siehe Foto) und stundenlang über unsere Lieblings-Sportart reden. Vielen Dank Serge, für alles, was du Berlin und den Eisbären gegeben hast. Wir werden dich sehr vermissen und wünschen dir viel Glück für dein neues Kapitel in Bern. Eines steht fest: Die Fußstapfen, in die der neue Eisbären-Trainer treten wird, werden sehr groß sein… Au revoir, mon ami.

Puckgeflüster-Autor Felix an besagtem Abend im September 2021 mit Eisbären-Trainer Serge Aubin

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