Spielbericht: Eisbären vs. Mannheim
Es sollte die Revanche für die Niederlage am zweiten Spieltag werden. Doch auch im zweiten Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen aus Mannheim mussten sich unsere Eisbären geschlagen geben. Am Ende stand eine 1:3-Niederlage auf der Anzeigetafel, die nach einem über weite Strecken intensiven und ausgeglichenen Spiel natürlich ärgerlich war. Warum wir uns davon trotzdem nicht die bisher starke Saison vermiesen lassen sollten, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!
Beim Line-up gab es auf Berliner Seite nur eine Veränderung: Jonas Neffin kehrte zwischen die Pfosten zurück, ansonsten vertraute Éric Dubois auf dieselben Spieler wie beim starken Auswärtssieg in Ingolstadt.
Bei den Gästen stand mit Maxi Franzreb ebenfalls ein ehemaliger Eisbär im Tor. Der andere Ex-Berliner im Mannheimer Torhütergespann, Jake Hildebrand, musste dagegen zunächst auf der Bank Platz nehmen. Und ja, an dessen Auftritte in unseren Playoffs erinnern wir uns natürlich noch immer ziemlich gerne. Aber heute ging es nicht um schöne Erinnerungen, sondern um drei wichtige Punkte gegen den Erzrivalen.
Ein Fehler macht den Unterschied
Von Beginn an entwickelte sich eine intensive und phasenweise wirklich hochklassige Begegnung. Beide Mannschaften wussten offenbar ziemlich genau, welche Qualität ihnen gegenüberstand. Entsprechend wurde um jeden Zentimeter Eis gekämpft, ohne dabei die spielerische Klasse vermissen zu lassen.
Die Eisbären wirkten auf mich zunächst etwas gefälliger in ihren Aktionen, während Mannheim vor allem mit viel Energie und Konsequenz dagegenhielt. Es war ein ausgeglichenes Spiel, teilweise fast schon ein vorsichtiges Abtasten zweier Mannschaften, die sich gegenseitig nur wenig Raum geben wollten.
Und so war es fast schon logisch, dass es einen Fehler brauchte, um diese Partie erstmals auf die Anzeigetafel zu bringen.
Ausgerechnet während einer Berliner Drangphase unterlief Jean-Luc Foudy ein zu riskanter Querpass an der blauen Linie. Die Adler nutzten die Gelegenheit sofort zum Konter und ließen Jonas Neffin beim Abschluss keine Abwehrchance.
0:1 – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Eisbären eigentlich gerade richtig gut im Spiel waren. Ärgerlich!
Allerdings ließen sich unsere Jungs davon nicht sonderlich beeindrucken. Im Gegenteil: Berlin erhöhte anschließend noch einmal den Druck und drängte die Mannheimer zunehmend in die Defensive. Die Angriffe wurden zielstrebiger, die Zweikämpfe intensiver und der Ausgleich lag förmlich in der Luft.
Und noch vor der ersten Pause wurden die Eisbären dafür belohnt. Das 1:1 war zu diesem Zeitpunkt absolut verdient und sorgte dafür, dass es mit einem leistungsgerechten Zwischenstand in die Kabinen ging.
Bis dahin war das wirklich ein richtig gutes Eishockeyspiel zweier Spitzenmannschaften. Und es war noch überhaupt nicht abzusehen, wer hier am Ende die Oberhand behalten würde.
Ein Mittelabschnitt mit wechselnden Vorzeichen
Auch im Mittelabschnitt erwischten unsere Eisbären zunächst den etwas besseren Start. Berlin war aktiver, suchte häufiger den Weg nach vorne und schien die Begegnung langsam ein wenig mehr unter Kontrolle zu bekommen.
Doch dann gab es plötzlich einen kleinen Bruch im Berliner Spiel.
Die Adler übernahmen zunehmend die Initiative und konnten sich phasenweise über längere Zeit in unserer Zone festsetzen. Mannheim entwickelte nun deutlich mehr Druck, ohne daraus allerdings wirklich entscheidendes Kapital schlagen zu können.
Denn so viel Spielkontrolle die Gäste zwischenzeitlich auch hatten, wirklich zwingend wurde es längst nicht bei jedem Angriff. Die Eisbären verteidigten insgesamt ordentlich und Jonas Neffin war ebenfalls zur Stelle, wenn es doch einmal gefährlich wurde.
Was mir in dieser Phase allerdings etwas auf die Nerven ging, war der Umgang der Mannheimer mit einigen Spielsituationen. Die Adler versuchten durchaus, mit allen erlaubten und manchmal zumindest fragwürdigen Tricks zu arbeiten. Besonders das muntere Wechseln nach Icings fiel dabei auf.
Nun kann man Mannheim schlecht vorwerfen, jede Möglichkeit zu nutzen, die ihnen geboten wird. Mich wunderte allerdings schon, dass die Schiedsrichter das offenbar nicht sonderlich interessierte. Da hätte ich mir durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit gewünscht.
Aber zurück zum eigentlichen Eishockey.
Denn gegen Ende des Mittelabschnitts fanden die Eisbären wieder deutlich besser in die Begegnung. Berlin übernahm erneut mehr Verantwortung mit dem Puck und erspielte sich gute Möglichkeiten. Auf der anderen Seite blieb Mannheim ebenfalls gefährlich.
Es war weiterhin ein Spiel auf Augenhöhe, in dem beide Mannschaften ihre Chancen hatten, aber keine den entscheidenden Treffer erzielen konnte.
So ging es mit dem 1:1 in die zweite Pause. Und irgendwie passte dieser Zwischenstand auch ziemlich gut zu einer Partie, in der sich beide Teams über weite Strecken gegenseitig neutralisierten.
Ein bitterer Moment entscheidet die Partie
Im Schlussdrittel war beiden Mannschaften dann deutlich anzumerken, dass niemand den entscheidenden Fehler machen wollte.
Das zuvor teilweise so intensive und temporeiche Spiel verflachte zunehmend. Beide Teams agierten vorsichtiger, gingen weniger Risiko und schienen zunächst vor allem darauf bedacht, dem Gegner keine entscheidende Gelegenheit zu schenken.
Das war aus taktischer Sicht sicherlich nachvollziehbar. Für uns Zuschauer war es allerdings nicht mehr ganz so unterhaltsam wie die ersten 40 Minuten.
Und dann kam jener Moment, der die Begegnung schließlich in Richtung Mannheim kippen ließ.
Rund sieben Minuten vor dem Ende gingen die Adler erneut in Führung. Aus meiner Perspektive sah die Szene zunächst nach einer etwas unglücklichen Aktion von Jonas Neffin aus. Allerdings möchte ich ihm daraus keinen größeren Vorwurf machen. Er zeigte ansonsten wieder eine souveräne Leistung und hatte seinen Anteil daran, dass die Partie bis in die Schlussphase völlig offen blieb.
Trotzdem stand es nun 1:2. Und plötzlich liefen unseren Eisbären die Minuten davon.
Die Antwort ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Berlin warf noch einmal alles nach vorne, erhöhte den Druck und drängte auf den Ausgleich.
Und tatsächlich lag der Puck wenig später im Mannheimer Tor!
Die Freude währte allerdings nicht lange, denn nach einem Videobeweis wurde der vermeintliche Ausgleich doch noch aberkannt. Der Grund dafür war ein verschobenes Tor – und damit eine durchaus komplizierte Situation.
Denn der Puck fand bereits durch den ursprünglichen Schuss den Weg ins Tor. Allerdings lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass die Verschiebung des Tores die Flugbahn des Pucks entscheidend beeinflusst hat. Nur: Eindeutig erkennen lässt sich das anhand der Bilder eben auch nicht.
Und genau hier liegt für mich das Problem. Die ursprüngliche Entscheidung auf dem Eis lautete „gutes Tor“. Wenn man diese Entscheidung nachträglich überstimmen möchte, braucht es aus meiner Sicht schon ausreichend klare Anhaltspunkte dafür, dass der Treffer tatsächlich irregulär war.
Auch unser Regel Rick hat sich intensiv mit der Szene beschäftigt und spricht von einer komplexen Entscheidung. Er hätte den Treffer allerdings eher gegeben, weil die Bilder seiner Einschätzung nach nicht genügend hergeben, um die ursprüngliche Entscheidung auf dem Eis zu überstimmen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass man eine Beeinflussung durch das verschobene Tor völlig ausschließen kann. Aber zwischen einer möglichen Beeinflussung und einem ausreichend eindeutigen Nachweis liegt eben ein Unterschied.
Und deshalb bleibt für mich zumindest ein ziemlich großes Fragezeichen hinter dieser Entscheidung. Gerade in einer so engen Partie ist das natürlich besonders bitter.
Die Eisbären versuchten anschließend weiterhin alles. Angriff um Angriff rollte auf das Tor von Maxi Franzreb zu, doch der Puck wollte einfach nicht mehr über die Linie.
Vielleicht fehlte nach dem intensiven Auswärtsspiel in Ingolstadt am Freitag auch ein kleines bisschen die letzte Kraft. Zumindest wirkte es in manchen Situationen so, als würde unseren Jungs die letzte Konsequenz fehlen, die sie in den vergangenen Wochen häufig ausgezeichnet hatte.
Am Ende stand schließlich eine 1:3-Niederlage gegen Mannheim.
Ärgerlich, aber kein Beinbruch!
Natürlich ist diese Niederlage ärgerlich. Und natürlich nervt es besonders, wenn man innerhalb weniger Wochen gleich zweimal gegen den Erzrivalen verliert.
Da brauchen wir auch gar nicht so zu tun, als wäre uns das völlig egal. 🤭
Trotzdem sehe ich keinen Grund, nach diesem Spiel plötzlich alles infrage zu stellen.
Die Eisbären haben gegen eine starke Mannheimer Mannschaft über weite Strecken ein gutes Spiel gemacht. Gerade im ersten Drittel waren unsere Jungs für mich sogar die etwas gefälligere Mannschaft. Im Mittelabschnitt wechselten die Spielanteile, ehe im Schlussdrittel eine einzelne Situation den Unterschied machte.
Das war keine Partie, in der Berlin hoffnungslos unterlegen gewesen wäre. Es war vielmehr eines dieser engen Spitzenspiele, in denen Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden.
Und ja, vielleicht erinnert das sogar ein wenig an die Anfangszeit unter Serge Aubin. Auch damals tat man sich zunächst schwer, gegen die absoluten Topteams der Liga regelmäßig zu punkten. Das allein sagt aber noch längst nichts darüber aus, wohin sich eine Mannschaft im weiteren Saisonverlauf entwickeln kann.
Was unsere Eisbären bisher unter Éric Dubois gezeigt haben, gefällt mir jedenfalls weiterhin richtig gut. Die Mannschaft entwickelt sich spielerisch, die einzelnen Reihen harmonieren immer besser und gerade der Auftritt in Ingolstadt hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in diesem Team steckt.
Zwei Niederlagen gegen Mannheim ändern daran erst einmal überhaupt nichts.
Natürlich darf und sollte man daraus seine Lehren ziehen. Gerade gegen einen Gegner dieser Qualität werden riskante Entscheidungen und kleine Unaufmerksamkeiten eben besonders konsequent bestraft. Aber genau solche Spiele gehören auch zur Entwicklung einer Mannschaft.
Deshalb: Mund abputzen, die Niederlage richtig einordnen und dann mit frischer Energie weitermachen!
Nun steht zunächst die Deutschland-Cup-Pause an. Besonders freuen wir uns natürlich für Jonas Neffin, dem wir eine tolle Premiere im Trikot der deutschen Nationalmannschaft wünschen! Das hat er sich mit seinen bisherigen Leistungen wirklich verdient.
Für unsere Eisbären geht es anschließend zunächst international weiter. In Finnland wartet das Achtelfinale der Champions Hockey League – und damit direkt die nächste spannende Aufgabe.
Bis dahin wünschen wir euch eine möglichst stressarme Zeit, einen guten Start in die neue Arbeits- und Schulwoche und natürlich viel Spaß beim Deutschland Cup.
Wir lesen uns beim nächsten Eisbären-Spiel! 🏒
