Spielbericht: Eisbären vs. Zug
In einem hochklassigen und intensiven ersten Testspiel mussten sich die Eisbären gegen eine starke Zuger Mannschaft mit 0:2 geschlagen geben. Warum man trotz der Niederlage viele erste positive Eindrücke gewinnen konnte, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren.
Eigentlich bin ich kein Freund davon, Spielberichte zu Testspielen zu verfassen. Etliche Dinge werden noch ausprobiert, in vielen Phasen wird noch nicht mit der finalen Intensität gespielt und zahlreiche Aspekte lassen sich schlicht noch nicht abschließend bewerten.
Dennoch weiche ich in diesem Jahr von dieser alten Gewohnheit ab. Einerseits war das im Vorhinein ohnehin schon so geplant, andererseits hätte mich die Art und Weise, wie dieses Spiel von beiden Mannschaften angegangen wurde, wohl auch spontan zum Schreiben eines Berichtes motiviert.
Bevor wir in die vertiefende Analyse gehen, werfen wir gemeinsam einen ersten vorsichtigen Blick auf das Line-up.
Korbi Geibel und Freddy Tiffels fehlen noch angeschlagen. Patrick Khodorenko und Lean Bergmann befinden sich beide weiterhin in der Reha. Böse Zungen würden jetzt schreiben, dass sich somit das Line-up wieder einmal fast von selbst aufgestellt hat. Sicherlich wird man im Management noch abwägen, ob man vor allem im Sturm noch einmal auf dem Transfermarkt nachlegen sollte.
In der ersten Reihe spielten Ronning und Kirk auf den Flügeln, die Centerposition bekleidete Gab Fontaine. Die zweite Reihe formierten Hördler, Eder und Pföderl, gefolgt von Veilleux, Vikingstad und Krestan in der dritten Reihe. Eine sehr vielversprechende und interessante Reihenkonstellation. Abgeschlossen wurde der Sturm von Wiederer und seinen jungen Kumpanen Saffran und Griva.
In der Verteidigung bildeten Müller und Wissmann das gewohnte erste Duo. Auch Reinke und Smith konnte man in dieser Konstellation erwarten. Beim dritten Pärchen wechselten sich Kretzschmar und Haš neben Eric Mik ab. Im Tor bekam Jack LaFontaine den Vorzug vor Jonas Neffin, der sicherlich morgen die Partie gegen die Augsburger Panther bestreiten dürfte.
Diese Reihenkonstellationen konnte man bereits beim ersten öffentlichen Training beobachten und sie stellen derzeit wohl unser bestmögliches Line-up dar. Sicherlich mit einigen interessanten Einblicken.
Logischerweise ist Eric Hördler von den jungen Stürmern am höchsten aufgestellt. Dass direkt dahinter aber schon Krestan folgt, zeigt, welch großes Potenzial in ihm steckt. Hördler muss in diesem Jahr liefern, denn die Konkurrenz und Qualität im U23-Sektor ist enorm.
Das könnte alle Beteiligten zu Höchstleistungen pushen – und genau davon ließ die gesamte Mannschaft heute bereits phasenweise einiges aufblitzen.
Die Eisbären hatten den deutlich besseren Start in die Partie. Das Forechecking funktioniert weiterhin wie ein Schweizer Uhrwerk und stellte die qualitativ hochklassig besetzte Zuger Mannschaft in den ersten Minuten ordentlich vor Probleme. Die größte Chance hatte in dieser Phase Ty Ronning, der gefährlich von hinter dem Tor in den Slot ziehen konnte, den aber auch an diesem Nachmittag herausragend haltenden Genoni im Zuger Gehäuse nicht überwinden konnte.
Leider beschreibt genau das auch ein wenig die Geschichte dieses Eishockeynachmittags. Genoni hat schon ganz andere Mannschaften zur Verzweiflung gebracht, deswegen müssen wir uns dafür nun wirklich nicht grämen.
Dennoch ist es natürlich etwas ernüchternd, dass man sich am Ende für diese wirklich couragierte Leistung gegen eines der besten europäischen Teams nicht belohnen konnte. Gleichzeitig macht dieser Auftritt aber sehr viel Mut für die beiden kommenden Gastspiele in der Schweiz in der CHL.
Im weiteren Spielverlauf kamen die Schweizer zunehmend besser in die Partie. Die Druckphasen wurden intensiver und vor allem länger. Nach einem längeren Wechsel konnten sich die Eisbären nur noch mit einem Icing „befreien“, woraufhin die Zuger im Anschluss eine Art Powerplay bei Gleichzahl aufzogen und sich schließlich für diesen Aufwand belohnten.
Es sollte bereits der Siegtreffer sein.
Den Eisbären ist dabei kaum ein Vorwurf zu machen. Du kannst einen Gegner dieser Qualität nicht über 60 Minuten komplett daran hindern, solche Druckphasen aufzubauen. Der EV Zug besitzt schlicht die individuelle Klasse im Kader, um genau solche Momente konsequent auszunutzen.
Anschließend hatten es die Eisbären deutlich schwerer, den Druck aus den ersten Minuten wieder aufzubauen. Allerdings gelang es auch den Zugern nicht, ihre Druckphasen dauerhaft weiter zu forcieren. Somit blieb es beim 0:1 nach den ersten 20 Minuten. Ein Unentschieden hätte dem bisherigen Spielgeschehen wohl eher entsprochen – aber so ist der Sport.
Im zweiten Drittel entschieden sich die Schiedsrichter auf einmal dazu, die Funktionstüchtigkeit ihrer Pfeifen etwas intensiver zu testen. 🤭 Wurde im ersten Drittel noch vieles durchgewunken, war nun plötzlich deutlich mehr strafwürdig. Der Spielfluss ging durch die vielen Unterbrechungen und längeren Phasen in den Special Teams etwas verloren. Positiv ist zu vermerken, dass das Unterzahlspiel gegen ein auf dem Papier brandgefährliches Zuger Überzahlspiel sehr ordentlich funktioniert hat.
Das eigene Powerplay befindet sich merklich im Umbau, hatte aber bereits einige positive Ansätze zu bieten. Hier bedarf es logischerweise noch etwas Einspielzeit! Anschließend entwickelte sich bei Gleichzahl wieder ein munteres Spiel, wobei die Zuger in diesem Mittelabschnitt die etwas besseren Chancen besaßen.
Jack LaFontaine zeigte eine sehr solide Leistung, brillierte mit einem herausragenden Stellungsspiel und einem guten Gespür dafür, wann er aktiv ins Spielgeschehen eingreifen muss. Auch mit der Scheibe am Schläger und beim Passspiel wirkte er extrem ruhig.
Natürlich gilt es auch hier, die weitere Entwicklung abzuwarten. Die ersten Eindrücke sind jedenfalls sehr positiv.
Das gilt allerdings nicht nur für ihn.
Unsere Mannschaft wirkte über weite Strecken sehr agil und griffig – sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Man merkt deutlich, dass große Teile der Mannschaft eingespielt sind und dass das bestehende System scheinbar nahezu nahtlos übernommen wurde.
Leider konnte man auch im letzten Drittel keinen Weg an Genoni vorbei finden, obwohl sich die Eisbären noch einmal einige wirklich gute Einschussgelegenheiten herausspielen konnten. Insgesamt war es dennoch ein sehr guter erster Test für unsere Eisbären.
Wir sind sehr gespannt auf den morgigen Auftritt im kleinen Finale gegen den Ligakonkurrenten aus Augsburg, der den heutigen Tag zur Regeneration nutzen konnte.
Ab den CHL-Spielen können wir dann auch wieder deutlich vertiefter in die Analyse gehen. Noch sind es erste Eindrücke aus einem ersten Testspiel.
Der Weg scheint richtig zu sein.
Wir werden ihn weiter beobachten und für euch einordnen.
Wir lesen uns morgen! Genießt nun euren Samstagabend! 🏒
📸: City-Press GmbH (Archivbild)
