Spielbericht: Genf vs. Eisbären
Im ersten Pflichtspiel der CHL müssen die Eisbären eine herbe Niederlage hinnehmen. Am Ende stand es 6:2 für die Gastgeber aus Genf. Dabei lieferten die Eisbären über weite Strecken eine sehr gute Partie ab und waren sogar die deutlich aktivere Mannschaft. Warum es am Ende dennoch nicht für Punkte gereicht hat, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren!
Im Line-up änderte sich im Vergleich zu den drei Testspielen gegen Zug, Augsburg und Weißwasser nicht viel. Der Sturm blieb nahezu unverändert, nur Eric Mik übernahm größtenteils die Rolle des Flügelstürmers neben Griva und Wiederer in der vierten Angriffsreihe! Noel Saffran kam dagegen nur auf wenige Einsatzminuten. Miks erneuter Ausflug in den Sturm lag auch an der Neuverpflichtung von Brandon Davidson in der Verteidigung. Der 35-jährige Abwehrrecke wechselte unter der Woche von Kometa Brno in die Hauptstadt. Sein gestriger Verteidigungspartner war Adam Smith. Neben dem obligatorischen Duo Wissmann und Müller spielten dann noch Geibel und Reinke zusammen. Moritz Kretzschmar kam genauso wie Saffran nur zu wenigen Einsatzminuten. Im Tor bekam Jake LaFontaine den Vorzug vor Jonas Neffin.
Und dieses Aufgebot knüpfte nahtlos an die Leistungen aus den Testspielen an. Vor allem die Auftritte beim Dolomiten Cup waren geprägt von offensiv druckvollem und durchaus gefälligem Eishockey. Bereits nach wenigen Sekunden hatte Gab Fontaine die erste gute Einschussgelegenheit, verzog aber knapp über das Gehäuse des Genfer Torwarts Stéphane Charlin, der an diesem Abend eine herausragende Leistung zeigte. Eingeleitet wurde die Chance durch einen präzisen und schnellen Aufbaupass von Kai Wissmann, der am gestrigen Abend nach seinen schweren Verletzungen langsam wieder zu seiner alten Form zurückzukehren schien.
Und auch die nächsten gefährlichen Szenen gehörten unseren Eisbären, die über die gesamte Partie gesehen meist die aktivere Mannschaft waren. Das große Manko war allerdings die fehlende Effizienz vor dem gegnerischen Kasten. Mit einer Schusseffizienz von unter 7 % ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen! Wie es anders gehen kann, zeigte das heimische Starensemble. Der Genfer Kader ist reichlich mit NHL-Erfahrung bestückt, auch die Ausrichtung auf viele finnische Imports sorgt automatisch für eine gewisse Harmonie unter den Spielern. Und gerade diese finnischen Kracher stellten die Eisbären-Defensive in den für Genf entscheidenden Momenten vor große Probleme. Innerhalb weniger Sekunden führten die Gastgeber wie aus dem Nichts mit 2:0.
Trotz der extremen Qualität der Genfer fielen diese Tore ein bisschen zu einfach, aber das sagt sich als Außenstehender natürlich immer leicht. Wer nun dachte, dass sich daraus ein noch schwererer Abend für unsere Eisbären entwickeln würde, wurde schnell eines Besseren belehrt. Fast unbeirrt von diesem Schock setzten die Eisbären ihr druckvolles Offensivspiel fort und erspielten sich dabei wirklich gute Gelegenheiten, die aber leider allesamt ungenutzt blieben.
Erst durch das erste eigene Powerplay konnte man einen Weg aufs Scoreboard finden. Die Formation um Wissmann, Kirk, Fontaine, Pföderl und Ronning zog dabei ein nahezu tadelloses Überzahlspiel auf – mit viel Präzision in den Pässen, dem nötigen Risiko bei der Wahl der Passwege und einem guten Timing für die Abschlüsse. Exemplarisch dafür war der Abschluss von Leo Pföderl bewusst auf den Schoner von Charlin. Den Abpraller konnte dann der sehr gut im Slot platzierte Gab Fontaine zum Anschlusstreffer verwerten! Damit ging man mit einem knappen Rückstand in die erste Drittelpause, was den Spielverlauf nur in Ansätzen widerspiegelte. Bis auf die beiden Tore fanden die Gastgeber offensiv kaum statt. Auch ihr Überzahlspiel verpuffte ohne wirkliche Großchance.
Im Mittelabschnitt bot sich ein noch einseitigeres Bild. Die Eisbären hatten zwischenzeitlich ein Schussverhältnis von 13:0 in diesem Drittel! Lange Zeit sah es aber weiterhin danach aus, als wären die Eisbären bei Gleichzahl auf dem Eis nicht in der Lage, ein Tor zu erzielen. Bis Ty Ronning seine Mitspieler und uns Fans endlich erlösen konnte. Anschließend hätte man eigentlich in Führung gehen müssen, was man leider verpasste. Und so war es kurz vor Ende des zweiten Drittels wieder ein finnischer Ausnahmespieler, der den Puck unter die Latte knallte. LaFontaine konnte einem an diesem Abend schon fast leidtun.
Man wurde den Eindruck nicht los, dass die Gastgeber nur so viel Einsatz wie nötig zeigten. Immer in den wichtigen Momenten zogen sie das Tempo ein bisschen an und zeigten den Eisbären damit defensiv ihre Grenzen auf. Bevor das Spiel dann durch ihre individuelle Klasse entschieden wurde, hatte Leo Pföderl noch die Riesenchance zum Ausgleich. Von Gab Fontaine hervorragend auf die Reise geschickt, scheiterte er am weiterhin souverän haltenden Charlin im Genfer Gehäuse! Anschließend konnten die Eisbären nicht mehr den Druck der ersten beiden Drittel aufbauen, dennoch versuchten sie alles. Die sich nun bietenden Lücken wurden von den Gastgebern gnadenlos zum Ausbau der Führung ausgenutzt.
Es ist schwer davon auszugehen, dass selbst bei einer verdienten Führung im Mittelabschnitt oder einem möglichen Ausgleich durch Leo Pföderl im letzten Drittel wenig später nicht wieder eine passende Antwort des Genfer Starensembles gefolgt wäre. Und dennoch können wir sehr stolz auf unsere Jungs sein. Gegen einen übermächtigen Gegner über weite Strecken die bessere Mannschaft zu sein, ist schon eine herausragende Leistung.
Am Ende des Tages müssen die Punkte für das Weiterkommen an anderer Stelle geholt werden. Dennoch ist mit so einer couragierten Leistung morgen in Davos durchaus eine Überraschung möglich. Der morgige Gegner tat sich sehr schwer gegen den Underdog aus Norwegen und behielt erst in der Overtime die Oberhand.
Wir wünschen euch nun einen entspannten Samstag und morgen viel Freude beim Verfolgen der zweiten Partie des Schweizer CHL-Wochenendes! 🏒
