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Gabriel Fontaine im Transfer-Check: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Manchmal muss man erst weggehen, um zu merken, was man aneinander hat. Es gibt Wechsel im Eishockey-Business, die tun weh, und dann gibt es Wechsel, die hinterlassen eine klaffende Wunde. Als uns Gabriel Fontaine im Sommer 2025 nach der grandiosen Meisterschaft in Richtung München verließ, war das so ein Moment. Doch die Sehnsucht war offenbar beidseitig. Nur ein Jahr dauerte das bajuwarische Intermezzo des kanadischen Angreifers. Dass Sportdirektor Stéphane Richer den verlorenen Sohn nun ausgerechnet von den Roten Bullen zurück an die Spree lotst, ist ein echter Transfer-Coup, der die Vorfreude auf die neue Ära unter Éric Dubois endgültig durch die Decke schießen lässt. Gabriel Fontaine ist zurück. Und selten fühlte sich eine Rückkehr so selbstverständlich und gleichzeitig so spektakulär an.

Mehr als nur ein Rückkehrer

Machen wir uns nichts vor: Gabriel Fontaine ist kein gewöhnlicher Neuzugang. Innerhalb einer einzigen Saison hat er geschafft, woran andere Spieler jahrelang arbeiten – er hat sich tief in die Herzen der Eisbären-Fans gespielt.

Als Fontaine im Sommer 2024 vorgestellt wurde, dürfte kaum jemand damit gerechnet haben, welche Schlüsselrolle er im System einnehmen würde. In unserer damaligen Transferanalyse ordneten wir ihn als klassischen Cormier-Ersatz ein, also als einen laufstarken Zwei-Wege-Center, solide im Bullykreis, kompromisslos gegen die Scheibe und vermutlich gut für 20 bis 25 Scorerpunkte.

Gabriel Fontaine bei der Saisoneröffnungsfeier 24/25 – Foto von Marco Leipold / City-Press GmbH Bildagentur

Tja. Gabriel Fontaine brauchte gerade einmal ein paar Wochen, um uns eines Besseren zu belehren.

Jeder, der ihn in der Meistersaison beobachtet hat, weiß genau, dass Fontaine diese ganz speziellen Shifts hat. Es sind jene Momente, in denen er komplett explodiert, die Scheibe abschirmt, zwei Verteidiger stehen lässt und plötzlich Dinge macht, bei denen du dich fragst, wie das auf DEL-Eis überhaupt möglich ist. Aber lassen wir die Kirche im Dorf, denn er ist nicht jedes Spiel ein zweiter McDavid und das muss er auch gar nicht sein. Seine wahre Qualität liegt in der Kombination aus diesen Geniestreichen und einer brutalen, konstanten Arbeitsrate an beiden Enden des Eises. Er fällt vielleicht nicht in jedem Wechsel durch Zirkustricks auf, aber er fällt in jedem einzelnen Wechsel durch harte Arbeit auf. Und genau deshalb lieben ihn Trainer genauso sehr wie Fans.

Mal gewinnt er ein wichtiges Defensiv-Bully, mal räumt er an der Bande auf, mal blockt er einen Schuss. Wenn das Spiel ein dreckiges Tor brauchte, stand er genau dort, wo Verteidiger am wenigsten stehen wollen: mitten im Slot.

Wer jetzt glaubt, das sei nur ein subjektiver Eindruck gewesen, für den sprechen auch die nackten Zahlen eine eindeutige Sprache. In der Meistersaison scorte er in 42 Hauptrundenspielen überragende 40 Punkte, aufgeteilt in 19 Tore und 21 Vorlagen. Wer tiefer in die Advanced Stats blickt, erkennt seinen wahren Wert, denn Fontaine sammelte seine Punkte nicht über einfache Secondary Assists. Sensationelle 31 seiner 40 Punkte waren primäre Scorerpunkte, was seine enorme Bedeutung als direkter Antreiber der Offensive unterstreicht. Seine Schusseffizienz von 19,79 % war eine absolute Waffe in der Liga. In den Playoffs legte er nahtlos nach und steuerte in 14 Partien weitere 9 Punkte zum Titelgewinn bei, wobei er mit 5 primären Punkten erneut in den entscheidenden Momenten zur Stelle war.

Ein Jahr, das einfach nicht passte

Umso größer war der Schock, als sich der Kanadier nach dem Titelgewinn verabschiedete und sich ausgerechnet Red Bull München anschloss.

Rückblickend wirkt dieses Kapitel wie ein kleiner Umweg. Zwar spielten die Münchner eigentlich eine starke Hauptrunde und landeten mit 100 Punkten auf Platz 4, also deutlich vor den (in der Hauptrunde) schwächelnden Eisbären mit ihren 85 Punkten auf Platz 6, doch am Ende nützt die beste Ausgangslage nichts. Im Halbfinale flogen die Roten Bullen krachend gegen die Adler Mannheim raus.

Foto von Bruno Dietrich / City-Press GmbH Bildagentur

Für Fontaine persönlich verlief das Jahr an der Isar allerdings nicht so, wie erhofft. Kleinere Verletzungen bremsten den Kanadier immer wieder aus, und nie kam er so richtig in den Rhythmus, der ihn ein Jahr zuvor in Berlin zum Unterschiedsspieler gemacht hatte. Am Ende standen zwar ordentliche 21 Punkte, bestehend aus 10 Toren und 11 Assists, aus 37 Hauptrundenspielen auf dem Papier. Auch seine Bullyquote war mit 52,52 % erneut giftig, aber der absolute Punch fehlte. Seine Plus-Minus-Bilanz sank auf +6 und in den Playoffs lief er von möglichen 11 Spielen nur einmal für den EHC auf. Man hatte nie das Gefühl, dass dieser Fit in München wirklich zu 100% passte.

Vielleicht musste diese Geschichte genau so verlaufen, denn statt eines satten Profis bekommen die Eisbären nun einen hochmotivierten Angreifer zurück, der etwas wiedergutzumachen hat und beweisen will, dass das Jahr in München lediglich ein Ausrutscher war. Und genau solche Spieler willst du im September lieber im eigenen Trikot sehen als auf der Gegenseite.

Vom NHL-Draft bis zum Berliner Publikumsliebling

Dass Fontaine heute ein so kompletter Eishockeyspieler ist, kommt nicht von ungefähr. Geboren in Montréal, durchlief er die harte Schule der traditionsreichen QMJHL, bevor sich 2016 ein Kindheitstraum erfüllte. Die New York Rangers sicherten sich im NHL Entry Draft die Rechte an dem bulligen Center in Runde 6 an Position 171.

Der ganz große Durchbruch in der NHL blieb zwar aus, doch fast 200 Einsätze in der AHL für das Hartford Wolf Pack und die Colorado Eagles gaben ihm genau jene Härte und taktische Reife, die sein Spiel heute so verlässlich machen. Über den finnischen Erstligisten Lukko Rauma führte sein Weg schließlich 2024 erstmals nach Berlin. Aus einem vermeintlichen Rollenspieler wurde hier ein echter Unterschiedsspieler und solche Jungs findest du nicht an jeder Ecke.

Gegen das große Geld Entschieden?

Besonders spannend wird es, wenn man den Blick auf die Hintergründe wirft, die diesen Transfer begleiten. Fontaine besaß an der Isar eigentlich noch einen gültigen Zweijahresvertrag bis 2027. Wie in Fankreisen und der Münchner Gerüchteküche gemunkelt wird, soll Red Bull München dem Vernehmen nach sogar bereit gewesen sein, das bestehende Arbeitspapier finanziell noch einmal spürbar aufzuwerten, um den Center trotz seiner Wechselgedanken unbedingt zu halten.

Glaubt man den hartnäckigen Insider-Berichten der Münchner Portale, soll sich Fontaine jedoch ganz bewusst gegen das vermeintlich größere Geld der Bayern entschieden haben. Demnach habe sich seine Familie in der bayerischen Landeshauptstadt privat einfach nie so richtig heimisch und wohl gefühlt wie zuvor an der Spree. Sollten diese Spekulationen zutreffen, wäre das der schönste Beweis dafür, dass Berlin für diese Jungs eben weit mehr als nur ein cooler Arbeitgeber ist, sondern ein echtes Zuhause.

Fontaine trifft in Berlin wieder auf alte Freunde – Foto von City-Press GmbH Bildagentur

Was dagegen absolut feststeht ist, dass Gabriel Fontaine auch in seiner zweiten Berliner Amtszeit wieder mit der gewohnten Rückennummer 97 auflaufen wird. Wer also sein Meistertrikot aus der Saison 2024/25 bis heute im Schrank hängen hat, darf sich freuen, denn das gute Stück bleibt brandaktuell. Der Geldbeutel bedankt sich. Ein weiterer handfester Vorteil ist, dass Fontaine sich praktisch nirgendwo neu eingewöhnen muss. Die Integration in der Kabine wird exakt null Tage dauern, da er die Abläufe, das Berliner Publikum und einen Großteil der Mannschaft kennt. Während andere Neuzugänge Wochen brauchen, um das System zu verinnerlichen, wird die 97 vom ersten Trainingstag an voll im Rhythmus sein. Das ist ein Luxus, den man auf dem Transfermarkt nur selten bekommt.

Mein Puckgeflüster-Fazit

Für mich fühlt sich dieser Wechsel gar nicht wie eine klassische Neuverpflichtung an, sondern so, als würde ein wichtiges Puzzleteil wieder genau an seinen angestammten Platz gelegt werden.

Natürlich bleiben sportliche Fragezeichen. Kann Fontaine nach seiner durchwachsenen Zeit in München sofort wieder an die Fabelform seiner Berliner Meistersaison anknüpfen? Wird er vom ersten Bully weg wieder dieser alles stabilisierende Center sein? Das kann uns jetzt im Juli natürlich niemand garantieren.

Was wir allerdings wissen, ist deutlich wichtiger. Wir wissen bereits, dass Gabriel Fontaine in Berlin funktionieren kann. Wir wissen, dass er in den größten Spielen Verantwortung übernimmt, dass er Playoffs drauf hat und weiß, wie man Titel gewinnt. Genau deshalb halte ich diesen Vertrag für eine der wichtigsten Personalentscheidungen dieses Sommers. Die Eisbären bekommen keinen Hoffnungsträger, bei dem man erst experimentieren muss, sondern sie bekommen einen bewährten Unterschiedsspieler zurück. Als die Meldung offiziell wurde, musste ich sofort an den Sommer 2025 denken. Damals fühlte sich sein Abschied wie das schmerzhafte Ende einer großartigen Geschichte an. Heute wissen wir alle, dass es offenbar nur das Ende des ersten Kapitels war.

Willkommen zu Hause, Fonty. Berlin hat dich vermisst.

Beitragsbild: City-Press GmbH

-Jakob Wegener

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