Spielbericht: Eisbären vs. Straubing
Das erste Spiel nach der olympischen Pause ist Geschichte – die Probleme sind es leider nicht. Die Eisbären verlieren das erste von drei Heimspielen in fünf Tagen mit 2:3 gegen die Straubing Tigers. Warum diese Niederlage wieder einmal so unnötig wie symptomatisch war, gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren.
Bei den Eisbären fehlten Müller (Sperre), Lancaster (erkrankt) und Hildebrand (Knie). Khodorenko und Byron muss man eigentlich nicht mehr erwähnen – sie stehen sinnbildlich für die anhaltende Misere dieser Saison. Die Offensive ist nach aktuellem Stand allerdings komplett. Wir müssen also mit diesem Spielermaterial arbeiten. Defensiv gäbe es noch Spielraum, zumal Spieler wie Mik oder Lancaster auch offensiv aushelfen könnten – und das möglicherweise konstanter als einige nominelle Stürmer. So ehrlich muss man leider sein.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe meine Erwartungen an die spielerische Qualität inzwischen auf ein Minimum reduziert. Ich freue mich auf die Atmosphäre, den sozialen Austausch, die Rituale – aber an spielerische Glanzleistungen knüpfe ich keine Ansprüche mehr. Und selbst diese minimalistische Erwartungshaltung wurde an diesem Abend wieder auf eine harte Probe gestellt. Diese Saison bleibt eine schwierige Saison. Konstanz ist ein rares Gut – sie steht gefühlt unter Denkmalschutz.
Beginnen wir chronologisch. Der Start in die Partie war geprägt von großer Nervosität auf Berliner Seite. Straubing agierte hingegen so passsicher, als hätten sie in der Olympiapause einfach weitergespielt. Alternativ könnte man auch sagen: Es ist weiterhin erstaunlich leicht, unsere Defensive zu überspielen.
So negativ das erste Drittel begann, so positiv entwickelte es sich im weiteren Verlauf. Die Eisbären fanden zunehmend Zugriff, stabilisierten sich defensiv wie offensiv. Die Führung im ersten Powerplay war folgerichtig: Gewonnenes Anspiel, schneller Pass von Kirk an die blaue Linie zu Wissmann, der zügig Ronning in dessen Lieblingszone bediente – und schon kann ein Überzahlspiel auch einfach aussehen.
Es hätte ein stabiler Abend werden können. Aber wie so oft in dieser Saison verlor man im zweiten Drittel komplett den Fokus. Zu viele unnötige Fehlpässe, zu viel Drang nach dem komplizierten „schönen“ Spielzügen, anstatt sauber, einfach und strukturiert hinten herauszuspielen. Risiko ist legitim – aber nicht bei einer knappen 1:0-Führung.
Und so reichte den Gästen ein Schuss von der blauen Linie plus Direktabnahme im Powerplay, um das Spiel ohne großen Aufwand zu drehen.
Das dritte Gegentor resultierte dann aus einem übermütigen Vorstoß von Adam Smith mit anschließendem Puckverlust. Der an diesem Abend ansonsten solide Wissmann konnte den Konter nicht mehr verteidigen. Ohne Not lag man wieder deutlicher zurück.
Die Eisbären brauchten sichtbar Zeit, um sich davon zu erholen. Gegen Ende des zweiten Drittels blitzte kurz auf, was mit Mut und Entschlossenheit möglich gewesen wäre. Daraus resultierend fiel der Anschlusstreffer durch Andy Eder! Doch es fehlt aktuell entweder am Selbstvertrauen oder am Glauben, diese Intensität über 60 Minuten durchzuhalten.
Im Schlussabschnitt war dieser Wille erneut für zwei, vielleicht drei Minuten zu erkennen – danach verflachte das Spiel wieder. Straubing verteidigte mit einfachen, aber effektiven Mitteln und hielt die Eisbären weitgehend von Haukeland fern. Die letzten Minuten waren zwar noch einmal druckvoll, aber über das gesamte Spiel betrachtet wäre ein Punktgewinn ehrlicherweise nicht verdient gewesen.
Am Ende steht ein weiterer ernüchternder Abend in einer Saison, die nach zwei Meisterschaften nun wieder ihren ganz eigenen Charakter entwickelt hat. Positiv bleibt lediglich, dass sich tabellarisch wenig verändert hat – auch Wolfsburg und Bremerhaven verloren. Umso ärgerlicher, dass man daraus kein Kapital schlagen konnte.
Ich bleibe dennoch meinem Vorsatz treu: keine Erwartungen mehr. Vielleicht ist genau das der gesündere Weg durch diese Spielzeit.
Am Freitagabend geht es gegen Iserlohn weiter. Wir lesen uns danach wieder.
Bis dahin kommt gut durch die letzten Arbeitstage der Woche. 🙏😌
📸: City-press GmbH
