Winterlicher Spielbericht: Dresden vs. Eisbären
In einer fulminanten, winterlichen Atmosphäre im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion gewannen die Eisbären das 7. DEL-WinterGame mit 3:2 nach Verlängerung. Dabei sah es noch drei Minuten vor Spielende nach einem Sieg für die gastgebenden Dresdner Eislöwen aus. Wie es dennoch zum Erfolg für unsere Eisbären kam – und wie das Gesamterlebnis vor Ort einzuordnen ist – gilt es nun in gewohnter Form zu analysieren.
Grundsätzlich war es ein hervorragend organisiertes Großereignis mit kleinen Schönheitsfehlern, die sich bei einem solchen Event kaum vermeiden lassen. Über das Rahmenprogramm ließe sich sicher trefflich diskutieren, doch Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. In einem Eishockey-Spielbericht wollen wir uns daher lieber auf das Sportliche konzentrieren.
Zunächst ein Wort zu den Fans: Abgesehen von wenigen – leider unvermeidbaren – Idioten war es eine sehr angenehme, friedliche und stimmungsvolle Zusammenkunft. Gerade in den Bereichen, in denen sich die Fangruppen mischten, entstand eine harmonische Atmosphäre.
Ohne durch die eigene Fanbrille zu schauen, ging der Stimmungssieg klar an die Berliner Anhängerschaft. Nicht nur, dass überhaupt Choreografien organisiert wurden – auch in Sachen Lautstärke und Präsenz war man im Fußballstadion der SG Dynamo Dresden deutlich überlegen. Vor allem bei den zahlreichen Dynamo-Rufen ertappte man sogar einige Dresdner Fans dabei, wie sie gerne hätten mitsingen wollen 🤭. Insgesamt war es von beiden Lagern eine emotional starke, aber friedliche Unterstützung – ein rundum gelungenes Erlebnis!



Die wetterbedingten Rahmenbedingungen habe ich ja bereits ausführlich in der Wetteranalyse thematisiert. Es war das erwartete eisige Winterspiel ohne nennenswerte Schneefälle. Den Spielern wurde dadurch eine nahezu perfekte Eisfläche geboten, die unter diesen Bedingungen sogar schneller zu bespielen ist als viele Hallenflächen. Entsprechend entwickelte sich ein sehr rasantes Spiel mit nur wenigen Unterbrechungen.
Erstaunlicherweise verließ der Puck auch nur selten die Spielfläche. Gerade bei Outdoor-Spielen kommt es durch fehlende Fangnetze häufig zu längeren Unterbrechungen, weil der Puck über das Plexiglas fliegt – gestern Abend war das nur sehr selten der Fall.
Das lag auch an der Spielanlage beider Teams. Die Dresdner suchten in der Offensive immer wieder spielerische Lösungen, anstatt blind von der blauen Linie abzuschließen. Insgesamt war es ein intensives Spiel mit vielen fair geführten Zweikämpfen. Den Gastgebern gelang es dabei über weite Strecken, den Eisbären das Leben enorm schwer zu machen. Das Berliner Spiel wurde konsequent nach außen gedrängt, der von Serge Aubin so geliebte Slotbereich war nahezu betoniert. An dieser Stelle ein großes Lob an die Dresdner für diese disziplinierte und starke Defensivleistung.
Den Eisbären kann man über die gesamte Spielzeit hinweg nur wenige Vorwürfe machen. Wir reden von außen natürlich leicht – eingepackt in sieben Zwiebelschichten –, während die Spieler bei diesen Bedingungen alle 30 Sekunden aufs Eis mussten, um sich dort nahezu ungeschützt wieder für 90 Sekunden durchzufrieren. Sicherlich fehlte phasenweise die Kreativität, um das Dresdner Abwehrbollwerk zu knacken, aber immerhin gelang es den Eisbären, auf beide Gegentreffer eine Antwort zu finden.
Da man als Favorit das Spiel aktiv gestaltete, öffneten sich – wie so oft – auch Lücken in der Defensive. Diese nutzten die Eislöwen geschickt, sodass sie über die gesamte Partie hinweg sogar etwas gefährlicher wirkten. Im ersten Drittel konnten sie ihre Chancen jedoch noch nicht nutzen. Das 0:0 nach 20 Minuten ging leistungsgerecht in Ordnung.
Im Mittelabschnitt versuchten die Eisbären zunächst, das Tempo deutlich anzuziehen. Ausgerechnet in dieser starken Phase schlichen sich dann aber wieder altbekannte Schlendrians ein. Ein katastrophaler Aufbaupass, völlig blind durch die Mitte des eigenen Drittels gespielt, führte letztlich zum Führungstreffer der Eislöwen. Wieder einmal stellte man sich selbst ein Bein und lief einem unnötigen Rückstand hinterher.
Der Ausgleichstreffer zeigte jedoch exemplarisch, wie man ein solches Bollwerk knacken kann: konstanter Druck von außen, müde gespielte Verteidiger und gezielte Pucks in den Slot. Entscheidend ist dann das konsequente Nachsetzen – und genau das beherrscht aktuell kaum jemand besser als Liam Kirk. Der Brite verwertete die freie Scheibe spektakulär aus der Luft vorbei am sonst überragenden Janick Schwendener.
Am Spielverlauf änderte sich danach wenig. Die Eisbären blieben tonangebend, fanden aber weiterhin nur selten Lösungen im letzten Drittel. Nach dem obligatorischen Seitenwechsel zur Hälfte des Schlussabschnitts – um gleiche Bedingungen zu gewährleisten – konnten sich die Gastgeber nochmals gefährlich im Berliner Drittel festsetzen. Die Eisbären agierten in dieser Szene wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und wurden überrumpelt. Sechs Minuten vor dem Ende lag man erneut zurück.
Als sich bereits alles auf das Ziehen von Jake Hildebrand einstellte, initiierten die Eisbären über Eric Mik einen herausragenden Angriff mit Parallelen zum legendären Meisterschaftstreffer von Leo Pföderl in Bremerhaven. Dieses Mal nahm Liam Kirk den Abschluss auf das lange Eck, der Abpraller landete bei Ty Ronning, der eiskalt verwandelte. Ronning feierte diesen Treffer sichtlich emotional mit den eigenen Fans ☺️.
Die Overtime war dann das eigentliche Meisterstück des Abends. Eine offenbar einstudierte Variante: Bullygewinn, Rückzug, Tempoverschärfung. Kirk, Ronning und Müller spielten das nahezu perfekt aus. Ronning nahm Tempo auf, umkurvte Müller, erhielt den Puck in den Lauf, zog ins Drittel, legte quer auf den kreuzenden Kirk – dessen Abschluss konnte Schwendener erneut nur abprallen lassen. Ronning band dabei clever einen Verteidiger, Kirk staubte ab. Wenn man so einen Lauf hat wie unser Lieblingsbrite, sieht selbst Hochgeschwindigkeits-Eishockey einfach aus.
Die anschließende Jubelszene vor der kompletten Eisbärenkurve war der emotionale Höhepunkt des Abends. Ein zur Musik abgestimmtes Feuerwerk setzte dem Ganzen die Krone auf. Danach ließen sich beide Mannschaften feiern – das Fest der Eisbären natürlich deutlich ausgelassener. Eine kleine Schläger-Schneeballschlacht beendete schließlich diesen denkwürdigen Abend endgültig. Ein wahrhaft grandioses Eishockeyfest!
Für die Eisbären stehen nun zwei schwere Auswärtsaufgaben an: Am Donnerstag geht es nach Schwenningen, am Sonntag folgt ein Heim-Auswärtsspiel in Wolfsburg. Felix meldet sich wie gewohnt rechtzeitig mit seinem fundierten Vorbericht.
Wir wünschen euch nun ein entspannten Eishockeynachmittag – gerne auch im Eisstadion Neukölln, wo FASS Berlin auf die Chemnitz Crashers trifft. Hinweise dazu entnehmt ihr diesem Link!
Bis ganz bald! 🥶🏒🫶
