Analysen

Die Puckgefüster – Wetteranalyse für das WinterGame

Mit einer kleinen Verspätung von einem Tag präsentieren wir euch unsere exklusive Wetteranalyse für das morgige WinterGame in Dresden. Das hatte zum einen arbeitstechnische, zum anderen aber auch ganz klar wetterbedingte Gründe: Die verschiedenen Wettermodelle berechneten gestern noch recht große Temperaturunterschiede – von etwa -4 bis -14 Grad.

Bevor wir starten, möchte ich kurz meine Motivation hinter dieser Analyse erläutern. Ihr kennt mich (Alex) vom Schreiben der Spielberichte, aus einigen Podcastfolgen und als Mitbegründer von Puckgeflüster. Langjährigen Hörern und Lesern ist bekannt, dass ich hauptberuflich als Grundschullehrer arbeite. Wie bei vielen von euch verlief mein beruflicher Weg allerdings nicht ganz linear. In meiner Vita stehen auch sechs Semester Meteorologiestudium – und diese Leidenschaft ist bis heute geblieben.

Meine Analyse stützt sich dabei aus den Wetterkarten der verschiedensten Wettermodelle, die man auf Kachelmannwetter wiederfinden und selbst einsehen kann. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und muss selbstverständlich nicht zu 100 % exakt eintreffen. Vielmehr geht es mir darum, euch zu zeigen, wie komplex Wetterprognosen sind – und warum man sich weder allein auf Wetter-Apps noch auf einzelne Wetterseiten verlassen sollte.

Warum ist meine Wetter-App so ungenau?

Wie bereits mehrfach beschrieben, gibt es eine Vielzahl an Wettermodellen. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen globalen und lokalen Wettermodellen. Zu den bekanntesten globalen Modellen zählen das europäische Modell ECMWF, das amerikanische Modell GFS sowie das deutsche Modell ICON-EU. Diese Modelle berechnen das Wetter für die gesamte Welt und in der Regel mindestens bis zu sieben Tage im Voraus. Der große Nachteil liegt jedoch in ihrer vergleichsweise groben Auflösung. Vor allem Gewitter oder lokal begrenzte Wetterereignisse können sie nur unzureichend abbilden. Zudem gilt: Je weiter die Vorhersage in die Zukunft reicht, desto ungenauer wird sie.

Lokale Wettermodelle hingegen berechnen das Wetter für deutlich kleinere Gebiete, etwa für Mitteleuropa, und meist nur für wenige Stunden oder maximal drei Tage im Voraus. Genau das macht sie deutlich präziser und zielgerichteter. Sie berücksichtigen zudem lokale Gegebenheiten wie Berge, Seen oder Bebauung, die einen enormen Einfluss auf das tatsächliche Wettergeschehen haben.

Das große Problem vieler gängiger Wetter-Apps besteht darin, dass sie ihre Daten meist nur aus einem globalen Modell beziehen – häufig aus dem GFS. Gerade für das europäische Wetter ist dieses Modell aber nicht immer zuverlässig. So kann es passieren, dass selbst noch drei Tage vor einem Ereignis Temperaturen von -1 Grad angezeigt werden, während andere Modelle längst -10 Grad berechnen. Diese Unterschiede bekommt ihr in der App allerdings nicht angezeigt. Wer sich also ausschließlich auf eine Wetter-App verlässt, ist oft verlassen. Leider gilt das auch für einige bekannte Wetterseiten, deren Namen wir hier bewusst nicht nennen wollen.

Die beste Methode ist daher ganz klar der Vergleich mehrerer Modelle – dafür muss man kein Wetterexperte sein. Und ganz wichtig: Alle Prognosen über drei Tage hinaus sollten grundsätzlich mit großer Vorsicht betrachtet werden.

Welche Temperaturen erwarten uns?

Die Komplexität der Wettervorhersage – selbst innerhalb eines Zeitraums von nur drei Tagen – haben wir in den vergangenen Tagen eindrucksvoll erlebt. Lange Zeit wurden auch für Berlin kräftige Schneefälle prognostiziert, weshalb entsprechende Warnungen vollkommen zurecht ausgesprochen wurden. Am Ende entschied jedoch die exakte Zugbahn des aktuellen Tiefdruckgebietes über Schnee oder eben nicht.

Nur rund 50 Kilometer weiter nördlich – und wir hätten heute den gesamten Tag mit Schnee und teils kräftigen Schneeverwehungen zu tun gehabt. Stattdessen schneit es nun sehr ausgiebig in Dresden, was einmal mehr zeigt, wie fein die Grenzen zwischen Winterchaos und „glimpflich davongekommen“ verlaufen können.

Tief „Elli“ hat enormen Einfluss auf das morgige Wetter – 📸: kachelmannwetter.com


Wir können uns also auf eine echte winterliche Kulisse freuen – ganz ohne künstliche weiße Planen.

Die spannendste Frage lautet nun: Wie kalt wird es tatsächlich? Das hängt maßgeblich von den aktuellen Druckverhältnissen und erneut von der exakten weiteren Zugbahn des heutigen Tiefdruckgebietes ab. In den folgenden Bildern seht ihr die unterschiedlichen Modellberechnungen der Druckverteilung für morgen um 16 Uhr.

Die Unterschiede wirken auf den ersten Blick minimal, haben jedoch einen erheblichen Einfluss auf die berechneten Temperaturen – und damit auf das Kälteempfinden im Stadion.

In den folgenden Bildern seht ihr nun die Temperaturberechnungen der lokalen Modelle. Auffällig ist dabei, dass deutlich mehr Werte dargestellt werden und vor allem die Dresdner Innenstadt etwas wärmer berechnet wird – ein Effekt, den wir auch aus Berlin gut kennen.

Nach diesen Modellen dürfen wir um 16 Uhr Temperaturen zwischen –6 und –9 Grad erwarten.

(Zur Einordnung: Das Stadion liegt etwa zwischen der Äußeren Neustadt und Plauen.)

In den nun folgenden globalen Modellen seht ihr eine nicht hochaufgelöste Berechnung. Sie berechnen etwas kältere Wert von -8 bis -10 Grad. Irgendwo in der Mitte werden sich dann die Werte einpendeln.

Für 19 Uhr berechnen die Modelle -7 bis -13 Grad, also kaum große Unterschiede zu 16 Uhr! Es wird also im gesamten Spielverlauf knackig kalt sein. Zieht euch daher sehr warm an!

Fällt Schnee?

Beim Thema Schnee sind sich die meisten Modelle einig: Zum Beginn des Spiels wird kein weiterer Schneefall mehr berechnet. Während der Partie selbst zeigen lediglich zwei lokale Modelle geringe Schneefallmengen an, diese gelten allerdings als sogenannte „Außenseiterlösungen“.

Die übrigen Modelle gehen über den gesamten Spielverlauf von trockenen Bedingungen aus. Eine kleine weiße Überraschung lässt sich dennoch nicht vollständig ausschließen – die Wahrscheinlichkeit dafür ist aktuell jedoch eher gering.

Interessanter wird in diesem Zusammenhang eher die Rückfahrt. Durch die nördliche Strömung ziehen die kalten Luftmassen über die noch vergleichsweise milde Ostsee. Dadurch können sogenannte „Lake-Effect“-Schneeschauerentstehen, die in der Nacht über Berlin und das südliche Brandenburg ziehen sollen. Entsprechend sollte man sich auf glatte Straßenverhältnisse einstellen.

Fazit!

Uns erwartet also ein echtes WINTERGame mit nahezu perfekten Eishockeybedingungen: keine größeren Neuschneemengen, dafür durchgängig knackige Temperaturen um die –10 Grad.

Noch einmal die dringende Empfehlung: Zieht euch sehr warm an und denkt gegebenenfalls an wärmende Hilfsmittel für Füße und Hände – der Winter meint es diesmal ernst! 🥶🏒❄️

Bildquellen:

alle Wetterkarten (kachelmannwetter.com)

Beitragsbild (https://de.freepik.com/search?format=search&last_filter=query&last_value=winterwetter+eishockey&query=winterwetter+eishockey#uuid=54b2aff2-f7ef-4896-bc8e-79aa0dbfa853)

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