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Neue Regeln, neue Gesichter: Das ändert sich in der PENNY DEL 2026/27

Der Sommer war wieder mal viel zu lang und die Spielzeit 2026/2027 wirft längst ihre Schatten voraus. Die Vorbereitungsspiele sind ebenso absolviert wie die ersten Spiele der Gruppenphase der Champions Hockey League. Wie jede Saison gab es auch kleinere Regelanpassungen, die nachfolgend näher beleuchtet werden. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Veränderungen im Kader der Hauptschiedsrichter der PENNY DEL.

Interview mit DEL-Schiedsrichter Benjamin Hoppe

Damit es nicht zu trocken und langweilig für Euch Leser wird, habe ich mir prominente Unterstützung eingeladen. DEL-Hauptschiedsrichter Benjamin Hoppe hat sich für ein Interview bereit erklärt und beschreibt die Regeländerungen etwas näher. Noch eine kleine redaktionelle Anmerkung dazu: Ich kenne Benni schon einige Jahre sehr gut und deswegen sind wir auch per ‚Du‘.

Rick: Hallo Benni, danke dir erst mal für deine Zeit und deine Bereitschaft mit mir zu sprechen. Wie war dein Sommer persönlich?

Benni: Hallo Rick, vielen Dank für die Einladung zum Interview! Mein Sommer war sehr schön und erholsam. Ich war mit meiner Frau im Urlaub am Gardasee. Dort haben wir die eishockeyfreie Zeit sehr genossen, Freunde getroffen und die Seele baumeln lassen nach so einer langen Saison, um auch die Akkus für die kommende Saison wieder aufzuladen.
Schiedsrichter Benjamin Hoppe während des Spiels zwischen den Eisbären Berlin und den Dresdner Eislöwen am 07.12.2025 in Berlin, Deutschland. (Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur)

Rick: In der Vorbereitung zur neuen Saison standest du bereits bei 12 Spielen auf dem Eis, unter anderem bei Turnieren in Latsch (Südtirol), Dresden und Crimmitschau. Wie sind deine Eindrücke von den Testspielen allgemein und welche Herausforderungen gibt es vielleicht auch nach dem langen Sommer?

Benni: Die Eindrücke aus der Pre-Season waren gemischt, weil viele Clubs gegen ausländische Konkurrenten getestet haben. Ich habe aber bei den deutschen Vereinen gemerkt, dass sie sich punktuell sehr gut verstärkt haben und die ein oder andere Stellschraube in den Kadern gestellt wurde, um das Team zu verbessern. 

Ich glaube generell, dass das Niveau in der DEL2 noch weiter angehoben wird im Vergleich zur Vorsaison. Das mache ich daran fest, dass viele Spieler aus der PENNY DEL zu Vereinen in der DEL2 gekommen sind. Das wird für mehr sportliche Qualität sorgen und macht die Liga für alle spannender und interessanter.

Rick: Kommen wir nun zu den Regeländerungen, die für die anstehende Spielzeit umgesetzt werden. Die letzten Jahre handelte es sich eher um kleine Anpassungen. Wird das auch diese Saison so sein?

Benni: Tatsächlich sind die Änderungen erneut nicht so gravierend und es wurden wieder nur Nuancen angepasst. Eine gravierende Änderung, die ziemlich offensichtlich ist und von einigen Lesern sicherlich schon bemerkt wurde, ist, dass die Linesperson den Center bei einem fehlbaren Anspiel direkt wegschicken darf, außer bei einer vorherigen Icing-Situation. 

Das ist für mich die auffälligste und gravierendste Regeländerung, die es dieses Jahr gibt. Aus meiner Sicht ist das aber eine angemessene Anpassung. Bisher wurde der Center nach einem Fehlverhalten beim Anspiel nur verwarnt und durfte das Bully ein zweites Mal spielen und sein Können ausspielen.

Sicherlich wird die Regeländerung dafür sorgen, dass die Bullys häufiger beim ersten Versuch von allen Seiten fair gespielt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Spiel schneller gemacht wird.

Rick: Die gravierendste Änderung für mich als Off-Ice-Official ist, dass ihr Hauptschiedsrichter bei Toren nicht mehr pfeift, sondern nur noch auf das Gehäuse zeigt. Ist das eine große Umstellung für dich persönlich?

Benni: Dass diese Regeländerung für die Zeitnehmer im Speziellen gewöhnungsbedürftig ist, kann ich durchaus nachvollziehen. Das wird sicherlich für viele eine Umstellung.

Ich habe damit jedoch keine großen Schwierigkeiten, weil ich das bereits seit 4 bis 5 Spielzeiten genau so praktiziere, um keinen frühen Abpfiff bei einer Torsituation entstehen zu lassen. Es ist sicherlich ein Automatismus, nicht nur bei den Offiziellen, sondern auch bei den Spielern, dessen Umstellung einige Spiele gedauert hat oder auch noch dauern wird. Jedoch ist es aus meiner Sicht eine sehr einfache und gute Sache in der Umsetzung.

Rick: Du hast vorhin die Änderungen für die Linespersons am Bullypunkt angesprochen. Jedoch wird sich auch beim Icing noch eine Kleinigkeit ändern, richtig? Beschreibe doch gern mal, was diese Anpassung genau bedeutet.

Benni: Ja, das mit dem Wegschicken beim Anspiel ist tatsächlich nicht die einzige gravierende Änderung. Ebenfalls wurde aus der NHL übernommen, dass die vordere Linesperson bei einem Icing-Pfiff die Hand für das Icing-Signal hebt. Das gab es bei uns in Deutschland so bisher nicht. 

Bei uns wurde das Icing durch die hintere Linesperson angezeigt und durch die vordere gepfiffen. So kann jetzt jeder direkt erkennen, dass der Unterbruch nicht wegen Abseits oder einer anderen Situation erfolgt, sondern aufgrund eines Icings. Bedeutet: Beim Pfiff durch die vordere Linesperson hebt dieser gleichzeitig die Hand und signalisiert damit eindeutig, dass der Unterbruch wegen Icing erfolgt.

Rick: Eine Regeländerung, die euch als Gespann im Ganzen tangiert, betrifft den Handpass. Dort soll nicht mehr jede Berührung an der Hand automatisch als Handpass geahndet werden. Kannst du erklären wie die Absicht oder Intention des Handpasses für den Schiedsrichter zu erkennen ist?

Benni: Die Regel beziehungsweise Auslegung zum Handpass ist im Gegensatz zum Icing nur eine Klarstellung, denn so wird die Situation von uns in der Praxis bereits gehandhabt. Gemeint ist eine bewusste Aktion mit der Hand, durch die der Puck weitergespielt wird.

Dabei muss deutlich erkennbar sein, dass es sich tatsächlich um einen Handpass handelt, also nicht lediglich um eine zufällige Berührung mit dem Handschuh, sondern um eine bewusste Bewegung, mit der der Spieler den Puck mit der Hand zu einem Mitspieler weiterleitet. Der Puck darf dabei natürlich nicht geworfen werden – es geht wirklich um ein bewusstes Weiterspielen mit der Hand.

Für uns ist es daher eigentlich nichts Neues, weil wir die Regel bereits entsprechend ausgelegt hatten in der Vergangenheit. Es handelt sich vielmehr um eine Klarstellung beziehungsweise eine eindeutige Formulierung der bestehenden Auslegung.

Rick: Bislang war ja ein Hoher Stock abgesehen von der „Follow-Through-Regel“ immer strafbar. Doch auch dort wurde die Regel präzisiert. Beschreibe das doch gern noch mal genauer.

Benni: Es wird jetzt genauer definiert, unter welchen Voraussetzungen ein Hoher Stock vorliegt. Entscheidend ist weiterhin, ob der Stock einen Gegner oberhalb der Schulter trifft. 

Zusätzlich wird aber die Körperposition des betroffenen Spielers berücksichtigt – insbesondere, ob sich seine Schulter auf Hüfthöhe oder darüber befindet. Damit möchte die IIHF vor allem Situationen klarer regeln, in denen sich ein Spieler sehr tief zum Puck herunterbeugt. Die Präzisierung soll für eine einheitlichere Auslegung sorgen und verhindern, dass die Körperhaltung des Spielers zu unterschiedlichen Bewertungen führt.

Rick: Danke dir für deine Zeit und deine Expertise. Ich wünsche dir und natürlich auch dem gesamten Team Stripes eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison!

Benni: Sehr gerne, Rick! Vielen Dank und bis bald in irgendeinem Stadion.

Das sind die Regeländerungen zur Saison 2026/2027

Zur besseren Übersichtlichkeit fasse ich noch mal alle Regeländerungen für euch zusammen:

  • Die Kapitänsregel wurde angepasst. Es ist nicht mehr zwingend nötig einen Kapitän, sowie 2 Assistenten zu benennen, sondern die Teams können auch 3 Assistenten festlegen.
  • Bei einem technischen Tor wird das Tor dem gefoulten Spieler zugesprochen und nicht mehr dem Spieler, der zuletzt den Puck berührt hat.
  • Ein Hoher Stock kann nur noch ausgesprochen werden, wenn sich die Schulter des gefoulten Spielers mindestens auf Hüfthöhe befindet.
  • Beim Bully wird beim ersten Verstoß der Spieler nicht mehr ermahnt, sondern direkt ausgetauscht. Beim zweiten Verstoß gäbe es dann eine Kleine Bankstrafe für Spielverzögerung, analog zur alten Regelung.
  • Ein Handpass wird nur noch als solcher gewertet, wenn sich ein Vorteil daraus ergibt und eine Intention vorlag, den Puck absichtlich mit der Hand zu spielen. Sollte der Puck mit der Hand „unabsichtlich“ abgefälscht werden, muss nicht mehr zwingend ein Handpass vorliegen.
  • Bei Toren pfeifen die Hauptschiedsrichter nicht mehr ab, sondern zeigen nur noch mit dem ausgestreckten Arm aufs Tor.
  • Bei ausgesprochenen Strafen in einer Unterbrechung wird der Arm durch die Hauptschiedsrichter nicht mehr gehoben, sondern ausschließlich bei Strafen im laufenden Spiel.
  • Die vordere Linesperson zeigt das Icing ab sofort mit einem gehobenen Arm an, um den Unterbrechungsgrund klarer zu machen.

Veränderungen im Schiedsrichter-Kader der PENNY DEL

Abschließend möchte ich natürlich auch noch mal den Schiedsrichter-Kader für die Saison 2026/2027 der PENNY DEL beleuchten. Tatsächlich gibt es einige Veränderungen.

Neue Gesichter und Abschiede

Roman Gofman wird nach 4 Saisons in Deutschland nicht mehr in der PENNY DEL auf dem Eis stehen. Nach meinen Informationen zieht es den 41-jährigen zurück in seine russische Heimat, um wieder Spiele in der KHL zu leiten.

Des Weiteren wird der US-Amerikaner Sean MacFarlane die PENNY DEL verlassen. Er stand ab der Saison 2021/2022 bei 357 Spielen auf dem Eis und wird ab der kommenden Spielzeit in der schweizerischen National League zum Einsatz kommen. Unter anderem stand er vergangenen Sonntag bereits beim Champions Hockey League Spiel zwischen Fribourg-Gottéron und Mannheim auf dem Eis.

Nach einer Saison in Deutschland verabschiedet sich auch der ehemalige kanadische NHL-Schiedsrichter Ghislain Hebert wieder aus der PENNY DEL und hängt seine Schlittschuhe nun endgültig an den Nagel. Ganz ohne Eishockey geht es trotzdem nicht. So wurde im vergangenen Juni bekannt, dass die Québec Major Junior Hockey League (QMJHL) ihn als „Head of Officiating“ verpflichtet hat. Er gibt seine große Erfahrung somit an den Nachwuchs weiter.

Um die personellen Verluste auszugleichen, verstärkt sich die PENNY DEL mit dem tschechischen Hauptschiedsrichter Jan Hribik, der ab kommender Saison als Profi-Schiedsrichter auf dem Eis stehen wird. Hribik wurde 1983 in Jablonec nad Nisou (nahe der sächsischen Grenze) geboren und kann bereits auf eine beeindruckende Vita zurückblicken. 2018 und 2026 leitete er Spiele bei den Olympischen Winterspielen und seit 2017 war er bei 5 Eishockey Weltmeisterschaften vertreten. Des Weiteren kam er auf über 150 Einsätze in der multinationalen Kontinental Hockey League. In seiner tschechischen Heimat stand er in der Extraliga bei mehr als 700 Partien auf dem Eis. Der 43-jährige wird in der PENNY DEL mit der Rückennummer 47 auflaufen.

Ein weiterer internationaler Neuzugang wird der Ungar Gergely Gebei sein. Gebei wurde 1999 in Dunaujvaros geboren und war bis zur Saison 2022/2023 noch als Spieler in seiner ungarischen Heimat im Einsatz. Sein Vater Peter Gebei ist der Schiedsrichterobmann in Ungarn und somit wurde Gergely seine Karriere früh in die Wiege gelegt. Neben Einsätzen in seiner Heimat leitete er bereits Spiele in der multinationalen ICEHL und stand letzte Saison bei 12 Spielen in der deutschen Oberliga auf dem Eis. Zur Spielzeit 2024/2025 wurde er außerdem zu 2 Spielen in die zweitklassige American Hockey League eingeladen. Dies war jedoch nicht sein einziger internationaler Einsatz. Gebei ist bereits seit einigen Jahren als IIHF-Hauptschiedsrichter gelistet und pfiff dieses Jahr bei der U18-WM der Top-Division in der Slowakei 4 Spiele. Ebenfalls ist der Ungar im Kader der Hauptschiedsrichter der DEL2, wodurch er wohl kein Profi-Ref ist, sondern mit einem Fördervertrag ausgestattet wurde, ähnlich wie sein Landsmann Zsombor Palkövi vor wenigen Saisons.

Laut Webseite der PENNY DEL befinden sich momentan 23 Hauptschiedsrichter im Kader. Einige werden, ähnlich zu den vergangenen Spielzeiten, nur wenige Spiele in der höchsten deutschen Liga erhalten und hauptsächlich in der DEL2 auf dem Eis stehen. Einen deutschen Schiedsrichter, der letzte Saison noch keine Einsätze in der PENNY DEL hatte, wird es zu Saisonbeginn erst mal nicht geben.

Nach meinen Informationen plant die Liga zudem internationale Kooperationen mit Hockey Canada sowie der finnischen Liiga. Wie das dann im Detail aussehen wird, wird die Zeit zeigen.

Der komplette Schiedsrichter-Kader 2026/2027

Abschließend noch mal der Kader der Hauptschiedsrichter der PENNY DEL für die Saison 2026/2027.

  • #20: Andris Ansons (Lettland)
  • #38: David Cespiva
  • #09: Martin Frano (Tschechien)
  • #xx: Andreas Gawlik
  • #xx: Gergely Gebei (Ungarn)
  • #02: Tim Heffner
  • #17: Kilian Hinterdobler
  • #19: Benjamin Hoppe
  • #47: Jan Hribik (Tschechien)
  • #11: Sirko Hunnius
  • #12: Marc Iwert
  • #37: Jeroen Klijberg (Niederlande)
  • #18: Lukas Kohlmüller
  • #40: Jackson Kozari (USA)
  • #32: Achim Moosberger
  • #14: Zsombor Palkövi (Ungarn)
  • #08: Aleksander Polaczek
  • #07: Marian Rohatsch
  • #15: Christopher Schadewaldt
  • #05: André Schrader
  • #27: Bastian Steingroß
  • #23: Daniel Todam
  • #06: Lukas Voit

Die Herren Gawlik und Gebei haben noch keine Rückennummer hinterlegt. Das wird dann sicherlich spätestens beim ersten Einsatz erledigt.

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