Spielbericht: Schwenningen vs. Eisbären
Das sah doch schon wieder deutlich mehr nach unseren Eisbären aus! Nach dem spielerisch ziemlich dürftigen Heimauftritt gegen Augsburg am Freitag zeigte die Mannschaft in Schwenningen die erhoffte Reaktion und gewann am Ende hochverdient mit 4:1. Vor allem die deutlich höhere Intensität war vom ersten Wechsel an zu spüren, auch wenn zwischendurch längst nicht alles perfekt lief. Warum die Eisbären auf dem kleinen NHL-Eis am Neckarursprung trotzdem einen sehr überzeugenden Nachmittag erwischten, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!
Dass Éric Dubois mit dem Auftritt gegen Augsburg nicht sonderlich zufrieden war, hatte er bereits auf der Pressekonferenz am Freitag durchblicken lassen und Veränderungen am Line-up angekündigt. Und die gab es tatsächlich.
Gab Fontaine kehrte zurück und durfte direkt neben Liam Kirk und Ty Ronning in der ersten Reihe ran. Freddy Tiffels rückte dafür zu Andy Eder und Jean-Luc Foudy in die zweite Formation. Die zuletzt so starke dritte Reihe blieb – völlig zu Recht – unverändert, während Leo Pföderl nun gemeinsam mit Manu Wiederer und Eric Hördler in Reihe vier auflief. Rihards Griva nahm anstelle von Gregor Stocker die Position des 13. Stürmers ein.
Und auch im Tor gab es einen Wechsel. Nach den herausragenden Wochen von Jonas Neffin bekam Jack LaFontaine mal wieder seine Chance.
Die Gastgeber mussten dagegen mit einer äußerst kurzen Bank auskommen. Gerade einmal drei komplette Sturmreihen standen den Wild Wings zur Verfügung und als sich im ersten Drittel auch noch Sebastian Uvira verletzte, wurde die Situation nicht gerade angenehmer. Drei Spiele innerhalb von fünf Tagen sollten im weiteren Verlauf ebenfalls ihre Spuren hinterlassen.
Die Reaktion ist sofort zu sehen
Vom ersten Wechsel an war den Eisbären anzumerken, dass ihnen der Auftritt vom Freitag offenbar selbst nicht besonders gefallen hatte. Die Mannschaft spielte mit wesentlich mehr Intensität und beinahe jeder Angriff strahlte eine gewisse Gefahr aus. Gerade auf der kleineren Eisfläche war sofort ordentlich Tempo in der Partie und es blieb wenig Zeit, um lange über die nächste Aktion nachzudenken.
Bevor sich die Berliner Überlegenheit allerdings auf der Anzeigetafel bemerkbar machte, musste erst einmal LaFontaine zeigen, dass auch er hellwach war. Haakon Hähnelt kam zu einer guten Gelegenheit, doch unser Goalie parierte stark.
Wenig später folgte dann ein Angriff, der wirklich Spaß machte. Davidson leitete mit einem genialen Chippass aus der eigenen Zone einen Drei-gegen-eins-Konter ein und plötzlich waren Kirk, Ronning und Fontaine gemeinsam auf dem Weg Richtung Schwenninger Tor. Kirk entschied sich für den von hinten heraneilenden Ronning und legte den Puck perfekt zurück. Der ließ Joacim Eriksson keine Chance und vollendete zur frühen 1:0-Führung. Fontaine hätte auf der rechten Seite übrigens ebenfalls schon zum Direktschuss bereitgestanden – viel schöner kann man einen Konter kaum ausspielen.
Auch anschließend blieben die Eisbären klar spielbestimmend. Schwenningen kam nur gelegentlich durch Entlastungskonter zu eigenen Möglichkeiten und verbrachte ansonsten viel Zeit mit Defensivarbeit.
Mehr Tore sollten im ersten Drittel trotzdem nicht fallen. Gemessen an der Berliner Überlegenheit war das 1:0 vielleicht sogar etwas wenig. Aber die Reaktion auf Freitag war deutlich zu erkennen – und das war zunächst einmal das Wichtigste.
Etwas zu viel Wiedergutmachungswille?
Im Mittelabschnitt wurde die Partie dann deutlich wilder. Die Eisbären blieben spielerisch die klar bessere Mannschaft und suchten weiterhin konsequent den Weg nach vorne. Manchmal vielleicht sogar etwas zu konsequent.
Gerade auf dem kleinen Eis kann es dann verdammt schnell in die andere Richtung gehen. Bei all dem Berliner Offensivdrang bekamen die Wild Wings nun einige gefährliche Kontermöglichkeiten und plötzlich musste LaFontaine wesentlich häufiger eingreifen.
Einmal sollte allerdings auch er geschlagen sein. Alex Karachun erzielte seinen ersten Saisontreffer und sorgte für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Eine Szene, bei der weder LaFontaine noch seine Vorderleute besonders glücklich aussahen.
Viel mehr vorwerfen konnte man unserem Torhüter an diesem Nachmittag allerdings nicht. Mit einer Fangquote von 94,7 Prozent zeigte LaFontaine eine richtig starke Vorstellung und war besonders bei den gefährlichen Schwenninger Kontern zur Stelle. Überhaupt verteidigten die Eisbären über weite Strecken sehr ordentlich – nur wenn man einmal zu viel wollte und mit zu vielen Spielern nach vorne unterwegs war, wurde es plötzlich gefährlich.
Vielleicht war das tatsächlich ein bisschen zu viel Wiedergutmachungswille. 😅
Aber auch offensiv sollte sich die Berliner Qualität wieder durchsetzen. Und einer, der seine starke Form weiterhin eindrucksvoll bestätigt, ist Yannick Veilleux. Mit einem satten Rückhandschuss über die Schulter von Eriksson brachte er die Eisbären erneut in Führung. Ganz sicher war zunächst allerdings niemand, ob der Puck tatsächlich im Tor gewesen war. Erst der Videobeweis brachte Gewissheit: 2:1!
Kurz vor der zweiten Pause belohnten sich die Eisbären dann noch einmal für ihren insgesamt starken Auftritt. Eriksson konnte den Puck mit dem Fanghandschuh nicht sicher kontrollieren und Berlin nutzte die Situation. Erneut hieß die Kombination Kirk auf Ronning, wobei auch Rückkehrer Fontaine am Treffer beteiligt war und sich damit für sein gutes Comeback belohnte.
3:1 nach 40 Minuten – und inzwischen spiegelte auch das Ergebnis die Berliner Überlegenheit deutlich besser wider.
Keine Zweifel mehr
Im Schlussdrittel spielten die Eisbären dann ihren besten Abschnitt des Nachmittags.
Den Schwenningern war nun deutlich anzumerken, wie viel Kraft die vergangenen Tage gekostet hatten. Die kurze Bank, drei Spiele innerhalb von fünf Tagen und nun 40 intensive Minuten gegen spielfreudige Eisbären – irgendwann war der Tank einfach leer.
Und Berlin ließ diesmal auch keine Zweifel mehr aufkommen. Die Mannschaft kontrollierte das Spiel, verteidigte konsequent und ließ den Gastgebern kaum noch Möglichkeiten, irgendwie zurückzukommen. Auch die beiden Unterzahlsituationen im gesamten Spiel wurden äußerst souverän wegverteidigt.
Einer durfte sich dann auch endlich wieder über ein persönliches Erfolgserlebnis freuen: Leo Pföderl!
Nach seiner Torflaute brachte er den Puck zum 4:1 im Winkel unter. Zugegeben, ganz unhaltbar sah dieser Schuss nicht aus. Aber ich glaube, das dürfte Leo in diesem Moment ziemlich egal gewesen sein. Manchmal muss so ein Ding einfach mal wieder rein – und vielleicht löst sich damit nun auch bei ihm der Knoten in der Liga.
Weitere Treffer wären durchaus möglich gewesen. Denn wenn es an diesem Nachmittag überhaupt noch etwas zu kritisieren gab, dann vielleicht den teilweise etwas zu verspielten Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Nicht jeder Angriff muss bis zum perfekten Abschluss kombiniert werden. Manchmal darf man den Puck auch einfach mal aufs Tor bringen.
Das ist an einem Nachmittag wie diesem allerdings Kritik auf ziemlich hohem Niveau.
Die richtige Reaktion
Am Ende steht ein hochverdienter 4:1-Auswärtserfolg in Schwenningen und vor allem die Reaktion, die man sich nach dem Augsburg-Spiel erhofft hatte.
Natürlich muss man auch den Zustand des Gegners berücksichtigen. Die Wild Wings gingen mit drei Siegen in Folge in diese Partie und befanden sich spielerisch durchaus in guter Form. Mit ihrer kurzen Bank und der hohen Belastung der vergangenen Tage konnten sie der Berliner Intensität aber spätestens im Schlussdrittel kaum noch etwas entgegensetzen.
Trotzdem mussten die Eisbären diese Schwäche erst einmal ausnutzen – und genau das taten sie.
Im Mittelabschnitt war mir das teilweise etwas zu wild und vielleicht sogar ein wenig überheblich. Gerade auf der kleineren Eisfläche öffnete der enorme Drang nach vorne Räume für schnelle Gegenangriffe, die gegen einen effizienteren Gegner durchaus unangenehm hätten werden können. Auch offensiv hätte man einige Situationen konsequenter ausspielen dürfen.
Aber insgesamt war das ein richtig guter Auftritt. Mehr Intensität, mehr Zielstrebigkeit und vor allem wieder deutlich mehr von dem Eishockey, das diese Mannschaft in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hat.
Dazu ein starker Jack LaFontaine, der seine Chance mit 94,7 Prozent Fangquote eindrucksvoll nutzte. Gab Fontaine meldete sich mit einem guten Comeback zurück, Yannick Veilleux bestätigt weiter seine starke Form und Leo Pföderl durfte endlich wieder über einen eigenen Treffer jubeln.
So kann man einen Sonntagnachmittag verbringen! 🤭
Weiter geht es für unsere Eisbären am Freitag mit der sicherlich deutlich schwierigeren Aufgabe in Ingolstadt. Bis dahin wünschen wir euch eine stressarme Woche – wir lesen uns Freitag wieder! 🏒🙏
