Spielberichte

Spielbericht: Eisbären vs. Iserlohn

Im zweiten Spiel des Heimspiel-Triples behalten die Eisbären gegen die Iserlohn Roosters die Oberhand. Am Ende besiegte man die Sauerländer verdient mit 5:2. Warum diese Partie in vielerlei Hinsicht besonders spannend zu beobachten war, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren.

Zunächst ein Blick auf das Line-Up: Lancaster und Müller kehrten zurück, dafür waren Mik und Dea überzählig. Bei Dea kommt dieser Schritt nicht überraschend – bislang stellt sich der statistisch hoch dotierte Kanadier nicht als die erhoffte Verstärkung heraus. Dass Mik aufgrund seines Alters (>23) und des grundsätzlich breiten Kaders irgendwann auf der Tribüne landen würde, war ebenfalls absehbar. Dennoch fühlt sich das merkwürdig an.

Das Trainergespann sucht nun erkennbar nach stabilen Reihen für die heiße Saisonphase. Gestern wurde ein neuer Ansatz gewählt: Man verteilte die besten Scorer auf die ersten drei Reihen.

  • Eder – Bergmann – Kirk
  • Ronning – Pföderl – Noebels
  • Tiffels – Veilleux – Vikingstad
  • sowie die nominell vierte Reihe Wiederer – Hördler – Lancaster, die vor allem im Schlussdrittel entscheidend wurde.

Dieser Schritt war dringend notwendig. Das sogenannte „Secondary Scoring“ war in den letzten Monaten kaum vorhanden. Zu abhängig war man von der nominell stärksten Formation. Eigentlich ist das untypisch für die Eisbären – traditionell zeichnet man sich durch Kadertiefe aus, bei der alle vier Reihen scoren können.

Bereits letzte Saison zeichnete sich eine Verschiebung ab, in dieser Spielzeit wurde sie durch die Ausfälle von Byron und Khodorenko zusätzlich verstärkt. Zudem fehlte zu Saisonbeginn lange der adäquate Ersatz für Zach Boychuk auf der Centerposition. Und so muss man festhalten: Viele unserer Stürmer definieren sich derzeit stärker über körperlichen Einsatz als über offensive Produktion. Dabei besitzen Spieler wie Wiederer, Veilleux, Eder, Vikingstad, Hördler oder Bergmann durchaus das Potenzial für zehn Tore mehr. Genau darin liegt meine Hoffnung für die kommenden Wochen – vorausgesetzt, es verletzt sich bitte niemand mehr.

Die neu formierten Reihen zeigten auf unterschiedliche Weise ihr Potenzial. Die ersten zehn Minuten dienten vor allem dazu, Sicherheit zu finden. Iserlohn überließ den Eisbären die Spielgestaltung und agierte passiv. Das half beim Aufbau, wirklich gefährliche Abschlüsse blieben zunächst jedoch aus.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die Roosters mutiger, doch die Berliner Defensive stand stabil – ähnlich wie im ersten Drittel gegen Straubing. Besonders hervorheben muss man Kai Wissmann. Nach Olympia hätte man Schlimmeres befürchten können, so verunsichert wirkte er dort. In den ersten beiden Spielen danach geht er wieder voran. Seine offensiven Qualitäten werden mit wachsender Spielpraxis ebenfalls zurückkehren.

Die Parallelen zum Straubing-Spiel wurden deutlich, als das erste Powerplay zur Führung genutzt wurde. Gewonnenes Bully, schneller Querpass, Direktabnahme – diesmal war es Marcel Noebels, der Andy Jenike keine Chance ließ. Manchmal braucht es eben keine Zauberei, sondern Einfachheit und Konsequenz.

Leider fiel der Ausgleich noch im ersten Drittel viel zu billig.

Entscheidend ist jedoch die Reaktion – und die war diesmal deutlich gefestigter. Natürlich ist Iserlohn kein Spitzenteam wie Straubing, doch auch solche Gegner können unangenehm werden. Liam Kirk brachte die Eisbären mit einer starken Einzelaktion erneut in Führung. Dieser Treffer war aber auch Resultat einer geschlossenen Defensivleistung.

Die Eisbären spielten kein Offensivfeuerwerk, agierten aber diszipliniert in allen Zonen und hielten die Roosters weitgehend fern vom eigenen Tor.

Im Schlussdrittel folgte der nächste wichtige Moment: Wieder ein gewonnenes Bully, Wissmann mit einem typischen Ausflug hinter das gegnerische Tor. Der missglückte Bauerntrick landete bei Les Lancaster, der kompromisslos in den Winkel abschloss – 4:2.

Kurz darauf jedoch der altbekannte Schlendrian: In Unterzahl ließ man sich zu einfach auskombinieren. Solche Aussetzer bleiben schwer erklärbar, vor allem wenn man zuvor so konsequent verteidigt hat.

Doch auch hier stimmte die Reaktion. Kein Einbruch, keine Verunsicherung. Wiederer gewann das nächste Anspiel, Hördler zog direkt in den Slot, Lancaster behielt im Gewühl den Überblick und erzielte seinen zweiten Treffer. Aktuell ist er offensiv schlicht wertvoller als Dea – das mag hart klingen, ist aber leistungstechnisch nachvollziehbar. Somit war es der zweite Treffer dieser nominell vierten Formation, die damit entscheidend war für den erfolgreichen Ausgang dieser Partie. So viel zum Thema „Secondary Scoring“!

Der Empty-Net-Treffer war dann besonders schön: Bergmann legte uneigennützig für Vikingstad quer, damit dieser seinen Treffer erzielen konnte. Zuvor hatte Vikingstad sich noch über einen missglückten Pass geärgert. Diese Szene stand sinnbildlich für die geschlossene Mannschaftsleistung des Abends.

Ob diese neue Struktur bereits gefestigt ist, wird sich morgen im direkten Duell mit Bremerhaven zeigen. Die Fischtown Pinguins stehen nach ihrer Overtime-Niederlage gegen Mannheim nur noch einen Punkt vor uns. Es wird ein hochinteressantes Spiel.

Bis dahin wünschen wir euch einen sonnigen und hoffentlich entspannten Samstag.

Bis morgen! 🙏🏒

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