Jonas Neffin im Transfer-Check: Was bringt der DEL2-MVP den Eisbären?
Die Zeit des Wartens hat fast ein Ende: Noch genau 55 Tage, dann fliegt der Puck endlich wieder durch die Uber Arena. Nachdem wir unsere Meisterhelden verabschiedet haben und sich der Rauch um den emotionalen Abschied von Serge Aubin langsam gelegt hat, wird es Zeit, nach vorne zu blicken. Eine neue Ära unter unserem neuen Headcoach Éric Dubois bricht an, und Sportdirektor Stéphane Richer hat ihm für den Kasten gleich ein verdammt luxuriöses Problem beschert.
Chronologisch machen wir den Anfang mit unserem ersten Transfer der Sommerpause. Und ganz ehrlich: Da kommt ein Name auf uns zu, bei dem ich beim Schreiben schon richtig Bock auf die neue Saison kriege.
Ein echter MVP für unseren Kasten
Machen wir uns nichts vor: Wenn ein deutscher Torwart mit der Auszeichnung zum „Spieler des Jahres & Torhüter des Jahres“ einer kompletten Profiliga im Gepäck an die Spree wechselt, dann kommt er nicht hierher, um im Training brav die Schüsse von Leo Pföderl zu fangen und ansonsten die Bank zu wärmen. Genau deshalb ist der Wechsel von Jonas Neffin so spannend.

Der 26-jährige Linksfänger bringt eine beeindruckende Empfehlung aus Regensburg mit. Nachdem er 2024 als verlässlicher Partner im Duo mit Tom McCollum die Eisbären aus der Domstadt bereits sensationell zur DEL2-Meisterschaft begleitete, folgte in der abgelaufenen Saison sein persönliches Meisterstück: Eine Fangquote von 92,9 % bei 43 gespielten Spielen, was der absolute Spitzenwert aller Torhüter in der Hauptrunde war. Die logische Konsequenz? Die Auszeichnung zum DEL2-Spieler des Jahres.
Für mich ist dieser Transfer ein klares, sportliches Signal an unseren frischesten Neuzugang Jack LaFontaine: Der Platz im Tor wird nicht verschenkt. Neffin bringt diese ganz spezielle Gewinner-Mentalität mit. Er ist ein athletischer Goalie mit schnellen Reflexen, der diese unaufgeregte Ruhe und ein starkes Positionsspiel mitbringt. Nicht ohne Grund nennt Neffin Carey Price als großes Vorbild. Dessen ruhiges, technisch nahezu perfektes Positionsspiel prägte eine ganze Torhütergeneration und spiegelt sich auch in Neffins Spielweise wider.
Neffins Sportlicher Werdegang
Der Weg ins Profi-Eishockey führt für Torhüter selten über die Überholspur, sondern meist über harte Arbeit, Geduld und jede Menge Buskilometer. Jonas Neffin ist das perfekte Beispiel für diese Eishockey-Ochsentour. Seine Karriere startete er ganz klassisch im Nachwuchs des Iserlohner EC. Bei den Young Roosters durchlief er von der U14 bis zur DNL alle Altersklassen und verdiente sich im Sauerland das Fundament für seine Profikarriere.
Und genau dort, am altehrwürdigen Seilersee, schrieb Jonas im Dezember 2019 sein ganz eigenes DEL-Märchen. Als junges Talent musste Neffin aufgrund der Verletzungen des damaligen Torhüterduos Peters/Jenike gegen den EHC Red Bull München von Beginn an ran. Die Münchner stellten zu diesem Zeitpunkt die zweitbeste Offensive der Liga. Was folgte, war ein Einstand wie aus dem Bilderbuch: Neffin hielt fortan jeden einzelnen der 39 Schüsse auf sein Tor, verbuchte für sein persönliches Debüt seinen ersten Shutout und ebnete den Roosters den Weg zu einem epischen Sieg. Gegen München kann er es also schon mal, ein Fakt, den wir in Berlin natürlich besonders gerne hören!

Als junger Goalie braucht man vor allem eines: Eiszeit. Die holte sich Neffin über smarte Leihgeschäfte in der Oberliga. Ob bei den Moskitos Essen, den Blue Devils Weiden oder dem Herner EV, überall nutzte er jede Gelegenheit, um wertvolle Spielpraxis im Seniorenbereich zu sammeln. Der nächste logische Entwicklungsschritt folgte eine Etage höher in der DEL2. Auch hier erwies sich das Leihmodell als Erfolgsrezept: Erst stabilisierte er das Tor der Kassel Huskies, in der darauffolgenden Spielzeit das der Dresdner Eislöwen.
Der endgültige sportliche Durchbruch gelang Neffin schließlich bei den Eisbären Regensburg. Nach dem ersten Jahr, in dem er beim Meistertitel 2024 als starker Backup bereitstand, reifte er dort in der Saison 2025/26 zum absoluten Boss zwischen den Pfosten. Mit der besagten Fangquote von 92,9 % trug er das Team in der Hauptrunde phasenweise fast im Alleingang. Vom flexiblen Leihspieler hat sich Jonas Neffin Schritt für Schritt auf die ganz große deutsche Eishockeybühne vorgearbeitet.
Zahlenspiele und Kabinen-Mythen
Aber weg von den reinen Statistiken, hin zu den Geschichten, für die ihr uns bei Puckgeflüster lest. Wer wissen will, was es mit seiner ungewöhnlichen Rückennummer 75 auf sich hat, findet des Rätsels Lösung im offiziellen Vorstellungsinterview auf der Eisbären-Website. Dahinter steckt nämlich kein großes Eishockey-Geheimnis, sondern pure Pragmatik: Jonas hat am 5. Juli, also am 5.7., Geburtstag. Als er in Regensburg einen sportlichen Neuanfang wagte, drehte er die Ziffern seines Ehrentages kurzerhand um und machte daraus eine verdammt coole Torwartnummer.
Dass der gebürtige Sauerländer das Eishockey-Gen im Blut hat, kommt nicht von ungefähr. Sein Vater Jens Neffin spielte selbst Eishockey, lief im Nachwuchs des Iserlohner EC auf und war später auch für eine Saison im Seniorenbereich aktiv. Es liegt also in der Familie.
Wie tief er sich in die Herzen der Zuschauer spielen kann, zeigte sich erst kürzlich bei seiner emotionalen Verabschiedung im Süden im April 2026. Dort wurde er von den Anhängern offiziell zum „Eisbär der Saison 2025/2026“ gekürt. Wie beliebt Neffin bei den Fans war, bewies dann endgültig die abschließende Regensburger Trikotauktion. Seine Jerseys erreichten mit Geboten von 1100 Euro für das Heim-Outfit und stolzen 1600 Euro für das Retro-Trikot die absoluten Spitzenwerte des gesamten Kaders.

In Regensburg galt Neffin als äußerst beliebter Teamkollege. Er ist ein extrem bodenständiger, reflektierter und tiefenentspannter Charakter, der trotz des harten Konkurrenzkampfes im Süden das Teamgefüge immer über das eigene Ego gestellt hat. Charakterlich passt er damit wie die Faust aufs Auge in unser Berliner Gefüge.
Mein Puckgeflüster-Fazit
Stéphane Richer hat hier einen verdammt cleveren Fang gemacht. Nicht umsonst bezeichnete er Neffin als „eines der größten Torhüter-Talente Deutschlands“. Neffin verstärkt nicht nur eine Schlüsselposition, sondern sorgt dafür, dass im Tor der Eisbären kein Zentimeter Eis verschenkt wird. Wir bekommen einen hungrigen deutschen Torwart im besten Alter, der bewiesen hat, dass er Spiele auf absolutem Top-Niveau entscheiden kann. Das Duo LaFontaine/Neffin verspricht ein extrem spannendes Duell um den Startplatz zu werden – und genau so ein Luxusproblem brauchst du, wenn du den Titel verteidigen willst.
Natürlich ist Neffin keine Erfolgsgarantie. Ob er die Konstanz aus der DEL2 nahtlos ins Berliner Rampenlicht transportieren kann, muss er erst noch beweisen. Das Talent und die Mentalität dafür bringt er mit, gleichzeitig braucht der Schritt ins deutsche Oberhaus manchmal auch eine gewisse Eingewöhnungszeit. Genau diese Entwicklung wird eine der spannendsten Geschichten der kommenden Saison.
Titelbild: City-Press GmbH
– Jakob Wegener
