Spielberichte

Spielbericht: Ingolstadt vs. Eisbären

Was für ein Eishockeyspiel! Unsere Eisbären gewinnen ein hochklassiges Duell beim ERC Ingolstadt mit 5:3 und zeigen dabei über weite Strecken eine der spielerisch reifsten Leistungen der bisherigen Saison. Beide Mannschaften lieferten sich ein Topspiel auf richtig hohem Niveau, doch insgesamt hatten unsere Jungs etwas mehr von der Partie. Und wie geschlossen mittlerweile alle vier Reihen auftreten, macht momentan wirklich richtig viel Spaß! Wie es zu diesem starken Auswärtssieg kam, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!

Beim Blick auf das Line-up gab es auf Berliner Seite keine Veränderungen. Damit bekam auch Jack LaFontaine nach seinem starken Auftritt in Schwenningen erneut das Vertrauen im Tor.

Bei den Gastgebern kehrte dagegen mit Riley Barber ein ganz wichtiger Spieler zurück. Der Ausnahmestürmer hatte den Schanzern verletzungsbedingt zehn Tage gefehlt – und leider sollte er im weiteren Spielverlauf noch eine entscheidende Rolle spielen.

Ein Topspiel vom ersten Bully an

Schon die ersten Minuten machten deutlich, auf welchem Niveau sich diese Begegnung bewegen würde. Beide Mannschaften spielten mit enormem Tempo und suchten konsequent den Weg nach vorne.

Dabei hatten die Ingolstädter zunächst durchaus eine Phase, in der sie unsere Eisbären ordentlich beschäftigten und auch selbst in Führung hätten gehen können. Doch LaFontaine war zur Stelle. Auf der anderen Seite blitzte bereits früh auf, wie gefährlich die Berliner an diesem Abend werden konnten. Zweimal Ty Ronning und sogar Manu Wiederer in Unterzahl kamen zu richtig guten Einschussgelegenheiten.

Im Ingolstädter Tor stand mit Jonas Stettmer ein alter Bekannter, der uns noch aus dem vergangenen Finale bestens in Erinnerung sein dürfte. Unser letztjähriger Final-MVP zeigte zunächst einige starke Paraden und verhinderte die frühe Berliner Führung.

Aber irgendwann war auch er machtlos.

Wieder ging es schnell nach vorne. Der einmal mehr äußerst agile Liam Kirk erkannte, dass sich zunächst kein direkter Weg zum Tor bot, drehte geschickt ab und hatte anschließend das Auge für den mitgelaufenen Leo Pföderl im Slot. Der ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen und traf zum 1:0!

Zweites Spiel in Folge, zweites Tor für Leo. Ist der DEL-Knoten jetzt endgültig geplatzt? Wir hätten jedenfalls nichts dagegen. 🤭

Nach der Führung übernahmen die Eisbären zunehmend die Kontrolle. Das kurze Ingolstädter Offensivfeuerwerk war vorbei und plötzlich spielte fast nur noch Berlin. Gerade in der neutralen Zone war der Zugriff beeindruckend. Ingolstadt versuchte immer wieder, sein gewohnt schnelles Spiel aufzuziehen, doch unsere Jungs fingen viele dieser Angriffe bereits ab, bevor sie überhaupt richtig gefährlich werden konnten.

Vielleicht half dabei auch, dass Éric Dubois seinen ehemaligen Arbeitgeber noch ziemlich gut kennen dürfte. Schließlich stand er dort in der vergangenen Saison noch als Co-Trainer von Mark French hinter der Bande. Zumindest wirkte es zeitweise so, als hätten die Eisbären ziemlich genau verstanden, wie sie den Ingolstädter Spielaufbau unterbrechen konnten.

Und dann rollte wirklich ein Angriff nach dem anderen auf Stettmer zu.

Nur mit der Chancenverwertung gingen unsere Jungs teilweise schon fast ein wenig überheblich um. Hier noch ein Pass, dort noch eine Kombination – manchmal hätte es auch einfach der direkte Abschluss sein dürfen. Ingolstadt hielt sich mit Können und sicherlich auch einer kleinen Portion Glück im Spiel.

Und wie das im Eishockey dann eben so ist: Wenn du vorne deine Möglichkeiten nicht nutzt, bekommst du irgendwann die Quittung.

Aus praktisch dem Nichts gelang den Gastgebern mit einem ihrer wenigen gelungenen Angriffe in dieser Phase der Ausgleich. Gemessen am bisherigen Spielverlauf sicherlich schmeichelhaft – aber danach fragt am Ende bekanntlich niemand.

Weiter ziemlich „bärinant“

Auch im Mittelabschnitt änderte sich zunächst wenig am Bild. Die Eisbären blieben die spielerisch stärkere Mannschaft und waren – nennen wir es einfach so – weiterhin ziemlich bärinant. 🤭

Dieses Mal belohnten sie sich dafür auch.

Beim 2:1 ging es erneut mit beeindruckendem Tempo nach vorne. Ty Ronning und Manu Wiederer spielten den Konter hervorragend aus und brachten die Eisbären zum zweiten Mal an diesem Abend in Führung. Gleichzeitig war es wieder ein schönes Beispiel dafür, wie gut die unterschiedlichen Formationen mittlerweile miteinander harmonieren. Erste und vierte Reihe? Völlig egal – momentan scheint wirklich jeder mit jedem zu funktionieren.

Und auch unsere zweite Formation wollte natürlich mitspielen.

Freddy Tiffels fand Jean-Luc Foudy mit einem wunderschönen Pass und der vollendete zum 3:1. Stettmer sah bei diesem Abschluss sicherlich nicht ganz glücklich aus, aber zuvor hatten Foudy, Eder und Tiffels die Ingolstädter teilweise schon ordentlich schwindelig gespielt.

Eigentlich hatten die Eisbären die Begegnung nun ziemlich gut unter Kontrolle. Eigentlich.

Denn bei vier gegen vier ging plötzlich ein wenig der Fokus verloren. Berlin lief anschließend in einen völlig unnötigen Konter und Ingolstadt verkürzte auf 2:3.

Und dann meldete sich auch noch der Rückkehrer zu Wort. Im Powerplay bekam Riley Barber einmal zu viel Platz. Und einem Spieler dieser Qualität sollte man den nun wirklich nicht geben. Barber nagelte den Puck unhaltbar für LaFontaine in die Maschen – 3:3!

So schnell kann es gegen eine Spitzenmannschaft gehen.

Und genau das sollte man bei aller Freude über den starken Berliner Auftritt nicht vergessen: Ingolstadt befindet sich momentan in richtig guter Form und verfügt weiterhin über einen qualitativ hervorragend besetzten Kader. Wenn man ihnen Möglichkeiten anbietet, können sie ein Spiel innerhalb weniger Minuten wieder komplett auf den Kopf stellen.

Plötzlich war also alles wieder offen.

Vier Reihen, ein richtig gutes Gesamtpaket

Im Schlussdrittel gingen beide Mannschaften die Sache zunächst etwas vorsichtiger an. Nach den teilweise wilden ersten 40 Minuten wollte nun offensichtlich niemand den entscheidenden Fehler machen.

Trotzdem blieben die Eisbären für mich die spielerisch etwas besser veranlagte Mannschaft. Und besonders eine Entwicklung gefällt mir derzeit richtig gut: Wir sind offensiv längst nicht mehr so extrem von Liam Kirk und Ty Ronning abhängig.

Natürlich sind die beiden weiterhin herausragend. Aber inzwischen spielen wirklich alle vier Formationen beinahe wie aus einem Guss. Die dritte Reihe hat in den vergangenen Spielen das Secondary Scoring entdeckt, die zweite Reihe funktionierte heute hervorragend und auch aus der vierten Formation kommt immer wieder Gefahr.

Und ausgerechnet von dort sollte schließlich die erneute Führung kommen.

Eric Hördler! Endlich!

Ausgerechnet Hördler erzielte seinen ersten Saisontreffer und brachte die Eisbären zum dritten Mal an diesem Abend in Führung. Nach all den Wochen ohne eigenes Tor dürfte bei ihm in diesem Moment vermutlich auch ein kleiner Felsbrocken vom Herzen gefallen sein.

4:3 – und diesmal sollten unsere Jungs die Führung nicht mehr hergeben.

Berlin spielte die Partie nun ziemlich souverän herunter. Erst als Ingolstadt den Torhüter zog, konnten die Gastgeber noch einmal richtig Druck entwickeln.

Und tatsächlich lag der Puck plötzlich im Berliner Tor.

Der vermeintliche Ausgleich wurde allerdings nach Videobeweis wegen Torhüterbehinderung vollkommen zurecht aberkannt. Und damit wären wir dann auch kurz bei den Schiedsrichtern.

Ich fand die Leistung des Gespanns an diesem Abend insgesamt eher schwach. Vor allem eine klare Linie war für mich nur schwer zu erkennen. Teilweise wurde sehr viel laufen gelassen, wenige Minuten später wurden ähnliche Situationen wiederum äußerst kleinlich bewertet. Das sorgte auf beiden Seiten immer wieder für Fragezeichen.

Was ich allerdings überhaupt nicht teilen kann, ist der Eindruck, die Eisbären wären dadurch irgendwie bevorzugt worden. Die teilweise schon sehr wehleidigen Reaktionen einiger Ingolstädter Spieler ließen das zwar gelegentlich vermuten, tatsächlich profitierten die Gastgeber selbst von einigen durchaus harten Entscheidungen gegen Berlin.

Aber dabei möchte ich es auch belassen. Die beiden Hauptschiedsrichter waren nicht spielentscheidend und deshalb müssen wir aus ihrer Leistung jetzt auch keine größere Geschichte machen, als sie tatsächlich war.

Die Eisbären erledigten das schließlich lieber selbst.

Jean-Luc Foudy revanchierte sich für die Vorlage von Freddy Tiffels beim 3:1 und bediente seinen Reihenkollegen vor dem verwaisten Ingolstädter Tor. Tiffels machte mit dem 5:3 endgültig den Deckel drauf!

Ein richtig reifer Auswärtssieg

Was bleibt also nach diesem Abend?

Vor allem die Erkenntnis, dass diese Eisbären momentan richtig gutes Eishockey spielen.

Und damit möchte ich Ingolstadt ausdrücklich nicht kleinreden. Die Panther zeigten ebenfalls, warum sie zu den besten Mannschaften der Liga gehören. Sie hatten ihre starken Phasen, bestraften Berliner Fehler konsequent und kämpften sich nach einem 1:3-Rückstand noch einmal zurück.

Aber über die gesamten 60 Minuten waren unsere Eisbären für mich die reifere Mannschaft.

Der Zugriff in den einzelnen Zonen funktionierte über weite Strecken hervorragend. Gerade in der neutralen Zone wurde Ingolstadts Spiel immer wieder frühzeitig unterbrochen. Und wenn Berlin selbst nach vorne kam, wirkten die Angriffe phasenweise tatsächlich wie aus einem Guss.

Natürlich war auch heute nicht alles perfekt. Die Chancenverwertung im ersten Drittel war teilweise schon fahrlässig, beim Vier-gegen-vier verlor man unnötig die Ordnung und einem Riley Barber darf man im Powerplay sicherlich nicht so viel Platz schenken.

Aber vielleicht macht gerade das diesen Sieg so stark. Wir sprechen hier schließlich nicht über einen perfekten Auftritt gegen irgendeinen Gegner, sondern über einen 5:3-Auswärtssieg bei einer der qualitativ stärksten Mannschaften der Liga.

Und noch etwas gefällt mir: Vor einigen Wochen bestand die größte Berliner Offensivgefahr gefühlt fast ausschließlich aus Kirk und Ronning. Heute treffen Pföderl, Wiederer, Foudy, Hördler und Tiffels. Die Last verteilt sich zunehmend auf die gesamte Mannschaft.

Das macht unsere Eisbären momentan verdammt schwer auszurechnen.

Und jetzt wartet am Sonntag zum Abschluss vor der Deutschland-Cup-Pause ausgerechnet Mannheim. Da war doch noch irgendetwas mit einem 3:4 am zweiten Spieltag … 🤔

Ich glaube, da haben wir noch eine kleine Rechnung offen. 🤭🏒

Bis dahin wünschen wir euch ein schönes Wochenende – und genießt die letzten Tage, bevor für einige von uns am Montag leider wieder der Ernst des Arbeitslebens beginnt! 😅

Schreibe einen Kommentar